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200 Jahre Rheinromantik : Revolution mit Wasserfarben

An der Quelle der romantischen Schwärmerei: Auf seiner ersten Rheinreise 1817 schuf William Turner „Die Pfalz bei Kaub“ mit Aquarell und Deckfarben. Bild: akg-images

Der englische Maler William Turner hat der Rheinromantik zuvor ungeahnte Räume eröffnet. Das Neue daran ist auch heute nicht aufgebraucht. Vor genau 200 Jahren begann er seine Reise.

          „Weit droht ins offen Rheingefild’
          der turmbezinnte Drachenstein,
          Die breite Brust der Wasser schwillt –
          ans Ufer hin, bekränzt vom Wein.“

          Verse wie diese, in denen Lord Byron den Titelhelden seines Reisegedichts „Harolds Pilgerfahrt“ vom „majestätischen“ Fluss schwärmen lässt, hatten William Turner gelockt und begleitet, als er 1817, ein Jahr nach Erscheinen des dritten „Gesangs“, das erste Mal an den Rhein reiste, wo er am 19. August, an diesem Samstag vor zweihundert Jahren, ankam.

          Auch mit der Route über die Vereinigten Niederlande war er dem romantischen Dichter gefolgt, der Besuch von Waterloo, wo Napoleon 1815 die letzte Schlacht verloren hatte, eröffnete die „Grand Tour“, die ihn über Köln den Fluss hinauf bis nach Mainz und wieder zurück führte. Der Weg war endlich frei. Die Kontinentalsperre, eine Art Gegen-Brexit, mit der Napoleon 1806 die britische Seeblockade beantwortet hatte, war 1813 aufgehoben worden und das erste Dampfschiff 1816 von London über den Kanal, den Rhein hinauf und weiter bis Frankfurt gefahren.

          Dass die Gegenständlichkeit entmaterialisiert wird

          Was Byron „göttliches Werk“ nannte, hat eine lebenslange Faszination ausgelöst. Bis 1844 ist Turner zehn Mal an den Rhein zurückgekehrt, (nicht nur) von den „Pilgerfahrt“-Stationen hat er zahlreiche Skizzen angefertigt. Unser Bild zeigt „Die Pfalz bei Kaub“, um 1817. Wie alle Aquarelle ist es nach Vorlage der Zeichnungen im Londoner Atelier entstanden, denn Turner war anders als die Impressionisten, als deren Vorläufer er gerne beansprucht wird, kein Pleinairmaler.

          Die englische Begeisterung für den Mittelrhein hatte schon vorher begonnen, 1794 hatte Ann Radcliffe den Fluss bereist und seine wilden Landschaften in ihre gothic novel „Udolphos Geheimnisse“ aufgenommen, und bereits 1788 hatte Reverend John Gardnor 32 Radierungen in seinem Reisehandbuch veröffentlicht. Doch Turner hat der Rheinromantik ganz neue Räume eröffnet und Orte, Burgen und vor allem die Natur so gezeigt, dass die Gegenständlichkeit entmaterialisiert wird: Perspektiven verschieben sich, Farben verlaufen, Realitäten verfremden sich, Licht und Schatten verschränken sich. Das Neue daran ist auch zweihundert Jahre später nicht aufgebraucht.

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