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Kunstskandal in Leipzig : Aufstand gegen die Schwarzmaler

  • -Aktualisiert am

So weit der Arm reichte und sehr gründlich. Der Angriff auf die Displays der Kriegsfotografin Gerda Taro ist ein Versuch die zerstörten Motive der Tafeln auszulöschen. Bild: f/stop Leipzig

Vandalen haben die Installation der jüdischen Fotografin Gerda Taro in Leipzig zerstört und damit die Spaltung der Gesellschaft verdeutlicht. Bis zur Erneuerung muss die Gewalt sichtbar bleiben.

          Wie ein Mahnmal wirken die schwarzen Tafeln an der Straße des 18. Oktober in Leipzig. In der Nacht zum 4. August haben Vandalen die öffentlich ausgestellten Kriegsfotografien von Gerda Taro mit Teerfarbe überstrichen. Die Installation war Teil des internationalen Festivals für Fotografie „f/stop“, das Reportagefotografien zum Thema Flucht zeigte. Sie fand in der Öffentlichkeit so guten Anklang, dass die Stadt einen Monat nach Ende des Festivals einer dauerhaften Installation zustimmte. Wenige Tage darauf fand die Zerstörung statt.

          Der wegen Sachbeschädigung ermittelnde Staatsschutz kann eine politisch motivierte Tat nicht ausschließen. Wer aus welcher politischen Haltung heraus die Tat begangen hat, sei jedoch unklar. Seit sich die Legida-Bewegung 2015 als lokaler Ableger der Pegida gegründet hat, kommt es in der Stadt immer häufiger zu politischen Straftaten von linken wie rechten Gruppierungen. Eine Statistik des Projektes „Durchgezählt“ der Universität Leipzig zeigt, dass die Legida immer weniger Zulauf hat. Zugleich häufen sich die politisch motivierten Straftaten, wie ein Bericht des Innenministeriums Sachsen zeigt. Der Kurator des „f/stop“ Jan Wenzel fühlt sich an die Gewalt im Leipzig der neunziger Jahre erinnert: „Es gibt eine enorme Zügellosigkeit und Affekteskalation, sowohl in der Öffentlichkeit wie auf Facebook. Der Hass normalisiert sich.“ Ein Sprecher der Polizei sagte dagegen, die derzeitigen Ereignisse seien weder in ihrer Häufigkeit noch in ihrer Intensität und Qualität mit den Ausschreitungen der neunziger Jahre vergleichbar – trotz größerer Ausschreitungen im Dezember 2015 und Januar 2016.

          Gerda Taro und Robert Capa, der später die Fotoagentur Magnum mitgründete, prägten als Pioniere die Kriegsfotografie. Als erste Frau, die sich mit einer Kamera in Kampfhandlungen wagte, hielt Taro Mitte der dreißiger Jahre das Leid der Bevölkerung und die Gefechte während des Spanischen Bürgerkrieges fest. Die in Leipzig installierten Bilder zeigen Flüchtende und brennende Häuser. Damals wie heute sind ihre Fotografien als politische Anklage zu verstehen. Taro wurde 1910 als Gerta Pohorylle in Stuttgart geboren. 1933 floh die Jüdin aus Leipzig nach Paris. Dort erfand sie sich als Gerda Taro neu und ging drei Jahre später nach Spanien, wo die ausgestellten Fotografien entstanden. Bei dem Versuch, aus einem Gefechtsgebiet zu entkommen, wurde sie von einem Panzer überrollt.

          Lackmus-Test für die Gesellschaft

          Der Angriff auf die Tafeln ist besonders erschreckend, weil er die gesellschaftliche Spaltung verdeutlicht, in der sich einzelne Gegner von Zuwanderung zunehmend radikalisieren. „Hier konnte jemand den Anblick nicht aushalten und wollte etwas Aktuelles treffen, aber es war nur etwas Historisches greifbar“, mutmaßt Jan Wenzel. Auch ein antisemitischer Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden.

          Hunderte Leipziger hatten sich am Crowdfunding für die kostspielige Produktion der Installation engagiert. Mehr als ein Drittel der 15.000 Euro kam so für die in den Boden betonierten witterungsfesten Tafeln zusammen. Auch die 4000 Euro für die Erneuerung der Tafeln sollen mit einer Crowdfunding-Aktion gesammelt werden, die heute Mittag unter www.visionbakery.com/gerdataro beginnt. Am 19. September ist zudem eine öffentliche Diskussion über Leben und Werk Gerda Taros und Gewalt gegen Bilder geplant.

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