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Veröffentlicht: 19.09.2012, 12:32 Uhr

Unser Ai in Venedig Was zeigt der deutsche Pavillon 2013?

Überraschende Auswahl für den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig: Neben Ai Weiwei hat die Kuratorin Susanne Gaensheimer drei weitere ausländische Künstler benannt.

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Die Kommissarin des Deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale, Susanne Gaensheimer, hat bekannt gegeben, welche Künstler sie 2013 in Venedig ausstellen wird. Die Liste ist eine Überraschung. Gezeigt werden: der Chinese Ai Weiwei, der 1965 in Wiesbaden geborene Filmregisseur Romuald Karmakar, der südafrikanische Fotograf Santu Mofokeng und die indische Fotografin Dayanita Singh. Warum das?

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Es gehört zum guten und inzwischen auch etwas matten Ton unter Biennale-Kuratoren, mit großem Kritikalitätsradau die Institution des Nationenpavillons infrage zu stellen. Diese Infragestellung war in den sechziger Jahren wichtig, führt seitdem aber jedes Mal zur gleichen, nicht eben atemberaubenden Erkenntnis, dass die Sortierung von Kunst nach nationaler Herkunft einer internationalisierten Kunstwelt nicht angemessen sei. Hans Haacke hat die Abgründe nationalstaatlicher Repräsentation 1993 zum Thema seines Pavillonbeitrags gemacht, der Kurator Nicolaus Schafhausen 2009 überraschend den Briten Liam Gillick ausgestellt.

Aber kann man diese Verweigerungsgeste wiederholen? Dass man ausgerechnet den omnipräsenten Ai Weiwei im deutschen Pavillon zeigt, wirkt wie eine gutgemeinte Solidaritätsgeste. Warum aber dann nicht wenigstens weniger bekannten dissidentischen Künstlern aus China, wie Zhao Zhao, ein Forum geben? Gaensheimer, die schon 2011 den deutschen Pavillon verantwortete, hatte damals Christoph Schlingensief gezeigt – und bewiesen, was die nach wie vor sinnvolle Aufgabe einer Biennale mit national oder regional rubrizierten Pavillons ist: dass Kuratoren, die sich in einer lokalen Kunstszene gut auskennen, den Besuchern aus anderen Ländern eine Kunst nahebringen, über die diese nichts wussten (wir wären auch enttäuscht, wenn im japanischen Pavillon Jonathan Meese ausgestellt würde).

Gut gemeinte Solidaritätsgeste

Das Gegenargument lautet: Diese Rolle haben die vielen Kunstmessen übernommen, die Biennalen müssten sich eine neue Rolle suchen. Aber sind Biennale-Besucher zuvor auf der Frieze, der Fiac und der Art Basel gewesen? Nur die wenigsten. Eher scheinen die Kuratoren auf den Biennalen, statt nur etwas zu zeigen, selbst Kunst machen zu wollen, in dem sie die Kunst anderer zu ihrem thetischen Metawerk verschrauben.

Dass man in einem Moment, in dem allein in Berlin so viele interessante, noch unbekannte Künstler wie kaum je zuvor arbeiten – dies aber unter immer prekäreren Bedingungen – nicht auf beides mit aufmerksam macht; dass man stattdessen einen – zweifellos interessanten – Filmemacher präsentiert, als gäbe die bildende Kunst nichts Vergleichbares her, und auf etablierte Namen des internationalen Betriebs setzt, ist nicht besonders originell und eher ärgerlich.

Quelle: F.A.Z.

 

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