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Städel-Museum Die Sammlung als Kraftquelle

31.05.2006 ·  Unter seinem neuen Direktor hat das Städel-Museum in Frankfurt von diesem Mittwoch an ein verändertes Gesicht. Es könnte den wahren Charakter der ruhmreichen Institution noch heller glänzen lassen. Max Hollein hat die Sammlung als ruhende Basis in den Mittelpunkt gesetzt.

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Von diesem Mittwoch an hat das Städel-Museum in Frankfurt ein verändertes Gesicht, und das könnte den wahren Charakter der ruhmreichen Institution bürgerlichen Einsatzes für die Kunst womöglich noch heller glänzen lassen. Max Hollein, seit fünf Monaten Direktor des Städel, und die Sammlungsleiter des Hauses haben gleich in den ersten Ausstellungen mit Holleins Credo Ernst gemacht, die Sammlung als ruhende Basis in den Mittelpunkt zu setzen.

Eine intime Schau um Dürers „Bildnis einer jungen Frau mit offenem Haar“ und ein inspiriert staffierter Soloauftritt der Lucca-Madonna des Jan van Eyck im Kabinett zum Main zeigen Flagge für die Hauspolitik, die den Kurs des Vorgängers Herbert Beck beschleunigt fortführt. Die Zeitgenossen sind als „KonstellationenI“ neu präsentiert; in leichten, kraftvollen Räumen mischen sich Graphik und Zeichnung mit Gemälde und Skulptur.

Der Anspruch: Erkenntnis generieren

Das mißliche Wort Didaktik vermeidet Hollein. Doch er spricht von schwindenden Fähigkeiten, wie denen zu historischer Einbettung oder ikonographischer Lektüre - und von Reflexion der Gründungszeit: Deshalb sind in der Galerie im Treppenhaus vor himmeltiefblauem Grund Werke jener Epoche klug als „Streitbilder“ gehängt; unsere Abbildung zeigt Friedrich Overbecks „Triumph der Religion in den Künsten“. Das Monumentalbild des Nazareners begrüßt jetzt die Besucher, auf daß sich die Geister gleich rühren dürfen. Für die gesamte Premiere ist das Haus mit einer einzigen Leihgabe ausgekommen, dem Berliner Dürer-Pendant der „Jungen Frau mit aufgestecktem Haar“. So soll auch künftig verfahren werden, vor allem im Feld der Alten Meister.

Das Museum soll darüber hinaus auch ein Raum der Forschung sein: Die noch tiefere Erschließung der eigenen Bestände trägt die klare Abgrenzung gegen die Schirn-Kunsthalle in sich; denn dort sieht Hollein, der in Personalunion Direktor des Städel, des Liebieghauses und der Schirn ist, Ausstellungen als Vorschläge, im Städel seien Ausstellungen dagegen Feststellungen. „Erkenntnis generieren“ heißt der Anspruch; es geht um die langfristige Bindung der Besucher an das Haus. Damit ist eine Programmatik vorgegeben, an der wir das Städel - immerhin eines der bedeutendsten Museen der Welt - weiterhin messen wollen. Auch von „Beglückung“ sprach Max Hollein bei der Vorstellung seines Konzepts.

Quelle: rmg, F.A.Z., 31.05.2006, Nr. 125 / Seite 33
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