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Robert Longo zum Sechzigsten : Das Tanzen der Menschen

Er zeichnet fotorealistisch Menschen, Wellen und Atompilze. Auf viele Arten reduziert Robert Longo die Geschwindigkeit. Zum sechzigsten Geburtstag des amerikanischen Künstlers.

          Mit Robert Longo verbinden die meisten die Serie „Men in the Cities“, die Ende der siebziger Jahre entstand - fotorealistische, lebensgroße Bilder von seltsam verrenkten Menschen, die im luftleeren Raum der weißen Leinwand ekstatisch zu tanzen scheinen. Manche dieser Bilder, die wie Schnappschüsse auf dem OP-Tisch eines Präzisionszeichners wirken, erinnern in ihrer wilden Torsion dabei weniger an hedonistische Tänzer, sondern eher an die Schmerzensfiguren eines Francis Bacon.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Man muss heute nicht ins Museum gehen, um Robert Longos Kunst zu begegnen. Sie taucht in Filmen wie „American Psycho“ auf, wo ein Bild von Longos verdrehten Tänzern im Apartment des perversen Mörders Patrick Bateman hängt - so, als sei sie das Echo dieser Figur, die zwischen ekstatischem Hedonismus und Körperzerstörungsphantasien im nächtlichen, kalten Manhattan der Yuppie-Epoche ihr Unwesen treibt.

          Kunst als Akt der Verlangsamung

          Als der Film in die Kinos kam, war Longo, der in Brooklyn geboren wurde und eigentlich Kunst mit Schwerpunkt auf Bildhauerei studiert hatte, längst nicht mehr nur bildender Künstler im engeren Sinne, sondern unter anderem auch Regisseur: er produzierte Musikvideos für die Bands New Order oder R.E.M., drehte einen Cyperpunk-Film mit Keanu Reeves, Dolph Lundgren und Takeshi Kitano und wurde mit grimmigen Zitaten gegen die klassische Kunstwelt bekannt: „Ein Bild zu machen ist eine Sache, aber einen Film machen gibt einem wirklich den Kick“, erklärte Longo, um wenig später vor allem Performance-Theater zu machen. Schon Ende der siebziger Jahre war er bei den Auftritten von „Robert Longo‘s Menthol Wars“ mit seinen Gitarrensolos bekannt geworden, und die „Men in the City“-Serie wurde von vielen, die ihn auf der Bühne erlebt hatten, auch als Erinnerung an die zuckenden Figuren im weißen Stroboskoplicht seiner Auftritte gedeutet.

          Kunst war für Longo, der seit 1994 mit der deutschen Schauspielerin Barbara Sukowa verheiratet ist, ein Akt der Verlangsamung, der Konservierung eines Moments: schon bei seinen frühen Auftritten als Musiker ließ er hypnotisch langsam verblassende Dias, die er als „Bilder für Musik“ bezeichnete, im Hintergrund durchlaufen. In der Tradition einer Kunst, die sich mit der Flagge der Vereinigten Staaten auseinandersetzt, entwickelte Longo später eine Bildserie geschwärzter Sternenbanner, was fast schon eine überdeutliche Kritik an den Ölkriegen seines Landes war, und befasste sich mit einem anderen delikaten politischen Thema, den überdimensionalen Handfeuerwaffen („Bodyhammers“, entstanden 1993 bis 1995).

          Zwischen 1995 und 1996 arbeitete er am sogenannten Magellanprojekt, das aus 366 Zeichnungen bestand, auf denen er täglich sein Leben und die ihn umgebenden Bilder in einem persönlichen Atlas festhielt. Für die Serie „Freud Drawings“ nahm Longo die Dokumentarfotografien zur Vorlage, die Edmund Engelman in Sigmund Freuds Wohnung aufnahm, kurz bevor er sie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten verließ. So sind die meisten seiner Zeichnungen, von denjenigen, die er von Freuds Zimmer anfertigte bis zu denjenigen, die auf seltsame Weise ins blumenkohlhaft Schöne gehende Atompilze zeigen, immer Bilder über Bilder, Übersetzungen von Fotografien in Handzeichnungen, die aus der Ferne dann wieder wie Fotografien wirken - eine ästhetische Rückkoppelung, wie sie jemand lieben muss, für den Rückkoppelungen auf der Bühne zum Punkalltag gehörten. Am 7. Januar wird Robert Longo sechzig Jahre alt.

          Quelle: F.A.Z.

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