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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Kunsterwerb in Second Life Kaufen, aber nicht behalten

 ·  Kunstkauf in Second Life ist nicht schwierig. Eine Kreditkarte, eine Handvoll Dollar und wenige Mausklicks genügen, um in den Besitz eines digitalen Kunstwerks zu gelangen. Doch wer sein neues Eigentum auch betrachten möchte, sollte sich auf der virtuellen Plattform schon häuslich niedergelassen haben.

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Zum Kunstkauf in Second Life wird benötigt: ein Avatar, die Second Life-Währung Linden-Dollar, eine Kreditkarte aus der „ersten Welt“ und natürlich eine Galerie in Second Life. Avatar Friederike Barzane durchstreift den Second Life Cyberspace auf der Suche nach ihrem persönlichen Meisterwerk. Ihr Profil, mit dem man den Mitbewohnern dieses Inselsystems die Interessen anzeigen kann, legt sie fest: Sie will Kunst kaufen und nichts anderes.

In den Ausstellungsräumen von Gazira Babeli, einer in dieser Parallelwelt renommierten Künstlerin, hängen Second Life-Bacons an der Wand: Die monumentalen Gemälde im charakteristischen Orangeton halten in ihrer Bildmitte einen leeren Stuhl bereit; Francis Bacons unverkennbare Figuren fehlen hier. Barzane ist von den Bildern begeistert: Die malerische Qualität trotz der Reproduktion überrascht. 2000 Linden-Dollar der digitalen Welt soll das Werk in einer Auflage von zehn Exemplaren kosten, umgerechnet rund acht Dollar oder sechs Euro. Das kann Friederike Barzane sich leisten, obwohl sie zunächst ganz enttäuscht war ob ihres leeren Kontos: Begrüßungsgeld gibt es in Second Life nicht. Doch schnell ein Formular ausgefüllt, da klingelt es schon in der virtuellen Kasse. Zurück zum Bild, mit den Pfeiltasten auf der Tastatur: den Kursor auf das Bild schieben, rechte Maustaste, und da erscheint ein Button „Buy“.

Körperverzerrung im Bacon-Stuhl

Doch Avatar „Helfe Ihnen“, ein Galerist von DesignIsland, unterbricht: „Hier kann man die Bilder zwar kaufen, aber sie nicht mitnehmen. Es funktioniert wie ein Museum, auch wenn es sich Galerie nennt. Aber Sie können in das Bild steigen, wussten Sie das?“ Enttäuscht setzt sich Barzane auf den Stuhl im Pseudo-Bacon. Als sie sich dort zu bewegen beginnt, verzerrt sich ihr Körper - wie die gequälten Figuren des Vorbilds dieser Kunst. Es bedurfte etlicher Neustarts, bis sich ihre Glieder wieder entwickelten. Schließlich sucht Friederike Barzane weiter, beginnt das Experiment von vorn, durchstreift Galerien und wird fündig - in der Galerie Vanbeek im „Cetus Gallery District“. Golam Amadeus stellt seine Bleistiftzeichnungen aus der Wirklichkeit aus; er hat sie eingescannt und verkauft sie, Auflage von fünf, für 2500 Linden-Dollar.

Wer hinter Golam Amadeus steht, bleibt ungewiss. In Second Life tritt er als monumentaler Engel mit mächtigen weißen Federflügeln auf. Am „Infodesk“ erfährt man: „Golam is a painter of whom nothing is known. Now let us look at the pictures.“ Es sind eindrückliche Zeichnungen, deren sanfte Bleistiftlinien in dieser digitalen Welt betörend wirken. Nach etlichen Systemabstürzen des Computers ist das Bild endlich in Barzanes Besitz. Alles verläuft wenig spektakulär: Zweimal den Kauf bestätigen, und schon erklingt wieder dieses rasselnde Geräusch in der virtuellen Kasse. Das war es schon? Und wie kann sie ihr Bild jetzt mitnehmen? Die Inventarliste des Avatars führt das Gemälde auf, doch wie geht es weiter? Im Menü für „Gesten“ schnell den Knopf „Kopfschütteln“ anklicken - und die Figur Friederike Barzane zeigt ihren Unwillen öffentlich. Feierlich wird ihr eröffnet, dass sie das Bild nun in ihrem Haus aufhängen könne. Das fehlte noch in ihrer Liste: Ein Haus? „Ich habe kein Haus!“

So bleibt Golam Amadeus' Zeichnung „Der Wanderer“ vorerst nur Teil der Inventarliste ihres Profils. Und auch auf den realen Computer lassen sich seine Werke nicht herunterladen.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Feuilleton.

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