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Tour Montparnasse in Paris : Der dunkle Turm soll gläsernes Herz der Stadt werden

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Von den Parisern gehasst, als „schwarze Witwe“ verschrien: die Tour Montparnasse war jahrzehntelang der einzige Wolkenkratzer von Paris. Bild: Picture-Alliance

Die Tour Montparnasse war lange der einzige Wolkenkratzer von Paris. Jetzt will man sie grundlegend umbauen. Der Grund für das über 300 Millionen Euro teure neue Gesicht des bald 45 Jahre alten Turms: die Konkurrenz.

          Wo bietet sich die schönste Ansicht von Paris? Auf dem Dach der Tour Montparnasse – ist es doch der einzige Ort in der ganzen Stadt, wo man den Wolkenkratzer selbst nicht sieht!

          Dieses Bonmot wurde wahlweise dem Komiker Coluche, dem langjährigen Pariser Bürgermeister Jacques Chirac oder Tristan Bernard zugeschrieben. Tatsächlich jedoch handelt es sich um die Abwandlung eines Scherzes, mit dem Guy de Maupassant einst den ihm von Herzen verhassten Eiffelturm bedachte. Bezüglich der Tour Montparnasse würden noch heute etliche Pariser zustimmen, die den schwarzen Monolithen nicht mehr sehen können – auch und gerade, weil man ihn fast überall in der Stadt sieht. Andere Pariser lieben ihn mittlerweile als Wahrzeichen des Rive Gauche und Fluchtpunkt der Rue de Rennes. Und so waren auf beiden Seiten die Erwartungen hoch, als jüngst der Gewinner eines internationalen Ausschreibens zur Neugestaltung des einzigen innerstädtischen Wolkenkratzers der französischen Metropole bekanntgegeben wurde – und die Jubelrufe laut, dass ein einheimisches Architekturbüro siegte.

          Nouvelle AOM ist der aus Anlass des Wettbewerbs erfolgte Zusammenschluss dreier Pariser Agenturen; seine fünf Hauptverantwortlichen sind Anfang der siebziger Jahre geboren und haben damit ungefähr das gleiche Alter wie die 1973 eingeweihte Tour Montparnasse. Der Name der Gruppierung ist zugleich Augenzwinkern und Programm: Das Kürzel „AOM“ steht für „Agence architecturale de l’Opération Maine-Montparnasse“ – der Name des Architekten-Verbunds um Eugène Beaudouin, der Ende der fünfziger Jahre mit der Konzeption nicht nur des Wolkenkratzers, sondern des neuen Montparnasse-Bahnhofs mitsamt umgebenden Wohn- und Bürotürmen betraut worden war. Durch diesen direkten Bezug signalisiert Nouvelle AOM, dass sie in die Fußstapfen ihrer Vorgänger zu treten trachtet. Und bezeugt zugleich ihren Respekt für deren Werk.

          Mit einer neuen, transparenten Hülle sucht Nouvelle AOM dem Turm, der bisher eine opake, braunschwarze Glasverkleidung trug, ein freundlicheres, zeitgemäßeres Äußeres zu verpassen – wobei jedermann weiß, dass Glas nur auf Computerbildern und -videos so durchsichtig ist, dass es den Blick frei durch ein Gebäude hindurch fallen lässt. Die spektakuläre Entmaterialisierung der Tour Montparnasse, welche die Renderings suggerieren, dürfte in Wirklichkeit ungleich diskreter ausfallen. Zumal zwei weitere markante Eingriffe dem Wolkenkratzer mehr Masse verleihen werden. So soll zum einen das heute bei 210 Metern kulminierende Flachdach um achtzehn Meter erhöht werden: Ein Gewächshaus wird dereinst den Turm krönen. Zum andern will Nouvelle AOM den Bau rundherum um zwei Meter verbreitern, und das bis zur Höhe des dreizehnten Stockwerks. Die solcherart ausgebauten untersten Etagen erhalten begrünte Balkone und Wintergärten. Vier baumbestandene Patios auf dem Niveau des Erdgeschosses leiten das Licht in unterirdische Bereiche. Auch wird die ganze 14. Etage, die heute technische Einrichtungen beherbergt, in einen „Freiluft-Garten“ verwandelt.

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