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Terror im Irak : Der IS zerstört ein weiteres Kloster

Dieser Zusammenschnitt zweier Satellitenfotos (Großansicht nach Doppelklick) zeigt das Gelände des Elia-Klosters im Jahr 2011 (unversehrt) und im September 2014. Bild: AP

Satellitenaufnahmen zeigen, dass das einst bedeutende Kloster des Heiligen Elias, Deir Mar Elia, im Irak dem Erdboden gleichgemacht wurde. Der IS hat eine weitere Stätte des frühen Christentums ausgelöscht.

          Bereits im ersten Jahrhundert hatten der Apostel Thomas und Thaddeus von Edessa das Christentum nach Mesopotamien gebracht. Von Beginn an war Mossul eines der Zentren der frühen mesopotamischen Christen. Am 10. Juni 2014 nahm der „Islamische Staat“ (IS) Mossul ein, und damit lebten erstmals seit zweitausend Jahre keine Christen mehr in der Stadt. In Mossul selbst hat der IS seither alle Kirchen und Klöster entweder zerstört oder entweiht. Eine Kirche dient dem IS als Gefängnis. Auch im Umland von Mossul vernichtet der IS systematisch alle christlichen und vorislamische archäologischen Stätte. Der IS begründet die Zerstörung damit, dass in diesen Stätten „Götzen“ angebetet worden seien.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Auswertung von Satellitenbildern hat nun ergeben, dass vermutlich zwischen dem 27. August und 28. September 2014 das Kloster des Heiligen Elias, Deir Mar Elia, das wenige Kilometer südlich von Mossul lag, ebenfalls völlig dem Erdboden gleichgemacht worden ist. Die Anlage war 2500 Quadratmeter und damit ein Drittel so groß wie ein Fußballfeld.

          Bulldozer und Sprengstoff

          Das Kloster gehörte nicht zu den ältesten Klöster Mesopotamiens. Im Jahr 595 hatte es der assyrische Mönch Elias gegründet, der wohl aus al Hira stammte, der damaligen Kulturmetropole Mesopotamiens südlich der heutigen Stadt Nadschaf. Das war mehr als ein Jahrhundert, bevor Bonifatius, der „Apostel der Deutschen“, mit der Missionierung der Germanen begonnen hatte. Andere Klöster Mesopotamiens sind vor jenem des Heiligen Elias gegründet worden - etwa im Jahr 363 das Kloster Mar Mattai, das der Eremit Matthäus 20 Kilometer östlich von Mossul gegründet hatte. Heute verläuft die Front zum IS zwischen dem Kloster, in dem weiter christliches Leben stattfindet, und Mossul. Zerstört wurde hingegen um den 19. März 2015 das Kloster Behnam, das wenige Kilometer südlich von Deir Mar Elia liegt und ebenfalls im vierten Jahrhundert gegründet wurde, das aber im Herrschaftsbereich des IS liegt.

          Aufnahme des Elia-Klosters aus dem Jahr 2008.
          Aufnahme des Elia-Klosters aus dem Jahr 2008. : Bild: AP

          Gewissheit herrscht nun, dass mit dem Kloster Deir Mar Elia eine weitere Stätte des frühen Christentums völlig zerstört wurde, mutmaßlich mit Bulldozern und Sprengstoff eingeebnet - ähnlich wie die ehemalige Hauptstadt des assyrischen Reichs Nimrud, dem biblischen Kalach. Der IS hat deren Palastanlagen mit den großartigen Reliefdarstellungen sowie die Lamassu, die menschengesichtigen Stiere, im März 2015 zerstört.

          Über ein Jahrtausend war das Kloster Mar Elia Zentrum christlichen Lebens südlich von Mossul. Dann fiel 1743 der Perser Nadir Schah, der Gründer der Dynastie der Afschariden und Eroberer weiter Landstriche von Transoxanien bis Mesopotamien, über das Kloster her. Er ließ seine 150 Mönche töten, als sie sich weigerten, zum Islam überzutreten. Seither lag das Kloster in Ruinen.

          Christliche Zeremonie in den zwanziger Jahren.
          Christliche Zeremonie in den zwanziger Jahren. : Bild: AP

          Irakische Christen pilgerten weiter in das Kloster, um dort zu beten, Gottesdienste zu feiern und in den Nischen Kerzen anzuzünden. Bekannt war die Klosterruine durch das eingravierte große Christusmonogramm „chi-rho“ neben des Klostereingang, das sich aus X und P zusammensetzt. Ein Teil der Anlage wurde von jenen aramäischen Christen instandgesetzt, die 1915 von der jungtürkischen Regierung in Konstantinopel ebenso verfolgt worden sind wie die Armenier und Zuflucht in der Anlage fanden.

          In der Moderne nisteten sich Eliteeinheiten der Republikanischen Garden in dem großen Klosterhof ein. Nach dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 bezogen amerikanische Soldaten der 101. Luftlandedivision den Ort. Sie erkannten die Bedeutung der Ruinen, das 94. Engineer Batallion vermaß sie und Archäologen begannen mit der Restaurierung. Die Anlage wurde eingezäunt, 26 Räume wurden restauriert, darunter einen Altarraum und eine Kapelle. Fotos zeigen, wie amerikanische Soldaten in den Klosterruinen beteten und Gottesdienste feierten. Nun ist auch dieser Ort den Barbaren des IS zum Opfer gefallen.

          Quelle: F.A.Z.

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