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Die neue Bilderflut : Miteinander „reden“ im digitalen Zeitalter

Auf dem „Maskenmarsch“ in London. Bild: AFP

Fotografieren als Akt der Massenkommunikation: Die Flut an Bildern erhöht das Interesse an der Mitteilung in sozialen Medien. Aber entwertet es damit nicht gleichzeitig das Interesse an der Kunstform Fotografie?

          „Permanently online, Permanently connected“ – im Zeitalter der Smartphone-Fotografie verändert sich nicht nur das, was wir sehen, sondern auch die Art und Weise, wie wir miteinander reden. Begrenzter Internet-Zugang war einmal; heute sind wir immer und überall online. Kommunikation ist mit Mobilität verknüpft, und das bedeutet auch: Kommunikation endet nie. Auf die „vielfältigen Formen der Unterwegs-, Parallel- und Nebenbeinutzung“ des zentralen Instruments unserer Kommunikation – der Smartphones – machte der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Peter Vorderer in seinem Tagungsbeitrag auf der ersten Internationalen Smartphone-Fotografie-Tagung „Smart as Photography“ in Mannheim aufmerksam. Ein Medienwandel sei vor allem dadurch eingetreten, dass die mobile Internetnutzung alltäglich werde. Einen Tag lang ohne das Smartphone auskommen? Für die meisten sei das heute unvorstellbar. „Kommunizieren, informieren, dokumentieren“ – diese von dem Journalisten Markus Weckesser hervorgehobene Trias bleibt ständig im Fluss.

          Die sozialen Medien beschrieb Vorderer dabei als eine Art unablässiges Hintergrundrauschen, ein „backround listening“, das zur Mär vom Multitasking geführt hat. In Wahrheit sei niemand dazu in der Lage, mehreren Kommunikationsquellen gleichzeitig seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, stellte Vorderer klar. Wir könnten zum Beispiel nicht eine SMS schreiben oder einen Beitrag auf Facebook posten und parallel hochkonzentriert die Inhalte einer Vorlesung aufnehmen. Die ständige Ablenkung tritt aus seiner Sicht jedoch nicht erst dann ein, wenn wir unser Smartphone aktiv nutzen. Schon die schiere Präsenz der Smartphones, das Wissen, dass sie sich in der Tasche befinden und immerzu griffbereit sind, führe dazu, dass wir uns im Modus permanenter Reaktionsbereitschaft befinden.

          Das große Handytheater: „Honig im Kopf“ - als Theaterstück im Schlossparktheater Berlin (mit Achim Wolff als Amandus Rosenbach und Nastassja Revvo als Enkelin Tilda).
          Das große Handytheater: „Honig im Kopf“ - als Theaterstück im Schlossparktheater Berlin (mit Achim Wolff als Amandus Rosenbach und Nastassja Revvo als Enkelin Tilda). : Bild: dpa

          Dass es sich mit den vielen Fotos, die wir mit dem Smartphone machen, ganz ähnlich verhält, ist eine naheliegende Annahme. Und in der Tat, erklärte Vorderer, verändert schon die bloße Möglichkeit, jederzeit Fotos zu machen, die Situation grundlegend. Auch im Umgang mit vorhandenen Fotos stellte er einen Wandel fest: Anders als im Zeitalter der analogen Fotografie würden zwar unendlich viele Fotos in den sozialen Medien hochgeladen, jedoch anschließend nicht noch einmal angeguckt.

          Unser Alltag wird heute ganz anders gestaltet als zu analogen Zeiten. Jeder kennt die Bilder von Menschen, die ihr Smartphone in die Luft halten und die sie umgebenden Dinge mit der Kamera aufnehmen. Das, was gerade passiert, sehen sie nur noch durch die Linse ihres Smartphones. Verändert also das andauernde Fotografieren das Erleben von Ereignissen? Vorderer zitierte eine aktuelle experimentelle Studie, die überraschenderweise zum genau gegenteiligen Ergebnis kommt. So sei zum Beispiel festgestellt worden, dass Personen, die eine Stadtrundfahrt machen, diese mehr genießen, wenn sie dabei fotografieren können. Wir seien gerade nicht weniger präsent, sondern ließen uns mehr auf den Moment ein, wenn wir das Erlebte mit dem Smartphone fotografieren.

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