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Schinkel-Ausstellung in Berlin Das Land der Preußen mit der Seele bauend

Berlin hat Karl Friedrich Schinkel, dem Säulenheiligen der Stadt, eine umfassende Werkschau gewidmet. Sie zeigt ihn als genialen Architekten, aber auch als Maler - und als zerbrechlichen Idealisten.

Dank Daniel Kehlmanns Roman und Detlev Bucks Film setzen wir derzeit das erste Drittel des neunzehnten Jahrhunderts mit der „Vermessung der Welt“ gleich - und vergessen, dass damals die Fremde schon jenseits der Alpen begann. Goethes Vater zehrte sein Lebtag von seiner Italienreise im Jahr 1740, und noch der Sohn kehrte fast fünfzig Jahre später als ein anderer aus dem „Land, wo die Zitronen blühn“, zurück. Auch Karl Friedrich Schinkel, der Säulenheilige nicht nur Berlins, das ihm gerade eine große Werkschau widmet, sondern aller Architekten, wäre ohne Italienreise nicht der geworden, der er war.

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Am 1. Mai 1803 brach Schinkel, Schüler des drei Jahre zuvor jung verstorbenen Ausnahmearchitekten Friedrich Gilly, mit einem gleichaltrigen Freund nach Italien auf. Im Gepäck hatte er Schriften der Philosophen Friedrich Wilhelm Schelling und Johann Gottlieb Fichte, deren idealistische Verknüpfung von Vernunft und Romantik ihm Leitbild war. Man besucht Triest, Venedig, Florenz und Rom. Im folgenden Jahr geht es nach Neapel, Pompeji und Sizilien. Schinkel, der 1801 mit dem neoantiken Pomona-Tempel bei Potsdam debütiert hat, zeichnet ehrfürchtig-fiebrig antike Ruinen, Palazzi, Stadtansichten, Landschaften.

Vielseitiges Talent

In Berlin ist das von Johann Karl Rösler in Rom gemalte Porträt des Zweiundzwanzigjährigen zu sehen: kantige Gesichtszüge, riesengroße dunkle Augen, sehr kräftige, spitz nach oben wuchernde Augenbrauen, eine fleischige, am unteren Ende aufwärts gebogene Nase, ein unbändiger Haarschopf, dunkle, jeder Rasur widerstehende Bartstoppeln. Es ist nicht überliefert, ob Schinkel später in Neapel die berühmte Marmorstatue des jungen „Satyrs mit Weinschlauch“ aus Herculaneum sah.

Deshalb wird man auch nie wissen, ob ihm auffiel, dass er dem zügellosen Naturwesen wie aus dem Gesicht geschnitten war. Doch dass Schinkel häufig mit seiner Natur kämpfte, sich oft von Dämonen gejagt empfand, geht aus Andeutungen in seinen privaten Aufzeichnungen hervor und spielt eine Rolle in den Berichten derer, die ihn betreuten, als in den letzten Lebensjahren Siechtum seinen Geist zerrüttete.

Daran erinnert man sich im ersten Saal der Berliner Ausstellung, der Schinkel als Person vorstellt - und steht eigenartig berührt vor dem kleinen „Selbstbildnis mit Susanne Schinkel, geb. Berger“. Auf warm brauntonigem Vergépapier hat der Jungverheiratete sich und seine Frau 1807 mit Feder und Pinsel festgehalten. Sie, sanft lächelnd, sucht den Blick des Betrachters. Er aber, ihr zutraulich, vielleicht auch hilfesuchend die Hand über die Schulter legend, schaut vergrübelt und doch satyrhaft in die Ferne.

Welch ein überwältigend vielseitiges Talent! Schinkels Ansicht des Kapitols über den Trümmern des Forum Romanum hält jedem Vergleich mit den Bildern der Nazarener stand, seine Landschaften dem mit Caspar David Friedrich, seine Veduten nehmen die fesselnden Entwürfe des virtuosen Architekten, der er werden sollte, vorweg.

Trotzdem - und trotz der erstklassigen Schinkelporträts von Krüger, Drake, Tieck - wird man magisch angezogen von drei farbglühenden Ovalen, die alles überstrahlen. Diese Ölgemälde, 1817 entstanden, zeigen (zwei davon unvollendet) Schinkels Kinder Marie, Susanne und Karl. Alles, was er in Italien bewundert hatte, Raffaels Farbigkeit und Michelangelos Linienführung, Mantegnas Antikenstudien und Lottos Faltenschwünge, hat Schinkel in diese Porträts gelegt.

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