Home
http://www.faz.net/-gsa-72yqm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Unser Ai in Venedig Was zeigt der deutsche Pavillon 2013?

Überraschende Auswahl für den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig: Neben Ai Weiwei hat die Kuratorin Susanne Gaensheimer drei weitere ausländische Künstler benannt.

© REUTERS Vergrößern Ai Weiwei

Die Kommissarin des Deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale, Susanne Gaensheimer, hat bekannt gegeben, welche Künstler sie 2013 in Venedig ausstellen wird. Die Liste ist eine Überraschung. Gezeigt werden: der Chinese Ai Weiwei, der 1965 in Wiesbaden geborene Filmregisseur Romuald Karmakar, der südafrikanische Fotograf Santu Mofokeng und die indische Fotografin Dayanita Singh. Warum das?

Niklas Maak Folgen:  

Es gehört zum guten und inzwischen auch etwas matten Ton unter Biennale-Kuratoren, mit großem Kritikalitätsradau die Institution des Nationenpavillons infrage zu stellen. Diese Infragestellung war in den sechziger Jahren wichtig, führt seitdem aber jedes Mal zur gleichen, nicht eben atemberaubenden Erkenntnis, dass die Sortierung von Kunst nach nationaler Herkunft einer internationalisierten Kunstwelt nicht angemessen sei. Hans Haacke hat die Abgründe nationalstaatlicher Repräsentation 1993 zum Thema seines Pavillonbeitrags gemacht, der Kurator Nicolaus Schafhausen 2009 überraschend den Briten Liam Gillick ausgestellt.

21431667 Romuald Karmakar © Romuald Karmakar Bilderstrecke 

Aber kann man diese Verweigerungsgeste wiederholen? Dass man ausgerechnet den omnipräsenten Ai Weiwei im deutschen Pavillon zeigt, wirkt wie eine gutgemeinte Solidaritätsgeste. Warum aber dann nicht wenigstens weniger bekannten dissidentischen Künstlern aus China, wie Zhao Zhao, ein Forum geben? Gaensheimer, die schon 2011 den deutschen Pavillon verantwortete, hatte damals Christoph Schlingensief gezeigt – und bewiesen, was die nach wie vor sinnvolle Aufgabe einer Biennale mit national oder regional rubrizierten Pavillons ist: dass Kuratoren, die sich in einer lokalen Kunstszene gut auskennen, den Besuchern aus anderen Ländern eine Kunst nahebringen, über die diese nichts wussten (wir wären auch enttäuscht, wenn im japanischen Pavillon Jonathan Meese ausgestellt würde).

Gut gemeinte Solidaritätsgeste

Das Gegenargument lautet: Diese Rolle haben die vielen Kunstmessen übernommen, die Biennalen müssten sich eine neue Rolle suchen. Aber sind Biennale-Besucher zuvor auf der Frieze, der Fiac und der Art Basel gewesen? Nur die wenigsten. Eher scheinen die Kuratoren auf den Biennalen, statt nur etwas zu zeigen, selbst Kunst machen zu wollen, in dem sie die Kunst anderer zu ihrem thetischen Metawerk verschrauben.

Dass man in einem Moment, in dem allein in Berlin so viele interessante, noch unbekannte Künstler wie kaum je zuvor arbeiten – dies aber unter immer prekäreren Bedingungen – nicht auf beides mit aufmerksam macht; dass man stattdessen einen – zweifellos interessanten – Filmemacher präsentiert, als gäbe die bildende Kunst nichts Vergleichbares her, und auf etablierte Namen des internationalen Betriebs setzt, ist nicht besonders originell und eher ärgerlich.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankfurter Museum Moderne Kunst im Bürohaus-Turm

Das Museum für Moderne Kunst eröffnet am Freitag eine neue Dependence - in einem Bürohochhaus. Das ist bislang einmalig in Deutschland. Doch was böte sich in einer Stadt wie Frankfurt Pragmatischeres an? Mehr Von Michael Hierholzer, Frankfurt

17.10.2014, 18:22 Uhr | Rhein-Main
State Festival Kunst trifft Wissenschaft

Dieses Festival ist ein Experiment, weil es zum ersten Mal in Deutschland versucht, Künstler und Wissenschaftler an drei Tagen an einem Ort aufeinander treffen zu lassen. Mehr

28.10.2014, 10:19 Uhr | Wissen
Kunst im Büroturm Guten Morgen, Bankfurt!

Überraschung zwischen den Hochhäusern: Das Frankfurter Museum für Moderne Kunst gibt es jetzt auch im Taunusturm - aus seiner Platznot hat es eine Tugend gemacht. Die Premiere gehört den Künstlerinnen. Mehr Von Julia Voss

22.10.2014, 11:16 Uhr | Feuilleton
Jojo-WM in Prag

Wettbewerber aus 30 Ländern begeisterten am Samstag das Publikum mit virtuosen Schleifen und Schnurtricks. Das größte deutsche Jojo-Talent, der 18 Jahre alte Carlos Braun, verpasste den Weltmeistertitel knapp. Weltbester Jojo-Künstler ist dagegen der Kalifornier Gentry Stein. Mehr

10.08.2014, 17:48 Uhr | Sport
Gehry-Bau in Paris Die Gewalt des Auftritts

Dekonstruktion als Dekoration: Der amerikanische Architekt Frank Gehry baut in Paris der Fondation Louis Vuitton ein Ausstellungshaus, das Centre Pompidou widmet ihm eine große Retrospektive. Mehr Von Niklas Maak

25.10.2014, 23:03 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.09.2012, 12:32 Uhr

Sesam öffnet sich

Von Michael Hanfeld

Monatelang bemühte sich der Strafrechtsexperte Walter Grasnick um eine Veröffentlichung der schriftlichen Urteilsgründe im Fall Hoeneß - eine vergebliche Mühe, wie es schien. Aber siehe da: Auf einmal werden sie publiziert. Mehr 43 37