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Alte Kunst und Moderne : Die Russin schmollt

Das Berliner Auktionshaus Bassenge kann sich über gute Ergebnisse bei Alter Kunst und Moderne freuen - allen voran für einen Jan Toorop.

          International umworben, erklomm eine Porträtzeichnung des holländischen Symbolisten Jan Toorop mit sagenhaften 425.000 Euro die Spitzenposition der Auktion bei Bassenge in Berlin. Erobert wurde das - auf 12.000 Euro geschätzte - Bildnis eines alten Mannes mit jugendlicher Ausstrahlung im Bieterstreit zahlreicher Interessenten vom New Yorker Handel. Der 1858 als Sohn eines auf Java stationierten holländischen Regierungsbeamten geborene Künstler ließ sein Modell vor der Kulisse einer Kathedralwand posieren, die mit heilsgeschichtlichen Figuren geschmückt ist. Die großformatige, zurückhaltend kolorierte Kohlezeichnung entstand 1904, als Toorop, der im Mystizismus verwurzelt war, zum Katholizismus konvertierte.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Da lag die Periode eines linienbetonten Jugendstils bereits hinter dem europaweit geschätzten Symbolisten, dessen nachgelassenes Werk großenteils im Kröller-Müller-Museum in Otterlo bewahrt wird. Ein weiterer Ausreißer, Ferdinand Hodlers undatierte Zeichnung eines stehenden männlichen Akts, frappierte mit dem Zuschlag bei 59.000 Euro (Taxe 2400), die Zürcher Handel investierte. Ebenfalls in den Handel gelangte bei 25.000 Euro (20.000) Feiningers lavierte Federzeichnung eines Bahnwärters, der eine zyklopenhaft heranrollende Lokomotive stoppt. Unter der Taxe von 24.000 bei 19.000 Euro abgegeben wurde die von George Grosz mit spitzer Feder gegeißelte „Werbung“ im Spießbürgermilieu. Den Zuschlag für Mackes Studienblatt mit Zirkusimpressionen erhielt bei 22.000 Euro (20.000) der Abgesandte des griechischen Reeders George Economou.

          Den Spitzenpreis der modernen Druckgraphik erzielte mit taxgemäßen 100.000 Euro die von der kalifornischen Getty-Stiftung übernommene „Erste Bauhausmappe“ mit Beiträgen von sieben Meistern in Weimar. Das einzige von Beckmann selbst kolorierte Exemplar der Illustrationen zu seinem jugendlichen Dramolett „Ebbi“wurde bei 72.000 Euro (60.000) von einem süddeutschen Sammler erworben. Picassos 1936 imaginierter Faun vor schlummernder Nymphe, Blatt 27 aus der „Suite Vollard“, stieg auf 60.000 Euro (50.000). Otto Dix’ Bordellszene „Matrose und Mädchen“, eine Farblithographie von 1923, brachte 13.000 (8000), Felixmüllers Vorzugsdruck der „Liebenden Frau“ von 1918 kam auf 10.500 Euro (9000).

          Hohe Steigerungen ergaben sich bereits zuvor bei der Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts. Von einem Londoner Connaisseur übernommen, verbesserte sich Dürers Rhinozeros von 12.000 auf 33.000 Euro. Rembrandts „Selbstbildnis mit runder Pelzmütze“ ermunterte Münchner Handel zur Anlage von 30.000 Euro (9000). Der Volksauflauf, den ein gestrandeter Wal 1602 bei Beverwijk auslöste, bewog Jan Saenredam zu einer Radierung, die bei 12.000 Euro (4500) nach Holland zurückkehrte. Ein kleiner Prinz aus Sachsen, im Holzschnitt von Lucas Cranach zu Pferd unterwegs, fand das Gefallen eines Düsseldorfer Händlers, der 6000 Euro (1800) bewilligte und dann noch 18.000 (7000) für einen kontrastreichen Druck des „Barmherzigen Samariters“ von Rodolphe Bresdin.

          Erfolge mit informeller Kunst

          Eine Reihe von Überraschungen hielt auch die mit 200 Tafelbildern bestückte Gemälde-Sektion bereit: Ein anonymer Vertreter der umbrischen Schule im Umkreis des Perugino sprang, vom amerikanischen Handel übernommen, auf 75.000 Euro (10.000). Ein russischer Bieter verguckte sich in das dem Porträtisten Wladimir Lukitsch Borowikowskij zugeschriebene Bildnis einer mürrisch blickenden jungen Dame im leicht derangierten Empirekleid, das er nach Zahlung von 92.000 Euro (12.000) nach St. Petersburg zurückzuführen versprach. Heiß umkämpft wurde eine Darstellung des schwarzweiß gescheckten Reitpferds von Sir William Hamilton, des britischen Gesandten in Neapel, das Jakob Philipp Hackert 1785 gespornt und gesattelt vor einem Grashügel konterfeite; gegen neun weitere Interessenten erlangte der römische Handel bei 22.000 Euro (2800) den Zuschlag für einen prominenten Hengst.

          Ein voller Erfolg war der gesondert versteigerten Kollektion des auf konstruktive und informelle Kunst spezialisierten, jüngst gestorbenen Berliner Sammlers Peter Knirsch beschieden. Unter knapp fünfzig Losen zu Schätzpreisen zwischen 200 und 45.000 Euro blieben lediglich vier Objekte unverkauft. Ein signalrot über blauem Grund flirrendes Gitterwerk des Franzosen François Morellet erzielte 28.000 Euro; eine Feuer-Gouache von Otto Piene wurde für 8500 Euro weit über der Taxe von 5000 Euro verkauft.

          Quelle: F.A.Z.

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