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Wolkenkratzer : Schaulauf der Solitäre

Hochhäuser sind Symbole für Spiritualität, Macht und technischen Fortschritt. In jüngster Zeit hat die Rekordjagd noch an Rasanz gewonnen. Eine Düsseldorfer Ausstellung beleuchtet den „Traum vom Turm“.

          Helau gegen Alaaf, Alt gegen Kölsch, „Tote Hosen“ gegen „Bap“: Die Konkurrenz zwischen Düsseldorf und Köln wird nicht nur im Populären ausgetragen. Auch Chicago gegen New York haben die Rivalen am Rhein schon gespielt.

          Andreas Rossmann

          Feuilletonkorrespondent in Köln.

          Das Hochhausfieber, das Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg befiel, konzentrierte sich zwar auf Berlin, wo 1921/22 der legendäre Wettbewerb um die Bebauung an der Friedrichstraße stattfand, doch die Ergebnisse - darunter Mies van der Rohes berühmte Kohleskizze eines glasummantelten Stahlskeletts - blieben Papier.

          Das Rheinland dagegen übte den Griff nach dem Himmel: Düsseldorf, von dem Schriftsteller Herbert Eulenberg als „die amerikanischste von unseren Städten“ apostrophiert, legte mit dem Wilhelm-Marx-Haus von Wilhelm Kreis vor, das, 1924 fertiggestellt, damals das höchste Haus in Europa war; Köln reagierte postwendend und setzte sich mit dem Hansa-Hochhaus von Jakob Koerfer, das 1925 innerhalb von nur zwölf Monaten errichtet wurde und 65 Meter mißt, für ein paar Jahre an die Spitze.

          Das achte Weltwunder

          Solche Höhen waren in Chicago und New York bereits dreißig Jahre zuvor erreicht worden. 1908 hatte das Singer Building 187 und 1913 das Woolworth Building 241 Meter erklommen, ehe 1930 das Chrysler Building mit 319 und im Jahr darauf das Empire State Building mit 381 Metern den Rekord übernahmen, den das „achte Weltwunder“ dann 41 Jahre lang innehatte. Denn erst 1972 wurde es vom World Trade Center, dessen Zwillingstürme es auf 417 Meter brachten, abgelöst.

          Schneller, weiter - höher: Immer schon waren hohe Bauten und Türme auch Symbole, die Spiritualität, politische und ökonomische Macht sowie technischen Fortschritt darstellten, in jüngster Zeit aber gewann die Jagd nach dem Rekord an Rasanz: Der derzeitige Spitzenreiter, das 508 Meter hohe „Taipeh 101“, ist erst an Neujahr eröffnet worden, und Burj Dubai, das nach den Plänen von Skidmore, Owings & Merrill bis 2009 entsteht, dringt mit 705 Metern in die nächste Dimension vor. Nicht erst daneben nimmt sich das rheinische Städteduell bonsaihaft bescheiden aus, steht es doch in Beziehung zu einem Bauwerk, das selbst einmal das höchste der Welt war: Der Kölner Dom errang den Titel 1880, als seine Türme endlich vollendet waren, und mußte ihn 1889 an den fast doppelt so hohen Eiffelturm abtreten.

          Vom Profanen und Sakralen

          Diese Konstellation eines profanen Höhenwettbewerbs im Schatten des Sakralen gibt der Düsseldorfer Ausstellung „Der Traum vom Turm“ das Paradigma, das ihr Thema in der Region zentriert und ihren himmelsstürmenden Fortschrittsgestus zurückbindet. Denn die Planungen von damals, zumal für eine Brückenkopfbebauung am Kölner Heumarkt, zu der mehr als vierhundert Entwürfe eingingen, löste eine Kontroverse aus, wie sie, in ihren Grundzügen und Parametern, heute ganz ähnlich wieder geführt wird.

          Schon in den zwanziger Jahren ging es um städtebauliche Aufgaben, die sich aus der Lage zum Rhein ergeben, und die Stadtsilhouette, die Integrität der Kathedrale und Sichtbeziehungen betreffen. Die aktuelle Diskussion hat eine Vorgängerin, und es genügte, aber das ist für viele Kölner schon zu viel verlangt, nach Düsseldorf zu fahren, um sie sich am historischen Beispiel in ihren möglichen Folgen zu vergegenwärtigen.

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