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Zum Tod von Dennis Oppenheim : Der die Dinge auf den Kopf stellt

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Er war eine der Schlüsselfiguren der Kunst der sechziger und siebziger Jahre: Der Amerikaner Dennis Oppenheim galt mit seinen zunehmend monumentalen Skulpturen als Bürgerschreck - weil er die Konfrontation suchte.

          Der amerikanische Land-Art- und Performance-Künstler Dennis Oppenheim war sein ganzes Leben ein Rebell. Mainstream lag im nicht. Dabei half ihm häufig nur noch ein im hohen Alter immer humorvoller werdender Zynismus. Oppenheim sorgte oft für Aufregung, auch, weil er sich nicht in Galerien oder Museen verschanzte, sondern die Konfrontation mit den Bürgern suchte, die seine - zum Ende hin immer monumentaleren - Eingriffe verschreckten.

          Oppenheims Skulptur „Device to Root Out Evil“ von 1997, eine mehr als sechs Meter hohe Holzkirche, die auf ihrer Turmspitze steht, musste wegen Protesten der Nachbarn aus einem Park in Vancouver entfernt werden. Auch seine „Safety Cones“, 5,5 Meter hohe, orangefarbene Verkehrswarnhütchen, sorgten 2010 in Herford für einen Bürgerentscheid. Zur aktuellen Debatte um dioxinverseuchte Tiere und Eier hätte er einiges zu sagen gehabt. 1989 kommentierte er mit „Above the wall of Electrocution“, was nicht erst seit heute Thema ist: An ein Gestänge hängte er Tierköpfe aus Kunststoffsäcken, die den eigenen Körper wie ein Stück Beute im Maul halten und langsam aufblasen.

          In allen namhaften Museen der Welt

          Radikaler noch waren seine frühen Videos: Anfang der siebziger Jahre dokumentierte sein Film „Materialaustausch“, wie er sich zwischen zwei Dielen einen Teil seines Nagels abreißt, um sich anschließend einen Splitter unter die Haut zu treiben. Unnötiges Leiden - gleich in zwei Fällen.

          Dennis Oppenheim wurde 1938 in Electric City, Washington, geboren und studierte Kunst unter anderem an der Stanford University. Seine Werke wurden in allen namhaften Museen der Welt gezeigt. Dort suchte er konkrete Adressaten, umspielte politische Aussagen. Zum Beispiel, als er 1968 für „Annual Rings“ auf beiden Seiten eines Flusses, der als Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada dient, poetische Halbkreise zog, als würde dort ein großer Wassertropfen seine Spuren hinterlassen und diese Länder miteinander verbinden. Ein schönes Erinnerungsbild an Dennis Oppenheim, das ihm wahrscheinlich selbst viel zu kitschig wäre.

          Dennis Oppenheim, daran besteht kein Zweifel, war eine der Schlüsselfiguren der Kunst der sechziger und siebziger Jahre. Er wehrte sich gegen jede Einordnung, weil sein Werk stets den Kern dessen suchte, was für ihn Kunst bedeutete: die Dinge auf den Kopf zu stellen. Dennis Oppenheim ist am Freitag, den 21. Januar, im Alter von 72 Jahren in New York gestorben.

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