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Veröffentlicht: 17.05.2017, 13:37 Uhr

Walther und Imhof im MMK2 Kunst mit Körpern

Franz Erhard Walther und Anne Imhof, in Venedig mit Goldenen Löwen ausgezeichnet, sind eng mit Frankfurt verbunden. Das MMK 2 gibt Einblicke in Walthers Schaffen.

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© Nadine Fraczkowski Jetzt auch mit Eseln: Anne Imhofs „Parade“, 2013 im Frankfurter Portikus zu sehen

Zwar gehören die beiden hessischen Gewinner von Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig unterschiedlichen Generationen an. Aber sowohl die 39 Jahre alte, an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung und der Frankfurter Städelschule ausgebildete Anne Imhof als auch der in Fulda lebende, 77 Jahre zählende Franz Erhard Walther vertreten recht ähnliche Positionen. Sie deuten traditionelle künstlerische Formen radikal um. Walther ist es um einen neuen Skulpturbegriff zu tun. Imhof hat vor allem im Sinn, Bilder herzustellen. Beide aber nutzen dazu performative, szenische und choreographische Mittel, verlangen den Einsatz von Körpern, ob es sich dabei um ihre eigenen oder fremde handelt. Ohne Bewegung erschließen sich ihre Werke nicht, denen rituelle, kultische und theatrale Momente eigen sind.

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Beide Künstler arbeiten mit Utensilien, die erst in der Performance ihre ästhetische Bedeutung voll entfalten. Walther nutzt Stoffe, Textilien oder auch abstrakte Stahlobjekte, Imhof verwendet in ihrer Arbeit „Faust“ im deutschen Pavillon der venezianischen Giardini, für die sie ausgezeichnet wurde, unter anderem Schläuche, Seifen, Schalen, Löffel, Handtücher und Feuerzeuge.

Stoff-Elemente im Einsatz

Wer sich einen umfassenden Eindruck von Walthers Arbeitsweise verschaffen möchte, hat dazu in Frankfurt derzeit die Gelegenheit. In der Ausstellung „Primary Structures“ des Museums für Moderne Kunst, die im MMK 2 im Taunus-Turm zu sehen ist, wird ein Film zum „1. Werksatz“ gezeigt, einem der Hauptwerke des Hauses, das augenblicklich im Depot verstaut liegt. Würde es, was immer wieder der Fall war, in der permanenten Schau zu sehen sein, wäre die Arbeit in ihrem Ruhezustand zu besichtigen. Der Film zeigt, wie der „1. Werksatz“ mit seinen zahlreichen großen und kleinen Stoff-Elementen zum Einsatz kommt und so Teil einer sich stets verändernden lebendigen Skulptur wird.

Die Textilien schmiegen sich dem Körper an, werden gefaltet und gespannt, im Innenraum des Museums und im ländlichen Umfeld, genauer: in der Rhön. „58 Werkhandlungen zum ,1. Werksatz‘ (1963 bis 1969)“ ist der Titel des zwischen 1995 und 1998 hergestellten Films. Ebenfalls zu sehen ist eine fotografische Dokumentation von „Werkhandlungen“ mit dem „1. Werksatz“, die Timm Rautert 1969 und 1970 aufgenommen hat. Wer sich mit Film und Fotografien eingehend beschäftigt hat, ist bestens auf den Besuch der Biennale vorbereitet, wo Walther jetzt mit Recht als einer der einflussreichsten deutschen Avantgardisten gefeiert wird.

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Auch Imhof ist eng mit dem MMK verbunden. Schon bei der Absolventenausstellung der Städelschüler im MMK 3, dem einstigen Hauptzollamt, gewann sie vor fünf Jahren den ersten Preis, einige ihrer Werke erwarb das Museum seitdem für seine Sammlung. Vom 6. Juni an werden alle Arbeiten, die das Haus von ihr besitzt, als Teil der neuen Sammlungspräsentation im MMK 1 zu sehen sein.

Ihre erste Einzelausstellung hatte Imhof 2013 im Portikus, der Ausstellungshalle der Städelschule auf der Main-Insel. Eine Fotodokumentation gab vor, eine nicht von der Stelle kommende Parade zur Ausstellungseröffnung wiederzugeben, in Wirklichkeit waren die Aufnahmen vorher ohne Publikum hergestellt worden. Dass es Imhof immer ums Bild geht, zeigten damals choreographische Skizzen und Figurenstudien in Farbstift, Aquarell oder Graphit. Sie variierten die Themen, um die es auch in den Performances der Künstlerin geht: Raum und Körper, Zeit und Bewegung.

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