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Saatchi Galerie In der Krise der Kunst steht der Markt Kopf

08.10.2008 ·  Alle reden vom Kollaps - nur der britische Kunsttycoon Charles Saatchi nicht: Er eröffnet in London eine neue Galerie, um die man ihn beneiden kann. Leider zeigt seine erste Ausstellung nur chinesische Kunst, die sich weitgehend der westlichen Moderne angepasst hat.

Von Gina Thomas, London
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Charles Saatchi scheint Glück im Unglück zu haben. Vor gut drei Jahren setzte sein Verpächter im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Londoner Stadtverwaltung am südlichen Themseufer ihn und seine Kunstsammlung vor die Tür. Mit einiger Verspätung eröffnet er heute sein neues, ganz nach seinen Vorstellungen renoviertes Quartier an der King's Road. Museen und Galeristen werden den Sammler beneiden um die mit Tannenholzböden ausgelegten, geschmackvoll minimalistisch gestylten Räume, in denen Saatchi mit zeitgenössischer chinesischer Kunst seinen Einstand feiert.

Er hat den barocken eduardianischen Pomp der städtischen Behörde gegen die großzügigen klassischen Proportionen des 1803 von einem Schüler John Soanes gebauten königlich-militärischen Heim für verwaiste Soldatenkinder eingetauscht. Später hatten hier verschiedene Regimente und militärische Organisationen ihren Sitz, darunter die Landwehr. Vor rund zehn Jahren aber hat Graf Cadogan, einer der größten Grundbesitzer Londons, den Komplex nahe dem ebenfalls zu seinem Portfolio gehörenden Sloane Square erworben. Daraus ist mit einer Mischung aus Wohnung und Gewerbe sowie einer Schule und eben der Saatchi Galerie eines der aufwendigsten innerstädtischen Immobilenprojekte geworden. Das weitläufige Areal vor dem gewaltigen dorischen Säulenportikus, durch den man das Saatchi Museum betritt, beschert dem Londoner Westen mit seinem ersten neuen öffentlichen Platz seit mehr als hundert Jahren.

Die Furore bleibt aus

Während Saatchis Kunst in den verschachtelten Schreibstuben der städtischen Beamtenschaft von der dunklen Holztäfelung erdrückt wurde, können die Ausstellungsstücke nun frei atmen, zumal in dem großzügigen, von Saatchi persönlich gestalteten Arrangement. Fünfzehn geschickt ausgeleuchtete Räume, deren milchige Glasdecken den Eindruck erwecken, sie seien durch natürliches Oberlicht erhellt, ziehen sich in klarer Folge auf vier Etagen mit einer Gesamtfläche von 6500 Quadratmetern durch den ausgekernten klassizistischen Vorderbau und den hinten neu angesetzten Annex. Die weißen kubischen Galerien wirken zwar edler als die Hallen der ehemaligen Farbfabrik, in der Saatchi 1985 erstmals Teile seiner ständig wechselnden Sammlung zeigte.

Doch der Furore, den die Werke in den ersten Jahren erweckte, als London noch kein einer Weltstadt angemessenes Forum für die Gegenwartskunst besaß, bleibt bei der Eröffnungsaustellung, „The Revolution Continues: New Art from China“, aus. Damals hat Saatchi die von Damien Hirst angeführte Gruppe der jungen britischen Künstler mehr oder weniger für den Markt erfunden. Hier geht er auf bereits festgetretenen Wegen.

Orientierung an der westlichen Moderne

Die meisten der sechsundsundzwanzig Chinesen, deren Werke dargeboten werden, darunter der repetitive Zhang Xiaogang, der sich in seien grautönigen Familienbilderm mit der Ein-Kind-Politik und der Vorstellung vom Kollektiv auseinandersetzt, sowie Zeng Fanzhi und Yue Minjun mit seinen breit grinsenden, Zähne fletschenden Figuren, sind dem Handel längst vertraut. Sie erzielten Höchstpreise, bis sich dieser Tage bei Sotheby's in Hongkong die ersten Auswirkungen der inernationalen Kreditkrise auf den überhitzten Kunstmarkt bemerkbar machten.

Wie bei der großen Ausstellung „China Design Now“, die vor kurzem im Victoria and Albert Museum zu sehen war, ist zu bedauern, wie stark sich die Chinesen nach der westliche Moderne orientieren, obwohl der Geist von Mao durch die Werke der Neo-Mücks, Gormelys, Hirsts und dergleichen spukt. Qiu Jies Bleistiftzeichnung „Pèlerinage Vers L'Ouest“, die das Motiv der Flucht nach Ägypten aufgreift, wirkt geradezu sinnbildlich für die Entwicklung, welche ein Großteil der Künstler wohl nicht zuletzt mit Blick auf den internationalen Markt durchmachen.

Weltpolitik als Farce

Da kommt einer die stilisierten Landschaften auf alten chinesischen Bildrollen beschwörende Skulptur wie Zheng Guogus „Wasserfall“ aus Wachstropfen eine geradezu berührende Authentizät zu, die in den parodistischen Gemälden etwa eines Shi Xinning fehlt. In Bai Yiluos Installation „Civilisation“ 2007 werden zwölf bekannte Büsten im altrömischen Stil vonMistgaben durchspiest und Liu Weis verwahrloste Geisterstadt aus Hundekauartikeln drängt sich mit den Modellen erkennbarer Bauten, wie dem römischen Colosseum, als Metapher für die marode westliche Kultur auf. Eine bitterkomische Satire liefern im Untergeschoß Sun Yuan und Peng Yu mit ihren lebensechten Tattergreisen, die weltpolitische Symbolfiguren im Altersheim darstellen: In einem wirr choreographierten Rollstuhltanz rammen sie sich kraftlos an.

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