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Streit um Van Gogh : Studie bei Kerzenlicht

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Das Prinzip Bumerang: Seit einem halben Jahrhundert wird über ein angebliches Van-Gogh-Selbstbildnis gestritten. Jetzt stellt ein Museum in Nevada das Bild wieder aus.

          Zu schön klang die Geschichte, als dass sie hätte wahr sein können. Eine Reifenpanne vor einem kleinen schmuddeligen Bistro in der Nähe von Paris sei es gewesen, so erzählte es der New Yorker Kunsthändler Reeves Lewenthal, die 1946 zu einem der spektakulärsten Kunstfunde der Nachkriegszeit geführt habe, der weltweit Schlagzeilen machte.

          Er sei ausgestiegen, um eine Werkstatt anzurufen und eine Kleinigkeit zu essen; da habe er zufällig einige schlecht beleuchtete, staubige Bilder an der Wand bemerkt. Lewenthal zündete sein Feuerzeug an - und blickte in das Gesicht von Vincent van Gogh: ein angeblich unbekanntes Selbstbildnis, unvollendet, 81 mal 60 Zentimeter groß, mit kleiner japanischen Zeichnung in der linken und der accentlosen Aufschrift „etude a la bougie („Studie bei Kerzenlicht“) in der rechten unteren Ecke. Irgendwie sei es ihm gelungen, das gelb und orange leuchtende Bild aus Frankreich herauszuschmuggeln - für einen Preis, der nicht einmal annähernd dem Wert entsprochen habe.

          Zweifel trotz eines Jubelartikels

          Damit allerdings begannen auch bald die Probleme des Reeves Lewenthal, der vorher schon als Reporter und PR-Agent sein Geld verdient hatte. Für damals sensationelle 60.000 Dollar verkaufte er das Gemälde in den Vereinigten Staaten an den Hollywood-Produzenten William Goetz. Der hängte die Leinwand neben Werke von Picasso und Monet, Renoir und Degas stolz in die Bibliothek seines Hauses am Delfern Drive in den vornehmen Holmby Hills über Los Angeles.

          Bald allerdings wurden erste Zweifel an der Echtheit des Zufallsfundes laut. Zwar hatte der niederländische Jurist Jacob-Baart de la Faille, Autor des bis heute unzuverlässigen Van-Gogh-Werkverzeichnisses, dem Bild die Echtheit bescheinigt und 1948 einen Jubelartikel in der Kunstzeitschrift „Phoenix“ veröffentlicht („Es gehört ohne Zweifel zu den lebendigsten Werken von Vincent.“). Als aber ein Jahr später im Metropolitan Museum of Art und danach in Chicago eine große Van-Gogh-Retrospektive gezeigt werden sollte, sorgte das Goetz-Gemälde sogar für diplomatische Verwicklungen.

          Als nämlich der Malerneffe und -erbe Vincent Willem van Gogh und der Direktor des Stedelijk Museum in Amsterdam, Willem Sandberg, die Echtheit dieses Bildes und drei weiterer angeblicher van Goghs in der Presse bezweifelten, drohte William Goetz mit Konsequenzen: Sollten diese Andeutungen den Wert seines Gemäldes mindern, werde er zur Entschädigung Leihgaben von Vincent Willem van Gogh aus der Ausstellung im Metropolitan Museum beschlagnahmen lassen.

          Nach langem Hin und Her und der Einschaltung verschiedener Botschaften einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss: Ein Komitee, dem unter anderen bekannte Kunsthistoriker wie George Stout und Alfred Barr jr. angehörten, sollte über das Gemälde entscheiden. Würde es für echt befunden, solle es in die Ausstellung gehängt werden. Das Urteil der vierköpfigen Jury über das Bild fiel nach neunzehnstündiger Beratung und Vergleich mit den zweifellos echten Werken aus der Familiensammlung im Metropolitan Museum eindeutig aus: „Wir sind nicht bereit, es als originales Werk von Vincent van Gogh zu akzeptieren.“

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