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Teuerstes Kunstwerk : Mann, Lisa!

Sicherheitskräfte decken am 10. Oktober im Auktionshaus Christie’s in New York das Gemälde «Salvator Mundi» von Leonardo da Vinci auf. Bild: dpa

Ein Alter Meister wird zum teuersten jemals verkauften Bild: Der Leonardo da Vinci zugeschriebene „Salvator Mundi“ kostet in New York 450 Millionen Dollar.

          Der Zuschlag bei vierhundert Millionen Dollar bedeutet, mit dem üblichen Käuferaufgeld, einen Kaufpreis von 450,3125 Millionen Dollar oder 381,410 Millionen Euro. Damit ist Jesus Christus als „Salvator Mundi“ des Leonardo da Vinci das teuerste jemals versteigerte Kunstwerk. Mit seiner großartigen Performance am Mittwochabend in New York schlägt der Weltenretter in weitem Abstand Picassos Bordellszene „Les femmes d’Alger“, die im Mai 2015, ebenfalls bei einer New Yorker Auktion, 179,4 Millionen Dollar kostete.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das stark mitgenommene, massiv restaurierte und gereinigte Gemälde – seine Ursprünge zumindest gelten den meisten Experten inzwischen als von Leonardos Hand – hat eine ziemlich rasante Marktgeschichte hinter sich (zuletzt F.A.Z. vom 14. Oktober): Erst im Jahr 2005 wiederentdeckt, wurde es von einem Konsortium für zweihundert Millionen Dollar auch Museen angeboten, ohne Erfolg, um schließlich vom Genfer Händler und Betreiber von Zollfreilagern Yves Bouvier übernommen zu werden. Bouvier verkaufte das Bild für 127,5 Millionen Dollar an den aus Russland stammenden Multimilliardär Dmitri Rybolowlew. Der geriet mit Bouvier in juristische Auseinandersetzungen wegen der Vermittlungsgebühren für diverse Bilder, darunter auch der Leonardo.

          Durch eine Garantie abgesichert

          Dennoch kam die Ankündigung, der Salvator Mundi werde auktioniert, überraschend, zumal die veröffentlichte Schätzung auf nur noch hundert Millionen Dollar lautete. Dabei hielt sich das Risiko für den Einlieferer, Rybolowlews Familien-Trust, wie für das Auktionshaus Christie’s in Grenzen, weil eine dritte Partei zuvor eine Abnahmegarantie in ungenannter Höhe für das Werk übernommen hatte – will heißen: Jedenfalls verkauft war das Bild schon, ehe die Versteigerung überhaupt losging. Ohne Sicherheitsnetz geht eine Trophäe von diesem, wahrscheinlich in einer Auktion nie zuvor gesehenen Kaliber nicht in den offenen Markt.

          Dabei war es ein Coup von Christie’s, das Renaissance-Genie in der Abendauktion für „Postwar and Contemporary Art“ zu plazieren (übrigens neben einer zehn Meter breiten Version aus Andy Warhols „Last Supper“-Serie, die, mit Aufgeld, auf immerhin 60,875 Millionen Dollar kam). Das Argument dafür ging in die Richtung, dass ein Leonardo von zeitloser Anmut sei, also gewissermaßen allzeit gegenwärtig. Das ist sub specie aeternitatis nicht unkomisch, zumal angesichts des Sujets. Verständlich ist aber auch die, gelinde gesagt, verbreitete Irritation darüber; denn damit ist eine gewisse Ergebnisverzerrung in der scharfen Konkurrenz der weltweit agierenden Auktionsfirmen verbunden.

          Die Vermarktungskampagne war aufwendig wie nie zuvor. Sie nahm von Hongkong bis London Dan-Brown-Dimensionen an – nichts Geringeres als „the Last da Vinci“ (eigentlich falsch, weil Vinci bloß der Ort ist, aus dem Leonardo stammt) stand auf dem Spiel. Und der letzte in Privathand, während die anderen vermutlich sechzehn Gemälde Leonardos in Museen sind. Welcher ambitionierte Cross-over-Kunstkäufer könnte dieser „männlichen Mona Lisa“ widerstehen? Die Rechnung ging auf, bis auf weiteres bleibt der Erwerber, wie zu erwarten, anonym. Mit knapp einer halben Milliarde Dollar hat freilich niemand kalkuliert – außerhalb von Christie’s: Dort hatte man wohl relativ früh eine Idee von den Heilsqualitäten des Bilds, womit auch die Frage beantwortet wäre, warum es nicht zu einem diskreten private sale kam. Diese Show war es wert.

          Wird der Eigentümer sich offenbaren?

          Nur unrettbare Schöngeister glauben noch, dass im globalen Auktionsmarkt Kennerschaft und Geschmack vor Investition und Spekulation rangieren würden. Wobei im Fall von beinah einer halben Milliarde Dollar der Spekulationsaspekt vielleicht nicht der dominierende war. Nicht zu unterschätzen ist bei einer derartig raren Trophäe die schiere narzisstische Befriedigung: einen Leonardo zu besitzen (daheim oder in einem der Zollfreilager irgendwo)! Eine solche – der Begriff sei hier gestattet – Ikone der Welt vorzuzeigen kann den Spaß erhöhen. Weshalb es nicht ausgeschlossen ist, dass der neue Eigentümer sich offenbart.

          Was bedeutet das jetzt für den Kunstmarkt? Der ist im Moment in einem stabilen, aber nicht berauschenden Zustand. Bei den Alten Meistern herrscht schon seit einiger Zeit eine gewisse Flaute, dort stockt der Nachschub an entsprechender Qualität. Noch einmal abgesehen davon, dass der Zeitgenossen-Markt unvermindert die Käufer anzieht. So ist es eine hübsche Pointe, dass an der Spitze der Preisliste nun ein Alter Meister steht, und das angesichts der Summe wohl auf längere Sicht. Schwer zu sagen, wer Leonardos Jesus Christ Superstar mit seinem verschleierten Blick entthronen könnte.

          Quelle: F.A.Z.

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