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40 Jahre „Galerie Max Hetzler“ : Blüht, ihr Blumen aus Stahl!

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Von der Ästhetik des Minimalen bis zum Maximum des Erfolgs: Max Hetzler hat mit seiner Galerie Kunstgeschichte gemacht. Jetzt wird sie vierzig Jahre alt. Und seine Künstler feiern ihn. Nur Jeff Koons hatte etwas besseres vor.

          Max Hetzler ist aus dem Häuschen. Kaum vorstellbar, bei dem Mann, der seit vierzig Jahren zu den Sachlichsten im Galeriegeschäft gehört. Jetzt sind alle seine Künstler nach Berlin-Wedding gereist und feiern ihn und seine Frau Samia Saouma. Denn sie wollen sich an alle und alles erinnern, was in den vergangenen vier Jahrzehnten „Galerie Max Hetzler“ geschehen ist. 1973 zog Hetzler aus Stuttgart aus, um die Kunstwelt zu erobern, und landete nach dem Umweg über Köln schließlich Mitte der Neunziger in Berlin.

          Darren Almond gibt in der Jubiläumsausstellung, die an diesem Wochenende eröffnet hat, den Ton vor: Seine Arbeit „Told and Untold“, die eigens für die Schau entstanden ist, formuliert die Botschaft auf zwei der typischen Almond-Schildern - „Remember“ und „Everything“. An was sollen wir uns seiner Meinung nach erinnern? An das Hetzler-Who’s-Who: Glenn Brown, André Butzer, Rineke Dijkstra, Günther Förg, Mona Hatoum, Jeff Koons, Vera Lutter, Marepe, Beatriz Milhazes, Ernesto Neto, Frank Nitsche, Albert Oehlen, Yves Oppenheim, Richard Phillips, Michael Raedecker, Bridget Riley, Thomas Struth, Rebecca Warren, Christopher Wool und Toby Ziegler. Es lohnt sich, diese Namen aufzuzählen - sie stehen für die Geschichte einer der erfolgreichsten deutschen Galerien. Viele von ihnen sind von Anfang an dabei - und immer noch sehr im Aufwind, manche schon lange, andere schon wieder, kommerziell und (einige) auch inhaltlich.

          In Stuttgart fing alles an - mit dabei waren schon Albert Oehlen, Martin Kippenberger, Günther Förg und Alfons Mucha. Doch nur in Köln konnte man damals etwas werden. Also ging’s 1983 auf ins Rheinland. Dort gelang Max Hetzler der Durchbruch mit Künstlern aus Deutschland und den Vereinigten Staaten. Was machte er anders als andere? Seine Künstler stellten „Behauptungen“ auf, so sagt er heute selbst, Behauptungen, die sich gehalten haben. Es war die Zeit der Konzeptkunst und Minimal Art. Es war die Zeit, in der Harald Szeemanns Documenta und die legendäre Berner Ausstellung „When Attitudes Become Form“ Echos aussandten, die zum Rückenwind wurden für die Generation Punk, Rinke und Rückriem & Co.: „Oehlen zum Beispiel“, sagt Hetzler, „schuf schlechte Malerei, dabei war klar, dass er malen kann.“ Parallel tauchten in den Vereinigten Staaten Jeff Koons und Robert Gober auf, 1986 erreichten sie Köln.

          Dem Markt voraus sein

          „Damals konnte man noch eine große Klappe haben und einen großen Anspruch“, erzählt Hetzler - ohne nostalgischen Schmelz. Er kennt die Höhen und Tiefen: Als Anfang der neunziger Jahre der Kunstmarkt zusammenbrach, hatte Hetzler gemeinsam mit Lawrence Luhring und Roland Augustine eine Galerie in Santa Monica, stellte Cady Noland und Felix Gonzáles Torres aus. Sie musste schließen. Ein radikaler Schnitt folgte: Als einer der ersten ging Max Hetzler 1994 nach Berlin-Charlottenburg, dann wechselte er in die Zimmerstraße, suchte Herausforderungen auf der Mauerlinie.

          Was davon zündet auch 2013 noch? Für Hetzler sind Jeff Koons und Albert Oehlen immer noch Rebellen, ihre künstlerischen Behauptungen seien nach wie vor riskant. Alle würden über Koons sagen, er sei so marktkonform, aber „Koons und Oehlen sind ganz im Gegenteil gegen den Markt, denn sie ändern alle fünf Jahre massiv ihre Strategie. Bei Oehlen bedeutet das jeweils eine vollständige Veränderung im Werk.“ Das sei für den Galeristen eine große „Herausforderung“ - ein Lieblingswort Hetzlers -, denn die Sammler wünschen sich das Etablierte, Erprobte. Der Markt habe sich aber derart beschleunigt, dass man immer ein bisschen schneller sein müsse: „Wenn man sich dem Markt anpasst, ist man verloren - es sei denn, man beherrscht ihn.“

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