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Kunstbiennale 2013 : Banale Grande

Postnationale Einheitsoptik: Der deutsche und der französische Pavillon in Venedig sollen tauschen. Begründet wird das fast wie in einer EU-Verordnung.

          Eines der großen Verwüstungswerke der Europäischen Union ist die bürokratische Einebnung lokaler Besonderheiten im Namen des Gemeinschaftsprojekts - wobei immer das Missverständnis die Entscheidungsfindung prägt, dass man sich besser näherkommt, wenn alles gleich aussieht. Ein Beispiel: Jahrzehntelang schien Paris bei Nacht dunkler, wärmer und geheimnisvoller, was daran lag, dass bis 1993 alle in Frankreich zugelassenen Autos gelbe Scheinwerfer haben mussten, weil man davon überzeugt war, dass weißes Licht den Gegenverkehr zu sehr blende. Eine EU-Verordnung schaffte die gelben Scheinwerfer im Namen der europäischen Vereinheitlichung ab; seitdem ist das Licht in Paris nachts genauso kalt wie in Aalborg oder Nijmegen.

          Das Unverwechselbare und, um ein Lieblingswort der Eurobürokraten zu zitieren, „lokal Identitätsstiftende“ wird im Namen einer postnationalen Einheitsoptik abgeschafft. Dieser formale Dogmatismus ist auch in der Kulturpolitik anzutreffen. Die Leiterin des deutschen und die des französischen Nationenpavillons auf der Kunstbiennale 2013 in Venedig, MMK-Chefin Susanne Gaensheimer und die für ihre Ausstellungen im Centre Pompidou hochgelobte Christine Macel, kündigen jetzt an, dass sie ihre Pavillons tauschen werden.

          Unfreiwilliger Erkenntnisgewinn

          Schon vor Wochen hatte Gaensheimer bekanntgegeben, bewusst keine der zahllosen interessanten und noch unbekannten deutschen Künstlerinnen und Künstler vorstellen zu wollen, sondern vier etablierte Figuren des Kunstbetriebs, von denen drei nicht aus Deutschland kommen und einer Filmemacher ist. Dieses Quartett wird nun bei den Franzosen zu sehen sein, während Deutschland den Künstler ausstellt, den Frankreich auswählte: Anri Sala, der in Berlin lebt. Laut einer Presseerklärung soll der Verschiebebahnhof aber nicht den Beziehungen zwischen in Berlin und in Paris lebenden Künstlern genauer nachspüren, sondern bloß illustrieren, dass „die Kunstwelt stärker vom Dialog zwischen kulturellen Sphären als von der Undurchlässigkeit nationaler Grenzen bestimmt ist“.

          Mit ähnlichem Erkenntnisgewinn könnte man vorführen, dass man besser essen kann, wenn man den Mund aufmacht; man beweist, was niemand bezweifelte. Interessant ist die Entscheidung trotzdem, denn am Ende macht der Tausch, bei dem vor allem bekannte Figuren des internationalen Kunstbetriebs gezeigt werden, eine ganz andere Wahrheit sichtbar: Was die globale Marktökonomie prägt, gilt offenbar auch für einen Kunstbetrieb, der sich gern als ihr Gegenpart feiert - dass der internationale Handel mit omnipräsenten großen Namen die ortsspezifischen Besonderheiten verdrängt.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

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          Quelle: F.A.Z.

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