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Burg Hohenzollern : Wo Hollywood an Deutschland grenzte

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Nicht ganz so berühmt, aber eigentlich eine schwere Konkurrenz für Neuschwanstein: Die Burg Hohenzollern steht auch für den Machtanspruch ihrer Bauherren. Bild: dpa

Vor hundertfünfzig Jahren wurde die Burg Hohenzollern fertiggestellt: Friedrich August Stülers Bau ist mehr als ein Denkmal für eine Dynastie. Eine Ausstellung dokumentiert die Entstehung eines politischen Symbols.

          Mitunter erliegen auch Stararchitekten dem ersten Eindruck. „Diese Burg ist derart verpfuscht, dass ich nix machen kann als höchstens sie neu bauen – und dann ist es halt keine alte Burg mehr ... Das kann i net!“, entfuhr es Gabriel von Seidl, als er 1894 den Stammsitz der Hohenzollern bei Hechingen besuchte. Beauftragt hatte den Münchner, Verfechter eines puristischen Historismus, Kaiser Wilhelm II., der als damaliges Familienoberhaupt ähnliche Gedanken und deshalb Umbaupläne hegte. Bei der Umsetzung hätte er aber auf den entsetzten Seidl verzichten müssen, der angesichts der Biedermeier-Eleganz der Innenräume seine Begleiter bat: „Um Gottes Willen, helfens mir hinaus.“

          So schwanden die imperialen Absichten. Der sprunghafte Regent wandte sich einem anderen Projekt zu, der Rekonstruktion der elsässischen Hohkönigsburg, und überließ den ungeliebten Bau weitgehend sich selbst. Dabei lag dessen Fertigstellung damals gerade 27 Jahre zurück. Am 3. Oktober 1867 war er in Anwesenheit des preußischen Königs und späteren Kaisers Wilhelm I. eingeweiht worden, und seit eineinhalb Jahrhunderten thront die Burg, die für seinen Enkel nur ein Intermezzo sein sollte, von Moden und Zeitläufen unangefochten auf dem Hausberg einer abwechselnd dämonisierten und glorifizierten Dynastie. Eine von Stefan Schimmel, Kunstberater des Hauses Preußen, kuratierte Sonderausstellung im Torturm der Burg nimmt sich ihrer jetzt an. Pläne, Fotos sowie pittoreske Exponate wie eine beim Bau verwendete Schubkarre dokumentieren die Entstehungsgeschichte.

          Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Festung 1267, als es sie wahrscheinlich schon knapp drei Jahrhunderte gab. Die erste Burg eroberten und zerstörten 1423 Truppen der umliegenden Reichsstätte nach einer zehnmonatigen Belagerung aus gutem Grund: Deutschlands letzte Kaiser stammten von Raubrittern ab, Karl Marx hätte dieser Symbolik wegen seine Freude gehabt. Der Nachfolgebau verfiel nach wechselhafter Geschichte. Noch als Kronprinz besichtigte Friedrich Wilhelm IV. 1819 die Reste und betrieb bewegt die Rekonstruktion.

          Preußen brauchte einen zu verteidigenden Platz in der Region

          Die Finanzierung war 1846 gesichert, und mit Friedrich August Stüler übernahm ein Schüler Schinkels den Wiederaufbau. Er erschuf ein Ensemble, das alte – die katholische St. Michaelskapelle ist außer den noch sichtbaren Fundamenten der einzige Teil der ersten Burg, der die Belagerung überdauerte – und neue Elemente miteinander verbindet. „Travailler pour le roi de Prusse“ spottete einst der französische Kardinal und Premierminister André-Hercule de Fleury bewundernd und meinte: Nur in Preußen wird eine Sache um ihrer selbst Willen getan, ohne nach Sinn und Lohn zu fragen. Die Burg Hohenzollern widerlegt und bestätigt das Diktum, ist zugleich romantische Sendung und steingewordener Pragmatismus. Anders als Schloss Neuschwanstein und die Wartburg – ebenfalls prominente Zeugnisse des Burgen-Booms zwischen Wiener Kongress und Weltkrieg, aber jeweils monokausal legitimiert – musste sie mehreren Zwecken dienen.

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