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Sammlung Flick Ausweitung der Kampfzone

25.05.2004 ·  Die Präsentation der „Flick-Collection“ in Berlin erhitzt weiter die Gemüter. Salomon Korn hat nun nicht nur den Sammler mit dem belasteten Namen, sondern auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz attackiert.

Von Heinrich Wefing
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Wenn man der neuerlichen Einlassung von Salomon Korn in der zunehmend hitzig geführten Debatte um die Präsentation der "Flick-Collection" in Berlin etwas Positives abgewinnen will, dann ist es die Ausweitung der Kampfzone.

Bislang hatte Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, mit bemerkenswerter Heftigkeit vor allem den Kunstsammler Friedrich Christian Flick, den Enkel des Rüstungsfabrikanten und verurteilten Kriegsverbrechers Friedrich Flick, angegriffen. Die auf sieben Jahre befristete Leihgabe seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst nach Berlin, so der zentrale Vorwurf Korns, erhoben in einem offenen Brief, sei "eine Art moralische Weißwäsche von Blutgeld in eine gesellschaftlich akzeptable Form des Kunstbesitzes."

Aufhellen des Namens

Statt sich der Verantwortung zu stellen, die aus seiner Familiengeschichte erwachse, und zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter beizutragen, suche Flick seinem belasteten Namen durch die Präsentation seiner Sammlung aufzuhellen. Ein Vorwurf, dem Flick mit der Bemerkung begegnete, eben das: die Kontrastierung der düsteren Vergangenheit mit einer besseren Gegenwart, sei doch das zentrale Projekt der Bundesrepublik insgesamt gewesen.

Korn hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Vielmehr hat er nun in einem Zeitungsbeitrag auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die gemeinsam mit Flick die Präsentation seiner Sammlung in einem Nachbargebäude des Hamburger Bahnhofs plant, in seine massive Kritik einbezogen. Das hat insofern eine gewisse innere Logik, als die Politik der Stiftung, durch Einwerbung immer neuer Privatsammlungen die eigenen Bestände zu ergänzen und abzurunden, durchaus Fragen aufwirft.

Ein Verteidiger Flicks

Die nach der Präsentation, Pflege und wissenschaftlichen Erschließung der vorhandenen Bestände in Zeiten knapper Kassen zum Beispiel. Oder die nach dem Machtgefüge zwischen Stiftern und Stiftung. Doch um solche kulturpolitischen Erwägungen geht es Korn ersichtlich nicht. Er wirft dem Präsidenten der Preußenstiftung, Klaus-Dieter Lehmann, vielmehr vor, er habe sich zum Verteidiger Flicks gemacht, als er dessen Wunsch, in der Hauptstadt auszustellen, nicht nur nicht abgelehnt, sondern auch noch öffentlich gerechtfertigt habe.

Irritierend an dieser Argumentation ist nicht nur die Kritik an Lehmanns Haltung: was anderes als Flicks Verteidigung wäre denn vom Stiftungspräsidenten zu erwarten gewesen, der ja immerhin einen Vertrag mit dem Sammler geschlossen hat? Einen Vertrag übrigens, dem Vertreter des Bundes und aller Bundesländer zugestimmt haben. Irritierender noch ist der schrille Ton, in dem Korn wiederum seine Kritik vorträgt. Mit dem Abschluß des Leihvertrages, heißt es in Korns Artikel, habe die Stiftung Preußischer Kulturbesitz "ein Tor aufgestoßen, das sich vermutlich nicht mehr ohne weiteres schließen lassen wird." Und um die Brisanz dieser Toröffnung zu demonstrieren, konstruiert Korn den - ausdrücklich fiktiven - Fall einer "Göring-Collection", aufgebaut von einem Enkel Hermann Görings, den die Stiftung, bliebe sie bei ihren in Sachen Flick entwickelten Maßstäben, ohne Zögern annehmen müsse.

„Unredliche“ Analogie

Klaus-Dieter Lehmann hat Korns Göring-Analogie in einer ersten Reaktion gegenüber dieser Zeitung als "unredlich" bezeichnet. Sie mache nahezu alle Aussichten zunichte, in der Sache zu einer Verständigung zu kommen. Tatsächlich ist die Bitterkeit von Korns Attacken schwer nachzuvollziehen. Sie dienen weder der Erkenntnis noch dem Ausgleich, sondern offenbar allein dem Zweck, "die Gemüter zu erhitzen," wie es Michael Blumenthal, der Direktor des Jüdischen Museums Berlin formuliert hat. Statt Flick herauszufordern, sich noch deutlicher zu seiner historischen Verantwortung zu bekennen und auch im Rahmen der geplanten Ausstellung, vielleicht mit Hilfe befreundeter Künstler, seine Familiengeschichte zu reflektieren, wollen Korn und andere Kritiker offenbar nur die Absage der Ausstellung akzeptieren.

Sie erwecken damit den Eindruck, nicht der Sammler und Erbe Friedrich Christian Flick selbst, sondern sie, seine Kritiker, hätten darüber zu entscheiden, auf welche Weise er sich der besonderen Verpflichtung zu stellen habe, die aus seinem Namen und der Geschichte seiner Familie erwächst. Wollen sie Flick vorschreiben, was er zu tun, was er zu lassen habe? Sie lassen kaum einen Zweifel daran, daß sie wissen, wie der Erbe seiner Verantwortung jedenfalls nicht gerecht werden kann. Entschieden nicht ausreichend sei beispielsweise die von Flick betriebene Errichtung einer Stiftung mit Sitz in Potsdam, die sich der Bekämpfung von Rassismus und Intoleranz widmet. Ungenügend, ließ Korn wissen, sei dieser Versuch, weil er auf Anraten einer PR-Agentur unternommen worden sei.

Gewiß läßt sich über die Wege streiten, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen und daraus seine Handlungen für die Gegenwart abzuleiten. Aber es bleibt doch die Frage, woher Flicks Kritiker die Legitimation nehmen, über die Tauglichkeit von dessen Auseinandersetzungsversuchen zu befinden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2004, Nr. 121 / Seite 37
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