http://www.faz.net/-gqz-7iu8p

Zum Tod Arthur C. Dantos : Er trug die Kunst im Herzen

  • -Aktualisiert am

Für Arthur Coleman Danto ist die Philosophie eine notwendige Voraussetzung der Kunst selbst. Kunst ist erklärungsbedürftig, und Danto erklärte sie wie kein zweiter. Am Freitag ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

          Zu den schönsten Veröffentlichungen des amerikanischen Philosophen und Kunstkritikers Arthur Coleman Danto zählt ein schmales dunkelrotes Büchlein aus dem Jahr 2008, das zugleich den lebenslangen Widerspruch, aus dem er schrieb, auf den Punkt bringt: Auf dem äußeren Umschlag ist ein goldener Vorhang abgedruckt, innen trifft der Leser auf farbenprächtige Porträts großer Opernsängerinnen, die der in New York lebende Künstler Francesco Clemente gemalt hat.

          Die Bilder für „The Sopranos“ stammen also von Clemente, der Text aber von Danto, dessen berühmteste These lautet, die Kunst sei an ihr Ende gekommen. Kurzum: Der Autor, der das Ende der Kunst ausrief, lobt, preist und besingt in diesem kleinen Band die Malerei von Clemente, Gemälde, die, wie er schreibt, „von innen zu leuchten scheinen“. Wie geht das zusammen? Wie kann man für etwas schwärmen, dessen Ende man zuvor proklamiert hat?

          Ein Quereinsteiger

          Arthur C. Danto war eine Ausnahmeerscheinung. Geboren wurde er 1924 in Ann Arbor, Michigan, die akademische Welt eroberte er im Flug. 1952 wurde er an der Columbia University promoviert, wo er 1966 eine Professur erhielt. Als analytischer Philosoph galt er als einer der besten seines Faches, ein Ruf, der ihm die Präsidentschaft der American Philosophical Association einbrachte. Weniger bekannt ist, dass sein Herz von Beginn an für die Kunst schlug: Er selbst nahm früh Malunterricht; nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahr 1978 heiratete er Barbara Westman die unter anderem herrliche Cover für die Wochenzeitschrift „New Yorker“ schuf. Als Kunstkritiker trat Danto regelmäßig in Erscheinung, als er im Alter von dreiundsechzig Jahren ein festen Vertrag bei der Wochenzeitung „The Nation“ unterschrieb. Noch im selben Jahr erschien die Aufsatzsammlung „The State of Art“, in dem ein Essay der den folgenreichen Titel trug „Approaching the End of Art“.

          Das Ende der Kunst nach Danto lässt sich genau datieren: Sie starb am 21. April 1964 in New York, als Andy Warhol in der Stable Gallery von Eleanor Ward zum ersten Mal seine „Brillo Boxes“ zeigte. Es waren Repliken einer Putzmittelverpackung, auch „Readymades“ genannt. Wenn, so Danto, sich ein Kunstwerk rein äußerlich nicht mehr von einem Gebrauchsgegenstand unterscheiden ließe, sei die Kunst an ihr Ende gekommen. Kunst und Nichtkunst könnten nur noch auf der Grundlage von Theorien auseinandergehalten werden, dem Kontext, in dem ein Objekt auftauche und in dem es reflektiert werde.

          Die Philosophie der Kunst ist ein Geschenk

          Wenn Kunst aber nicht mehr wie Kunst aussehe und Theorien brauchte, um erkannt zu werden, dann sei die Kunst eben Teil der Philosophie. Aus Dantos Sicht war das kein echter Schaden. Das ist bemerkenswert, vor allem aus deutscher Perspektive: Hier hatte der kulturkonservative Arnold Gehlen mit der These von der „Erklärungsbedürftigkeit der modernen Kunst“ Furore gemacht, die ihm, dem ehemaligen NSDAP-Mitglied, als Verfall erschien. Erklärungsbedürftig fand Danto die Kunst auch. Nur: Der amerikanische Philosoph machte daraus ein Geschenk der Kunst an sein Fach. Er dankte es ihr in zahllosen Schriften, darunter das vielzitierte Werk „Die Verklärung des Gewöhnlichen. Eine Philosophie der Kunst“ (1984).

          In der Kunstphilosophie prägte Danto bereits 1964 in einem gleichnamigen Aufsatz den Begriff „Artworld“. Gemeint war der Kontext einer Kunstwerks. Zur „Artworld“, der Kunstwelt, gehörte auch Danto, der das posthistorische Leben, das er ja für die Kunstwelt ausgerufen hatte, einmal als „philosophischen Club méditerranée“ bezeichnete, „einen Ort, an dem wir nichts weiter zu tun haben, als es uns gutgehen zu lassen“. Es ist eine unfreiwillige Pointe von Dantos Werk, dass die Kunstwelt, in der er lebte, arbeitete und schrieb, tatsächlich einem „Club méditerranée“ verblüffend ähnlich geworden ist. Danto war einer der klügsten Köpfe dieses Clubs. Am Freitag ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

          Weitere Themen

          Adorno zieht

          Fünfzig Jahre 1968 : Adorno zieht

          Die Kritische Theorie, die vor fünfzig Jahren die Studenten faszinierte, bekommt im Jubiläumsjahr 1968 neue Aufmerksamkeit. Wie hat sich der Umgang geändert? Eine Umfrage unter Lehrenden an der Goethe-Uni.

          Picasso mäht Rasen Video-Seite öffnen

          Vor New Yorks Skyline : Picasso mäht Rasen

          Das Kunstwerk über den Künstler steht im Stadtteil Brooklyn, ist rund drei Meter hoch, und der Künstler Elliott Arkin sagt, wenn Picasso heute lebte, müsste er vielleicht auch Rasen mähen, da sich die Kunstwelt verändert habe.

          Topmeldungen

          DFB-Team gegen Schweden : Ein Endspiel für die Weltmeister

          Diejenigen Deutschen, die gegen das Aus in der Vorrunde ankämpfen müssen und im Team das Sagen haben, sind allesamt hochdekoriert. Ihr Ruhm hängt nicht mehr davon ab, wie sie die WM verlassen. Nun stellt sich eine entscheidende Frage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.