Home
http://www.faz.net/-gqz-76rof
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.02.2013, 14:50 Uhr

Zukunft der Museen Nehmt euch das Netz!

Auch die Welt der Bilder werden Google & Co bald beherrschen. Denn viele Museen drohen den Kampf um die Deutungshoheit im Internet zu verschlafen. Es ist fünf vor zwölf.

© Jörg P. Anders Antonio del Pollaiuolos „Profilbildnis einer jungen Frau“, angepriesen von der Berliner Gemäldegalerie auf Facebook.

In der Welt der Bilder tobt ein Kampf, und das Interessante daran ist, dass die Beteiligten nicht begreifen, was gerade geschieht. Es ist ein Kampf um Deutungshoheiten und um Geld; die Kontrahenten heißen Museum und neue Medien, und die Frage ist, wie die Kunst aus dem Museum im Internet verbreitet wird. Die Frage ist auch interessant, weil beide, das Museum und das Internet, Speicher sind: Beide bestimmen, was an Bildern gezeigt, was aufgehoben, was vergessen wird. Das Internet ist selbst eine Art Übermuseum: Wie reagiert das klassische Museum auf die Herausforderung, auf Besucher, die per Klick zur Kunst kommen wollen?

Herausforderung Bilderwelt Internet

Sicher: Die Museen geben ihr Bestes, ihre Bestände in der realen Welt ansprechend zu präsentieren. Sie renovieren ihre Häuser, bauen für viele Millionen Euro öffentlicher Gelder Anbauten, sie kooperieren mit Theatern, deren Schauspieler Texte von Schriftstellern zu Gemälden der Sammlungen umsetzen, und stellen Studenten ein, die den Ausstellungsbesuchern mit ihrem Wissen zur Seite stehen - „Kunstlotsen“ nennt man sie zum Beispiel in Hamburg. Ein modriges Erscheinungsbild kann sich heute kein Museum mehr leisten. Die Kataloge sind prächtig; das Angebot wird immer umfangreicher, meistens auch besser. Kurz gesagt: Was die meisten Museen leisten, steht ganz im Gegensatz zur Sorge um die Zukunft der Hochkultur.

Kein Grund zur Sorge um die Hochkultur

Auch Internetauftritte gehören heute zum Portfolio der Museen, um potentielle Besucher für Kunstwerke und Ausstellungen zu begeistern. Auf vielen öffnet sich das sonst unzugängliche Depot, Kuratoren erklären die Hintergründe zu einzelnen Werken, Blogs greifen Themen jenseits von Sonderausstellungen auf. Somit bieten die Internetseiten eine durchaus anspruchsvolle Form, Museen über die reine Kunstbetrachtung hinaus kennenzulernen.

Jedoch gibt es in Deutschland einen Museumsverbund, der zwar die schönsten Kunstwerke der Welt aus allen Epochen hütet, große Umbauten plant, aber auf diesem Feld Verantwortung vermissen lässt: die Staatlichen Museen zu Berlin. Ihre Internetseite ist reduziert. Sie ist eher etwas für Kenner, die schon um den Reiz dieser Museen wissen und allenfalls Öffnungszeiten abrufen wollen. Ab und an ist ein nettes Video zu sehen, die Orientierung auf der Seite ist jedoch eine Herausforderung.

Was tut die Gemäldegalerie für ihre Präsenz im Netz?

Zu den Staatlichen Museen zu Berlin gehört auch jene Gemäldegalerie am Kulturforum, die zuletzt aus der Versenkung trat, weil um ihre Zukunft heftig gestritten wurde. In der Gemäldegalerie befindet sich unter anderen eine der bedeutendsten Sammlungen niederländischer Malerei aus dem vierzehnten bis sechzehnten Jahrhundert; sie soll ausgelagert werden und der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts weichen.

So wenig einladend wie der Vorplatz der Gemäldegalerie am Berliner Kulturforum auf Besucher wirkt, so wenig präsent ist das Museum auf der Internetseite der Staatlichen Museen zu Berlin. Öffnet man den betreffenden Link, kann man lediglich einen kleinen Text lesen, der in erster Linie auf die „schlichte Fassadengestaltung des Gebäudes“ hinweist, das in seinen Proportionen „an die Zurückhaltung von Schinkels Altem Museum“ erinnert.

Die Kunst selbst erwähnt er nur mit einem Satz: „Das Haus gehört mit seinen berühmten Meisterwerken wieder zu den großen Galerien und bietet einen umfassenden Überblick über die europäische Malerei vom dreizehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert.“ Dann gibt es noch ein kleines Filmchen, in dem die Kamera sekundenlang über einige der Gemälde schwenkt. Mehr gönnt man dem neugierigen Auge nicht. Wie kann man den Gemäldeschatz derart verstecken?

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Web-Adressen Sicherheitskonferenz im Internet

Die Münchner Sicherheitskonferenz lässt sich online mitverfolgen. Die wichtigsten Adressen im Netz. Mehr

10.02.2016, 11:38 Uhr | Politik
Virtuelles Sightseeing In den Gemächern der Queen stöbern

Anhänger der Queen können ihre wichtigste Residenz ab sofort im Internet besuchen. Der Londoner Buckingham-Palast hat Google seine Türen geöffnet und ermöglicht so eine virtuelle Sightseeing-Tour durch das Anwesen. Mehr

22.01.2016, 14:01 Uhr | Stil
Extremismus im Netz Anzeigen des guten Willens

Nach wie vor nutzen Extremisten das Internet für Rekrutierungs- und Propagandazwecke. Google lässt sich jetzt etwas einfallen, um den Werbern des islamistischen Terrors Einhalt zu gebieten Mehr Von Felix Simon

03.02.2016, 16:44 Uhr | Feuilleton
Internetriese Massiver Jobabbau bei Yahoo

Im vierten Quartal ist der Umsatz bei Yahoo um 15 Prozent zurückgegangen. Der Internetriese Yahoo findet gegenwärtig kein Mittel, um sich im Netz gegen Google und Facebook durchzusetzen. Deshalb streicht der Konzern nun 15 Prozent seiner Arbeitsplätze. Mehr

08.02.2016, 13:21 Uhr | Wirtschaft
Lügen im Internet Trennt Propaganda von Wahrheit!

Das Internet ist hässlich geworden, feindselig, erregt. Jetzt kommt ihm auch noch die Wahrheit abhanden. Wie aus einem Medium der Aufklärung ein Instrument der Irritation wurde – und was Facebook und Google jetzt tun müssten. Mehr Von Mathias Müller von Blumencron

05.02.2016, 12:15 Uhr | Politik
Glosse

Die Jungs nebenan

Von Tilman Spreckelsen

Sie verkauft sich glänzend, heißt es aus dem Verlag. Dennoch hat Carlsen den Vertrag mit einer Autorin kündigen müssen – weil sie abgeschrieben hatte. Ausgerechnet aus einem Carlsen-Buch. Die Leser haben es gemerkt. Mehr 1 1

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“