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Kunstmarkt : Beckmann-Bildnis teuerstes deutsches Gemälde aller Zeiten

  • -Aktualisiert am

Max Beckmanns „Selbstbildnis mit Horn“ (1938) wechselte zum als teuerstes deutsches Gemälde aller Zeiten bei Sotheby's in New York den Besitzer.

          Max Beckmanns Gemälde „Selbstbildnis mit Horn“ von 1938 ist eines der wichtigsten Bilder in der französischen Privatsammlung von Stephan Lackner gewesen. Die Erben hatten es über das Auktionshaus Sotheby's in New York auf den Markt gebracht, wo es nun von einem Händler für einen Privatmann erworben wurde, der im Herbst 2001 in New York ein Museum für deutsche und österreichische Kunst des 20. Jahrhunderts eröffnen will.

          Stephan Lackner hatte bis zu seinem Tod im vergangenen Dezember insgesamt 69 Arbeiten des deutschen Expressionisten zusammengetragen. Vor Beckmanns Tod im Jahr 1950 waren Lackner und der Maler eng befreundet. Die Bedeutung, die gerade dieses, im holländischen Exil entstandene Gemälde für den Sammler hatte, beschrieb er in einem sehr persönlichen Buch über seinen Künstlerfreund. Lackner zog das Bild in den Bann, weil darauf ein einsamer Mensch ins Ungewisse schaut. Lackner hielt das Werk für eine der melancholischsten Selbstbetrachtungen, die Beckmann je geschaffen hatte.

          Als „entartet“ abgestempelt

          Max Beckmann war bis in die 20er Jahren hinein einer der prominentesten Vorreiter der europäischen Moderne. Picasso schätzte den 1884 in Leipzig geborenen Beckmann sogar als einzigen Deutschen, der ihm selbst an Rang ebenbürtig war. Anfang der 30er Jahre hatte das Frankfurter Städe Museum, an dessen Kunstschule Beckmann von 1925 bis 1933 als Professor tätig war, ihm einen eigenen Saal eingerichtet. 1932 zog die Nationalgalerie in Berlin nach. In der deutschen Hauptstadt hatte Beckmann bis 1917 studiert und hatte sich dort 1910 den „Sezessionisten“ angeschlossen.

          Als 1937 zehn seiner Arbeiten in der „Entartete-Kunst“-Ausstellung in den Münchner Hofgarten-Arkaden auftauchten und 600 seiner Bilder aus deutschen Sammlungen entfernt wurden, begriff Beckmann, wie gefährdet sein Name in Deutschland inzwischen war. Noch im selben Jahr flüchtete er mit Quappi, seiner zweiten Frau, nach Amsterdam. Erst 1947 emigrierte das Ehepaar nach New York, wo Beckmann 1950 auf einem Spaziergang starb.

          Als Belasteter weiter gemalt

          In Amsterdam hatte der Maler sich in einem alten Tabaklager ein Studio eingerichtet. In der Enge dieses Exils, unter dem politischen Druck des sich ankündigenden Krieges, malte er seine wichtigsten Bilder - darunter auch das nun offerierte und längst wieder hochgeschätzte „Selbstbildnis mit Horn“ von 1938.

          Das Bildnis zeigt den Künstler in einem dunklen Raum. Er trägt einen schwarz-rot gestreiften Morgenmantel, raucht, schaut schräg nach links in Richtung seines gezückten Jagdhorns, so als setze er zum Spiel an. Scharfgesichtig wendet Beckmann sich leicht nach links, als hätte er die unmittelbare Zukunft schon im Blick, als wäre sein Instrument in Wirklichkeit ein Fernrohr ins menschenverachtende Kriegsgeschehen.

          Der Metaphernreichtum von Beckmanns Malerei der 30er Jahre ist von kunsthistorischer Seite hinlänglich kommentiert worden. Die politische Dimension gerade dieses Bildes kann man kaum übersehen.

          Das Gemälde hat am 10. Mai 2001 für 45 Millionen Mark seinen Besitzer gewechselt. Es soll ab Herbst als Highlight eines Privatmuseums für deutsche und österreichische Kunst in New York ausgestellt.

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