Home
http://www.faz.net/-gyz-urcm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Alte Meister Kleopatras Schwester Lucrezia

01.05.2007 ·  Gleich das erste Los sorgte für einen Rekord in der 300-jährigen Geschichte des Wiener Dorotheum. Für 1,15 Millionen Euro ging Guido Cagnaccis „Lucrezia“ bei der Jubiläumsauktion „Alte Meister“ an einen italienischen Bieter. Andere hocheingeschätzte Lose blieben hingegen liegen.

Von Nicole Scheyerer, Wien
Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Spontaner Applaus brandete im Wiener Dorotheum auf, als gleich das erste Los der Jubiläumsauktion Alter Meister in Rekordhöhe schnellte: Mit der „Lucrezia“ des Guidio Cagnacci (unsere Abbildung) konnte das Traditionshaus alle Ergebnisse seiner dreihundertjährigen Geschichte übertrumpfen. Ein italienischer Telefonbieter kämpfte die leidenschaftliche Dolchträgerin mit der entblößten Brust von 40.000 Euro Rufpreis zum Zuschlag von 1,15 Millionen Euro hoch. Seinem Schwestergemälde „Selbstmord der Kleopatra“ im Wiener Kunsthistorischen Museum gleicht das Werk in der hinreißend eleganten Darstellung, mit der Cagnacci das weiche Licht auf Seidenkleid und Perlmutthaut seiner tragischen Heldin fallen lässt. Der jetzt erzielte Preis setzt eine neue Spitzenmarke für Werke des 1665 in Wien verstorbenen Hofmalers.

Auf das Zehnfache ihrer Taxe stieg die „Madonna mit Kind“ von Bernardino Pinturicchio, die für 380.000 Euro in eine Privatsammlung nach Italien wandert. Erwartungsgemäß schöne Erfolge brachte die meisterlich inszenierte Fauna: Melchior de Hondecoeters „Vogelkonzert“, das den Katalog schmückt, ließ das Auktionatorenherz bei 560.000 Euro jubeln; am Getier im Garten Eden aus der Schule Jan Brueghels darf sich für 400.000 Euro künftig ein französischer Sammler freuen. Die Verkaufsquote der Auktion lag bei insgesamt 59 Prozent.

Verschmähte Spitzenlose

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten fanden die Auktionen wieder im Franz-Joseph-Saal statt, in dem auch ein Teil der Werke ausgestellt war. Dennoch blieben am zweiten Auktionstag die Spitzenlose liegen: Weder der mit 300.000 Euro ausgerufene „Christus am Kreuz“ des Giuliano da Sangallo noch Benedetto Maianos Terrakottabüste des Kaufmanns Mellini oder die kostbare italienische Nachtlichtuhr fanden Interessenten. Die gotische heilige Barbara eines Tiroler Meisters erreichte 70.000 Euro, während die Madonna mit Kind derselben Epoche mit dem Zuschlag bei 75.000 Euro unterhalb ihrer Schätzung von 80.000 bis 85.000 Euro wegging.

Bei den Möbeln ersteigerte ein glücklicher Saalbieter den reich verzierten, spätbarocken Tabernakel-Schreibschrank mangels Konkurrenz für 70.000 Euro (Taxe 100.000/120.000). Dafür stieg das älteste Stück der Versteigerung, ein Elfenbeinrelief aus dem 12. Jahrhundert, von 2500 Euro Rufpreis auf sensationelle 45.000 Euro. Am Ende der Jubiläum-Schau funkelte noch ein Star, als ein weißgoldenes 18-Karat-Collier mit 180.000 Euro Zuschlag in den Rang des teuersten Juwels der letzten 300 Dorotheumsjahre aufstieg.

Quelle: F.A.Z., 28.04.2007, Nr. 99 / Seite 44
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr