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Alte Kunst und Moderne Mit viel Bietfreude in Zürich

Richtig gute Ergebnisse und an der Spitze eine phantastische Szene von Salvador Dalí: Die Herbstauktionen mit Moderne und Alter Kunst bei Koller.

Das Rennen ging knapp zu seinen Gunsten aus: Salvador Dalí stellte mit dem Zuschlag von 3,8 Millionen Franken (Taxe 2,8/3,5Millionen) für seine spektakuläre Costa-Brava-Traumsequenz „Paysage du Port Lligat avec anges familiers et pêcheurs“ - nicht unerwartet - das Spitzenlos der Auktion mit moderner Kunst bei Koller in Zürich. Das exemplarische Ölbild gehörte einst dem amerikanischen Werbepionier Albert D.Lasker, jetzt ging es an einen anonymen Telefonbieter.

Paul Signac war mit seiner flimmernden normannischen Landschaft „Les Andelys, Châteaux Gaillard“ ebenfalls aussichtsreicher Kandidat für Platz eins: Das großformatige Feuerwerk von Sommerfarben landete jedoch mit 3,6 Millionen Franken (3,2/3,8 Millionen) auf dem zweiten Platz. Beide Werke untermauerten die äußerst positive Bilanz, die das Familienunternehmen Koller für das ganze Jahr 2012 ziehen kann.

Noch mehr reüssierte bei der Moderne: Rodins schöne Bronzebüste der Helene von Nostitz erreichte taxgerechte 140.000 Franken; Noldes dunkeltonige „Marschlandschaft“ auf Japanpapier erfüllte die Erwartungen mit im Saal gebotenen 190.000 Franken. Bescheidenere 110.000 Franken (120.000/180.000) erlöste Karl Hofers Figurenbild „Die grüne Fahne“; für 85.000 Franken (70.000/90.000) fand Bonnards schöne Gouache „Panier de Fruits“ einen Freund. Etwas gedrückt wird die Statistik durch den Ausfall von Picassos Gemälde „Nu assis appuyé sur des coussins (JaquelineII)“ von 1964 (2,2/2,8 Millionen). Auch Klees Aquarell „Gebirgs-Gärtlein“ (120.000/160.000) steht als Rücklauf in den Büchern.

Zwei Bilder im mit 124 Losen gut bestückten Sektor der Schweizer Kunst erreichten siebenstellige Ergebnisse, einmal mehr erwies sich Albert Anker als Garant für hohe Gebote: Insgesamt ein Dutzend Arbeiten von ihm kamen zum Aufruf, nur drei blieben unverkauft. Das „Teeservice“, seit siebzig Jahren nicht im Handel, erreichte mit 1,5Millionen Franken genau seine untere Schätzung; solcherart Stillleben sind äußerst selten in Ankers Werk, auf dem Markt kaum zu finden, folglich sehr gesucht.

Die konservative Taxe von 1,2 bis 1,8 Millionen Franken für den „Schreibenden Knaben mit SchwesterchenI“ von 1875 war im Bietgefecht schnell übersprungen: Für das einfühlsame Doppelbildnis in schönstem Licht bewilligte ein Bieter im Saal schließlich drei Millionen. Auch im mittleren Segment konnte für Ankers kleinformatiges „Mädchen, Kaffee trinkend“ eine weitere halbe Million Franken (500.000/700.000) verbucht werden. Giovanni Giacometti hatte zwei Treffer: Ein „Bergbach“ steuerte 400.000 Franken (380.000/ 480.000) und eine „Sera d’inverno, Corvatsch“ noch einmal 300.000 Franken (300.000/400.000) zur Gesamtsumme bei.

Aus der Auktion mit Alter Kunst ging ein wiederentdecktes Gemälde Francisco de Goyas als Sieger hervor, mit überraschend hohem Zuschlag dann doch: Seit 1930 war „Lot und seine Töchter“ in Schweizer Privatbesitz; in der Goya-Forschung kannte man nur eine schwarzweiße Reproduktion des einen Quadratmeter großen Bilds, das um 1770/80 entstand. Es zeigt eine Trinkszene vor der Kulisse der in Flammen stehenden Stadt Sodom.

Versehen mit einer Erwartung von 600.000 bis 800.000 Franken, stieg das Werk dank Geboten aus ganz Europa bis auf 2,3 Millionen, bewilligt von einem privaten Bieter aus den Niederlanden. Ebenfalls einen erheblichen Sprung schaffte das im frühen 16. Jahrhundert in Antwerpen entstandene Gemälde „Christus und Johannes als Kinder, einander umarmend“ des Joos van Cleeve und Werkstatt. Für die sich herzenden Knaben, umschlossen von einem kunstvoll ausgeführten Architekturrahmen, steht der hohe Zuschlag von 910.000 Franken einer oberen Taxe von 280.000 Franken gegenüber.

Für Aufsehen sorgte eine seltene byzantinische Ikone der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts: Für das in Eitempera auf Eichenholz gemalte Christus-Schulterstück mit Kreuz-Nimbus konnten 170.000 Franken (60.000/80.000) verbucht werden, investiert von einem Londoner Sammler. Mit 220.000 Franken entsprach ein schmaler Altarflügel von Jacques Daret aus der Mitte des 15. Jahrhundert mit der Darstellung des heiligen Franziskus den Erwartungen. Ohne Gebot blieb dagegen Gian Lorenzo Berninis „Verspottung Christi“ (250.000/350.000). Unter den niederländische Stillleben brachten Balthasar van der Asts „Bild mit Früchten auf einem Porzellanteller und einem Papagei“ 145.000 Franken (150.000/200.000) und Artus Claessens großes „Bankett-Stillleben“ mit üppig gedeckter Tafel 100.000 Franken (140.000/180.000).

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Beim 19. Jahrhunderts war das Prunkstück schnell ausgemacht: Iwan Konstantinowitsch Aiwasowskis „Weite Landschaft mit Siedlern“, gemalt 1856, zeigt eine schier endlose Wagenkolonne der Krimtataren im goldgelben Licht der untergehenden Abendsonne. Das Großformat spielte 670.000 Franken (450.000/700.000) ein. Aiwasowskis deutscher Zeitgenosse Carl Spitzweg hat bei Koller eine Stammkundschaft: „Der Landpfarrer mit dem Brevier“ von 1848/50 erlöste 36.000 Franken (20.000/30.000). Für Spitzwegs „Ständchen im Mondschein“ aus dem Jahr 1840 war ein letztes Gebot von 53.000 Franken (30.000/40.000) nötig.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 28.12.2012, 06:52 Uhr