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Zum Tod Werner Schmalenbachs : Grandseigneur der Kunst

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Was wir als Deutsche über moderne Kunst wissen, haben wir von Werner Schmalenbach gelernt. Der nun verstorbene Düsseldorfer Kunsthistoriker ist die prägende Figur in der nachkriegsdeutschen Museumslandschaft.

          Die Aneignung der Moderne fand in Deutschland zweimal statt. Bahnbrechend war der erste Anlauf. Angetrieben von couragierten Händlern und Sammlern, engagierten sich seit dem späten neunzehnten Jahrhundert deutsche Museen, voran die Berliner Nationalgalerie und die Pinakothek in München unter Hugo von Tschudi, für die französischen Impressionisten und Postimpressionisten. Dieser Initiative folgten viele deutsche Häuser. Vor 1933 war der Bestand moderner Kunst in Deutschland beeindruckend. Dann löschte der Bildersturm der Nationalsozialisten diese Pioniertaten aus.

          1945 waren die modernen Sammlungen verloren, die Häuser zerbombt. Die Wiedereinbürgerung der Moderne fand in Etappen statt. In den fünfziger und sechziger Jahren brachen, voran an Rhein und Ruhr, ein Modernitätsrausch und goldene Gründerzeiten aus. Erster krönender Höhepunkt war 1961 die Stiftung der „Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen“, eine föderale Staatsgründung und ein Glücksfall in der Kulturgeschichte der Nachkriegszeit. Sie fand noch ohne künstlerischen Direktor statt. Erst ein Jahr später berief das Land einen außergewöhnlichen Mann zum Direktor der neuen Gemäldegalerie – Werner Schmalenbach, damals Leiter der Kestnergesellschaft in Hannover.

          Wie ein Souverän und Fürst aus der feudalen Vorzeit

          Der Kunsthistoriker, der sich früh für Ethnologie und Film engagierte, wurde 1920 in Göttingen geboren, wuchs aber seit 1932 in Basel auf. Hier erlebte er, im Schatten der Kunstverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland, die Geburt und den Aufstieg eines der schönsten, grandiosesten Museen der Moderne, der „Öffentlichen Kunstsammlung“, die von der Verschleuderung der Kunst im Nazi-Reich profitierte. In seinen Erinnerungen hat Schmalenbach aber immer wieder betont, dass sein allererstes und grundlegendes Erlebnis der Moderne nicht in Basel, sondern in Luzern unter makabren Umständen stattfand: Entzündet wurden seine Leidenschaft durch die berüchtigte Auktion „entarteter Kunst“ in der Luzerner Galerie Fischer. Der Achtzehnjährige war 1939 mit seinen Eltern nach Luzern gefahren. Schmalenbach war das Debakel dieses deutschen Ausverkaufs damals bewusst; der „Eindruck“ der Werke auf ihn war „ungeheuer“.

          Gewöhnlich treten Direktoren hinter ihre Museen zurück. Aufbau, Charakter und Qualität der Düsseldorfer Sammlung aber sind unlöslich mit Schmalenbach und den Jahrzehnten seiner Arbeit (1962 bis 1990) verbunden. Er prägte sie fast wie ein Privatsammler, er gerierte sich zeitweise wie ein Souverän und Fürst aus der feudalen Vorzeit der Galerie. Schmalenbach hat 1986 zur Eröffnung des eleganten Museumsneubaus am Düsseldorfer Grabbeplatz einen Sammlungskatalog herausgegeben, in dem er seine Trophäen Bild für Bild persönlich kommentierte. Dieser Haupt- und Staatsaktion schickte er 1997 ein Memoirenbuch im Plauderton hinterher, das noch einmal Künstler für Künstler und Bild für Bild die Abenteuer und die Lust des Erwerbs, die Motive der Entscheidung, die Vorlieben und entschiedenen Abneigungen, die Irrtümer und die wachsenden und auch wechselnden Erfahrungen schildert. Schmalenbach war übrigens auch ein begnadeter Redner und Kunstschriftsteller, der Schwitters, Bissier, Léger oder Modigliani Bücher gewidmet hat.

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