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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.10.2012, 05:06 Uhr

Alte Kunst Habsburger Riesennase

Ungeschönt malte Dürer den Kaiser Maximilian. Bei Karl & Faber in München kommt nun eine Zeichnung nach dem berühmten Vorbild zum Aufruf. Ein Blick auf das Angebot mit Alter Kunst.

von Brita Sachs, München

Am Rande des Reichstags zu Augsburg 1518 stand die Politprominenz bei Albrecht Dürer Schlange, damit der Maler sich Skizzen für im Atelier auszuführende Porträts in Öl machte. Auch Kaiser Maximilian ließ sich zeichnen, damit Dürer sein heute berühmtes Konterfei des Fürsten mit der Habsburger Riesennase und dem intelligenten, selbstbewussten Ausdruck malte. Nach der heute in der Wiener Albertina bewahrten Dürer-Zeichnung schuf Hans Sebald Beham, der höchstwahrscheinlich bei dem Nürnberger in die Lehre ging, eine Kohlezeichnung. Aus einer Schweizer Privatsammlung gelangt sie jetzt in Karl & Fabers Auktion „Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts“ und wird dort am 26.Oktober für 15.000 bis 17.000 Euro angeboten.

Später kommt in der angesehenen Papierabteilung eine barocke Rarität zum Aufruf: Arbeiten Johann Georg Dieffenbrunners tauchen im Handel äußerst selten auf; seine Vorzeichnung zum Fresko „Herzpresse Jesu“ für die Wallfahrtskirche Violau befand sich in Wolfgang Ratjens berühmter Sammlung (Taxe 7000/8000 Euro). Neben dieser himmelwärts ausgerichteten Allegorie der Glaubensstärke erscheint Chodowieckis reizendes Blatt einer Mutter mit Kind auf dem Schoß irdisch intim (1800). Ins italienische Arkadien entführen zwei meerumschlungene Aquarelle, gemalt 1788 von Goethes Reisebegleiter Christoph Heinrich Kniep (je 4000/5000).

In Öl schuf Rembrandt-Schüler Samuel van Hoogstraten ein Vanitas-Stillleben mit jungem in Gedanken versunkenem Mann. Den Tisch vor ihm bedecken Geige, Uhr und Himmelsglobus, ein Putten-Torso, Aktzeichnung und weitere, rätselhaft kombinierte Symbole für Endlichkeit und Wissenschaften (30.000/40.000). Lustig schäkert derweil Jan Miense Molenaers „Lautenspieler“, um 1630 auf Holz gemalt (10.000/12.000). In der Offerte an Gemälden des 19. Jahrhunderts befindet sich der „Besuch auf der Alm“ von Lorenzo QuagliosII. (16.000/18.000): ein Anblick violett glühender Berge.

In düsterem Licht treibt hingegen Anselm Feuerbachs „Dante-Barke“ nach Delacroix. 1964 erwarb sie die Stadt Speyer als Leihgabe fürs dortige Feuerbachhaus. 2006 restituiert, ist sie nun auf 6000 bis 7000 Euro geschätzt. Spitzwegs locker in Öl auf einen Zigarrenkistendeckel skizzierte „Rastende Zigeuner“ (25.000/30.000) verlassen ihren Platz in Süddeutschland, und aus einer Schweizer Privatsammlung kommt Hans Thomas vom Oberrhein inspirierte Ideallandschaft eines in tiefem Grün sich schlängelnden Flusses (20.000/25.000).

Die Papierofferte brilliert mit Friedrich Overbecks „Versöhnung Esaus und Jakobs“ (14.000/15.000); noch einmal vereint hier der alte Künstler 1866 die Ideale seiner nazarenischen Jugend. Rustikaler geht Pferdespezialist Albrecht Adam ans Werk, der die edlen Rösser von Fürstin Oettingen-Wallerstein nebst Pflegern aquarellierte (2500/3500). Auch eines der begehrten Aquarelle von Johan Georg von Dillis liegt bereit: „Jäger mit Hunden unter einem Baum“ (5000/6000). Knapp fünfzig Zeichnungen aus dem Bestand der einst von Fritz Nathan gegründeten Münchener Ludwigsgalerie bieten günstige Blätter von Menzel, Carl Rottmann oder auch Ferdinand von Olivier.

Quelle: F.A.Z.

 

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