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Rückkehr nach Leipzig Vom heimlichen Leben des Sensenmannes

04.03.2010 ·  Mit Hilfe von Sponsoren und Stiftungsgeld: Das Museum der bildenden Künste in Leipzig hat seinen Bestand erweitert, und freut sich über Max Klingers krudes Gemälde „Der Pinkelnde Tod“.

Von Camilla Blechen
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Als Neuerwerbung im Leipziger Museum der bildenden Künste hoch willkommen ist Max Klingers um 1880 entstandenes Gemälde „Der pinkelnde Tod“, das dem traditionsreichen Haus diese Woche feierlich übergeben worden ist. Für den Ankaufspreis von 700.000 Euro stand, zusammen mit vier weiteren Sponsoren, die Kulturstiftung der Länder gerade. Mit dem 95 mal 45 Zentimeter messenden Hochformat aus Klingers fruchtbarster Schaffensperiode hat das Museum ein Meisterwerk des Künstlers erworben, dessen krudes, an spätmittelalterlichen Totentänzen orientiertes Sujet die Zeitgenossen des Künstlers schockierte und noch heute befremdet.

Komplettiert wird gleichzeitig der einzigartige Klinger-Bestand des Hauses, das bereits 67 Skulpturen, 50 Gemälde, 829 Zeichnungen und eine Fülle von Druckgraphiken einschließlich der Zyklen Opus I bis XIV besitzt. Seit der Ausstellung „Eine Liebe. Max Klinger und die Folgen“ von 2007 verfolgte man am Leipziger Sachsenplatz das Ziel, den privat gehüteten Sensenmann der eigenen musealen Kollektion einzugliedern, was nunmehr glücklich gelang.

Rückkehr in Klingers Heimatstadt

Der vor einer weiträumigen Landschaftskulisse urinierende Tod wurde offenbar unmittelbar nach dem letzten Pinselstrich von dem mit Klinger befreundeten norwegischen Maler Christian Krohg erworben. Nach Aufenthalten in Berlin und Paris war dieser in Oslo zu Erfolg und Einfluss gelangt. Später gab Krohg das Bild an den exzentrischen Schriftsteller Hans Henrik Jæger aus dem Kreis der legendären Kristiana-Boheme weiter. Nach längerem Verweilen in der norwegischen Sammlung Heyerdahl wurde der „Pinkelnde Tod“ 1971 im Auktionshaus Hauswedell & Nolte vorstellig, wo ihn der Hamburger Kunsthändler Rolf Brockstedt ersteigerte.

Als Leihgabe des Galeristen war die präsurrealistische Phantasmagorie in etlichen Klinger-Retrospektiven, danach 2003 in der Themenausstellung „Grotesk“ zu sehen. Eine aufschlussreiche Vorzeichnung zu dem peinturistisch bestechenden Gemälde, einst Besitz des Leipziger Verlagskaufmannes Georg Hirzel, wurde im Rahmen einer Versteigerung in der Berliner Villa Grisebach 1993 weit über dem Schätzpreis für 46.000 Mark verkauft.

Zurückgekehrt ist das Bild damit in Klingers Heimatstadt. Der Künstler wurde 1857 als Sohn eines Seifensieders in Leipzig geboren. Sein Kunststudium führte ihn nach Karlsruhe und Berlin, die Stadt, in die er immer wiederkehrte. 1897 ernannte ihn die Akademie der graphischen Künste in Leipzig zum Professor; die neugegründete Wiener Secession wählte ihn im gleichen Jahr zum korrespondierenden Mitglied und stellte 1902 seine berühmte Beethovenstatue aus. Klinger starb 1920 in Großjena bei Naumburg an der Saale.

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