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Web-Serie „Translantics“ : Die Verheißung glitzernder Badematten

  • -Aktualisiert am

Was passiert, wenn eine Kunsthalle eine Web-Serie in Auftrag gibt? Die Künstlerin Britta Thie hält sich nicht an die Spielregeln des Fernsehens. Ihr „Translantics“ macht die Uneindeutigkeit produktiv.

          Zwischen Ausstellungseröffnungen mit glitzernden Badematten, dem Nap Room eines Start-ups und dem hausschuhbewehrten Wartezimmer einer Therapeutin suchen BB und ihre Freundinnen Yuli und Annie nach dem Boden unter ihren Füßen, nach ein bisschen Sicherheit und Beständigkeit in einer Welt, in der sich alle Grenzen verflüssigen. Alles ist im Übergang, nichts wirkt fest, fertig oder endgültig. Alles verändert sich, und nichts kommt zum Abschluss oder Stillstand.

          Es ist auch ein Zustand latenter Überforderung, den Britta Thie in „Translantics“ zum Ausdruck bringt. In einer Mischung aus Generationen- und Selbstporträt, satirischen Anklängen auf die digitale Bohème und futuristisch angehauchter Überhöhung der Gegenwart bewegt sich ihrer Web-Serie, die sich selbst der eindeutigen Zuschreibung entzieht: Film oder Kunst? Ein multimediales Kunstprojekt oder die Geschichte einer Freundschaft, erzählt mit verschiedenen ästhetischen Mitteln?

          Serientrailer : „Translantics“

          Immerhin hat mit der Frankfurter Schirn eine der bekanntesten Kunsthallen Deutschlands diese Web-Serie in Auftrag gegeben. Sie erweitert so ihren Ausstellungsraum in den digitalen Raum und lotet dort die eigenen Möglichkeiten aus. „Translantics“ ist die erste einer Reihe von Auftragsarbeiten; die Beschäftigung mit Digitalität geht weiter. Ist das die zeitgemäße Antwort auf die Frage, wie man die Grenze zwischen Kunst und Leben überwinden kann?

          Schon in ihren bisherigen Arbeiten, die unter anderem in den New Yorker Anthology Film Archives zu sehen waren, hat sich Britta Thie mit dem Einfluss digitaler Technologien auf den Alltag auseinandergesetzt. Das Internet dient ihr gleichzeitig als Bühne und als Inspiration.

          Elemente aus ihrer Lebenswelt hat die Künstlerin bereits früher aufgegriffen, wie etwa in dem 2009 produzierten Video „Shooting“: Im Split-Screen lässt uns Thie, die auch als Model arbeitet, die Kommandos eines Foto-Shootings und deren Umsetzung sehen. „Knochiger! Mehr Energie ins Kinn! Mehr leiden! Arroganter leiden!“ Die Kommandos kommen in immer schnellerer Abfolge, bis am Schluss fast ein absurder Tanz entsteht. Dieser spielerische Einsatz verschiedener Medien und die Vermischung unterschiedlicher Lebensbereiche, Identitäten und Realitäten ist es, der das Werk von Britta Thie kennzeichnet.

          Zwischen den Welten

          In einem Elektronikmarkt steht Britta Thies Seriencharakter BB vor einem Flachbildschirm und sieht erst sich selbst, dann ihre Freundin Yuli. Als diese plötzlich neben ihr steht, taucht BB aus ihrem Tagtraum auf. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind fließend – nicht nur auf der Bildebene. Sämtliche Personen, die in „Translantics“ eine Rolle spielen, kommen in Britta Thies wahrem Leben vor. In der Serie spielen sie überhöhte Versionen ihrer selbst. Es ist ein Spiel mit Fiktion und Realität, das die Künstlerin initiiert. Genau dieses Verschwimmen und ineinander Übergehen verschiedener Bereiche beschäftigt sie.

          Vielleicht lässt sich hier der Unterschied zu Fernsehserien wie „Girls“ festmachen: Auch wenn es Charaktere gibt, die der Zuschauer kennenlernt, liegt der Fokus nicht darauf, explizit eine Geschichte zu erzählen. Nicht nur die Charaktere, auch die Gattungsgrenzen sind im Fluss. In „Translantics“ wird uns anhand von verschiedenen Situationen ein Zustand im Zwischen gezeigt. Und das ist genau das, worum es geht.

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