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Veröffentlicht: 21.11.2016, 08:08 Uhr

Smartphone-Kunst Ein Dialog in Handybildern


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Zu diesem Zweck haben die Autoren nach ihrem dialogischen Text, der das Projekt erklärt und theoretisch reflektiert, auf jede Doppelseite zwei Fotos gestellt, die sie mit dem Smartphone gemacht haben – jeweils eines von Schmidt und eines von Wache, wodurch das Prinzip des Dialogs fortgesetzt wird. Zwischen diesen Bildern, das ist die erzählerische Absicht, die dahintersteckt, passiert etwas. So wird das Foto nicht nur, wie Schmidt einmal schreibt, „etwas anderes, sobald ich es an dich versende“, sondern es bekommt in seinem Bezug zum gegenübergestellten Foto auch eine neue Bedeutung, die sich bei jeder Betrachtung noch einmal verändern kann: „Eine aufeinander wirkende Kombination kann wie quer gestellte Spiegel wirken, wo sich etwas beständig ineinander bewegt, das niemals zur Ruhe kommt.“

Da findet sich zum Beispiel ein Bild von einem Schmetterling, einem Pfauenauge, der auf einem gelben Vorhang sitzt; die Vorhangstange scheint zu leuchten. Das gegenüberliegende Bild zeigt einen erleuchteten Fußboden, der in verschiedenfarbigen Quadraten unterteilt ist. Schattenumrisse von Menschen stehen auf dem Boden, zu sehen sind aber nur ihre Füße und Beine; einer fegt etwas weg, vielleicht Rosenblätter. Was ist das verbindende Element zwischen den Bildern? Das Leuchten? Die Farben? Die Fotos faszinieren in ihrer gemeinsamen Betrachtung, vielleicht gerade weil sie so viele Fragen aufwerfen und doch auf unbestimmte Weise harmonisch wirken.

Massenphänomen wird Kunstphänomen

Ein anderes Bilderpaar zeigt verpixelt ein Hochhaus bei Nacht, am Himmel steht der Halbmond. Das Pendant zu diesem Foto ist das Bild von einer Art blauem Schal mit zwei Löchern, der offenbar auf einem Bett liegt. Durch die Löcher sieht es so aus, als zeigte das Bild ein Gesicht mit zwei Augen. Und plötzlich scheint es so, als gehörten beide Fotos untrennbar zusammen, als würde das freundliche Gesicht mit dem Mond sprechen.

Mit diesem Projekt zeigt sich die Smartphone-Fotografie von einer Seite, die vermutlich die wenigsten vermutet hätten. Aus einem Massenphänomen, das regelmäßig Gegenstand harscher Kulturkritik ist, wird hier anspruchsvolle Kunst destilliert, die zugleich einen hohen Unterhaltungswert hat. Sie stimmt einen zuversichtlich, weil sie die flächendeckende Smartphone-Fixierung produktiv zu wenden versteht und sich gegenüber den neuen Entwicklungen der Fotografie nicht verschließt.

Die Bilder von Gunnar Schmidt und Frank Wache sind in ihrer dialogischen Anordnung auf wundersame Weise in Bewegung, sie bringen den Betrachter zum Lachen und vermögen all jene zu berühren, die sich auf diese Form der Imagination einlassen können. Und so mag auch für die Leser gelten, was einer der Autoren über sich selbst sagt: „Das Bild, wenn es mir geglückt erscheint, belebt mich.“

Das Buch

Frank Wache/Gunnar Schmidt: „Fotografie als Sendung. Ein Dialog“, Berlin: Edition Imorde 2016, 96 S. 19,80 €.

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