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Kunstbiennale Geheimtipps und Höhepunkte warten in den Palästen Venedigs

12.06.2001 ·  Zeitgenössische Kunst aus aller Herren Länder: Die Biennale Venedig entfaltet ihre Kraft auch in prachtvollen Palästen.

Von Sabine B. Vogel, Venedig
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Fast 30 Länder teilen sich das Ausstellungsgelände in den Giardini von Venedig. Hier hat die internationale Jury an diesem Samstag ihre Preisträger ausgesucht: Den goldenen Löwen erhält Gregor Schneider für seinen Deutschen Pavillon. Mit Spezialpreisen wurden Janet Cardiff und George Bures Miller, Marisa Merz und Pierre Hughe ausgezeichnet.

Aber die Überraschungen und Entdeckungen der Biennale finden sich woanders.

Weitere 22 Länder mieten über die Stadt verteilt prachtvolle Palazzi für ihre Ausstellungen, weil sie in den Giardini keine Pavillons besitzen. Im Gegensatz zu den Länderpavillons betritt man hier wirklich eine andere Welt. Es sind prachtvolle Paläste mit üppigen Treppenausgängen, reich verzierten Tapeten, historischen Deckenmalereien, mit Spiegeln, manchmal auch Möbelstücken und mit reichen, bunt verzierten venezianischen Lüstern.

Kunst scheitert am Repräsentationsanspruch

Scherben und schwankende Lüster

Wie reagieren die Künstler auf die starke Konkurrenz all dieser wunderbaren Details? Einige ignorieren ihren Umraum schlicht, andere greifen ganz direkt darauf zu.

Suzann Victor lässt in der Schuola di Santa Apollonia für Singapur einen riesigen weißen Kronleuchter von der Decke abstürzen und funktioniert vier weitere um in eine pausenlos pendelnde Bedrohung. Michel Francois´ zeigt sein Video im prachtvollen Palazzo Franchetti: Flasche um Flasche zerbricht lautstark auf dem Boden - ein Geräusch, das in allen folgenden Räumen die bewundernde Betrachtung der Deckenbeleuchtungen begleitet. Shu-Min Lin sucht den Blick von der Pracht des temporären taiwanesischen Pavillons im Palazzo delle Prigioni mit seiner wunderbaren Aussicht kompromisslos auf den Fußboden zu lenken: Aus dem erhöhten Boden schauen uns Menschen an, furchterregende Hologramme, die wie Gefangene aus tiefer Ferne auszubrechen versuchen.

Häufiger noch versuchen die Künstler, die massive Konkurrenz der Räume schlicht auszublenden. Aber nur wenigen gelingt dieser formale Griff auch als inhaltlich bedeutsame Setzung derartig bemerkenswert wie dem heimlichen Höhepunkt der Länderpavillons: Joao Penalva, der als Vertreter Portugals nach Venedig kam. Penalva deckt sämtliche Wände und damit die permanent präsentierten Kunstwerke des Palazzo Vendramin ai Carmini mit unscheinbaren Tüchern ab, um sein Thema darauf zu platzieren: Richard Wagners "Meistersinger". Eine Metapher für die Biennale? Penalva lässt die Frage unentschieden, denn seine Installation "R" bezieht sich gleichermaßen auf Richard Wagner, der einst kurzzeitig in Venedig lebte, als auch auf das Prinzip Konkurrenzkampf bis hin zum Bild der Siegerpodeste.

Wie von einem anderen Stern

Damit gehört Penalva zu den ganz wenigen Künstlern, die auf der 49. Biennale eine kritische Stimme erheben - zusammen mit dem beeindruckenden Beitrag von Yinka Shonibare in der afrikanischen Gruppenausstellung "Authentic/Ex-Centric". "Vacation" betitelt der in London geborene Shonibare seine kleine Familie, die in Astronautenanzügen mitten im exterritorialen Länderpavillon in Venedig gelandet ist.

Diese Anzüge sind von unglaublicher Intensität. Die Farben und Muster erinnern an afrikanische Gewänder und ziehen gleichzeitig die Pracht und spielerische Leichtigkeit ihrer Umgebung in vielschichtiger Weise mitten in das Werk hinein. Die formale Nähe führt unerwartet suggestiv in das Thema der Kolonialisierung. Yinka Shonibares „Mondlandung“ platziert durch den kleinen Eingriff eines Kleidungswechsels eine andere kulturelle Identität in einem kleinen Raum. Er könnte als Stellvertreter der gesamten Biennale aufgefasst angesehen werden, ist sie doch nichts anderes als ein exterritoriales Ereignis.

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