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Zum Tod Walter Pichlers Kunst für den Schrein

 ·  Für den Kunstbetrieb war sein Werk nicht gedacht, dorthin gelangten nur seine Zeichnungen. Wer diesen Künstler begreifen will, muss ein altes Gehöft im Burgenland besuchen. Zum Tod des österreichischen Bildhauers und Zeichners Walter Pichler.

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Seine Skulpturen hat Walter Pichler nicht verkauft. Auf den Markt, zu den Sammlern, kamen die filigranen Zeichnungen. Auf ihnen sind nicht selten die Skulpturen zu sehen. Von menschlichen Figuren begleitet manchmal und meist mit den „Behausungen“, die Pichler für sie entworfen hat. Häuser, in denen wiederum Altäre und Schreine Platz fanden, angeordnet wie in einem Ritualbezirk. Im Unterschied zu den frühen Architekturphantasien, mit denen der 1936 in Südtirol geborene Pichler in den sechziger Jahren bekannt wurde, sind diese Häuser wirklich entstanden: ab 1972 nach und nach in einem alten Gehöft in Burgenland.

Dort, in St. Martin an der Raab, musste man Pichler eigentlich besuchen, um gleich zu sehen, warum seine Figuren, Stelen, Rümpfe und „Wägen“ keine einfach verpflanzbaren Objekte waren. Wo doch für die beiden „Wägen“ sogar kleine Prozessionswege in Form von Schienenrampen vorgesehen waren und die Planungen später bis zum Anlegen eines Sees ausgriffen. Dort wurde den Besuchern auch gleich klar, dass die archaisch und streng anmutenden Objekte und Konstellationen sich wunderbar mit dem alltäglichen Leben verbanden. So wie sie auch, bei allem Eigensinn ihrer unverkennbaren Gestaltung, sorgsam in die alten einfachen Bauformen eingebettet sind, mit denen auch Pichler operierte.

Ein Einzelgänger unter den Künstlern

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein strikter Widerruf der frühen Stadtarchitekturen, die mit ihren Rampen und Röhren zu Maschinenformen tendierten, in denen die Menschen - so hielt es Pichler einmal fest - nur geduldet sein sollten. Aber vielleicht ist dieses Dulden in den späteren Jahren auf Seiten der Objekte nur weniger herrisch geworden. Unheimlich blieben sie ja trotzdem.

An die Ästhetik des Maschinellen knüpfen ihre perfekt gearbeiteten metallenen Oberflächen immer noch an, und selbst aggressiveren Drohungen, wie sie frühe aktionistisch gefärbte Objekte à la „Intensiv-Box mit TV-Helm, Radioweste, Standardanzug und Fingerspanner - an der Leine geführt“ verkörperten, sind nicht ganz beiseite gewischt. Aber der Metallglanz trifft nun zusammen mit Materialien wie Holz, Lehm und Stroh, in denen Verletzlichkeit und Hinfälligkeit aufscheinen, gerade weil Pichler hingebungsvoll an den Übergängen und Oberflächen arbeitete. Er war, sieht man von frühen Allianzen ab, ein Einzelgänger unter den Künstlern. Für den Kunstbetrieb war sein Werk nicht gedacht. Er hatte anderes vor Augen. Am Montag ist Walter Pichler im Alter von fünfundsiebzig Jahren gestorben.

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Jahrgang 1961, Redakteur im Feuilleton.

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