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Rijksmuseum wieder geöffnet : Das Böse und die Universalkunst

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Zehn Jahre war das Amsterdamer Rijksmuseum geschlossen: Aus dem geplanten Umbau ist eine wundervolle Neuschöpfung geworden. Ab Samstag steht uns das Goldene Zeitalter der Malerei wieder offen.

          Zehn Jahre für eine Altbausanierung? Jeder normale Bauherr wäre an der Stilllegung seiner Immobilie verzweifelt; die Niederländer hingegen feiern. Jedenfalls feiern sie jetzt, da eines der größten Bauprojekte ihrer Historie (sieht man von den genialen Deichen einmal ab) glücklich beendet wurde. Das Rijksmuseum eröffnet am 13. April nach einer Dekade Schließung seine Pforten, und man darf den Termin der Abdankung von Königin Beatrix am Monatsende getrost mit dem Schatzhaus der holländischen Kultur in Verbindung bringen. Denn diese historische Sause wollte Majestät gewiss noch selbst einleiten - als Epochenschluss und Neubeginn.

          Es ist beileibe nicht mehr derselbe Bau, der 2003 dichtgemacht wurde. Auf Fotos kann man überprüfen, dass das Interieur quasi komplett abgerissen und mit der gesamten Haustechnik und Sicherheit neu hochgezogen wurde. Dass bei den Ausschreibungen immer höhere Kosten anfielen, dass die Reichsbaubehörde schließlich eingriff und die Aufträge splittete, dass sich dabei die Kosten auf 375 Millionen Euro vervielfachten und die Bauzeit auf eine gefühlte Ewigkeit in die Länge zog - das alles wird jetzt durch die wundervolle Neuschöpfung eines der großen Museen der Welt aufgewogen.

          Denn was neben der Baufälligkeit kein Normalbesucher bemerkte: Über die Jahre war der Ursprungsplan des Architekten Pierre Cuypers von 1876 bis 1885 wirr überbaut worden; die beiden Atrien wichen einem Gewimmel von Zweckfluren voller Büros und Werkstätten. Lichthöfe hatte man verändert, Außenwände durchbrochen, Treppen zugeschüttet. Der Gesamteindruck eines bürokratischen Sammelsuriums kam dann durch die schrittweise Übermalung des gesamten Bildprogramms und die Entfernung aller Bauzier zustande. Nach dem Tod des bildfrohen Katholiken Cuypers hatten die Direktoren den bunten Figurenschrein in eine graue, calvinistische Predigthalle zurückverwandelt.

          Die Quintessenz des Goldenen Zeitalters

          Zusätzlich zum souveränen und großzügigen Konzept der andalusischen Architekten Cruz y Ortiz, die aus den Innenhöfen nun ein glasbedachtes Doppel-Atrium mit noblem portugiesischen Naturstein in Grau gestalteten, gingen Restauratoren und Neuschöpfer von Fresken, Glasfenstern, Ornamenten und Friesen ans Werk. Die „Ehrengalerie“ niederländischer Malkunst wurde so wieder zum Schiff einer weltweit einzigartigen Museumskathedrale. Teilweise komplett neu erfundene, teilweise nach Fotos rekonstruierte, teils nur von Schlämmfarbe befreite Historienzyklen sind jetzt am Ort: Hugo de Groot beim Verfassen seiner Seerechtslehre, holländische Kämpen des Mittelalters oder die Predigt des Willibrordus vor (sichtlich uninteressierten) Friesen - das war neben den Prachtfenstern zu Ehren von Medizin, Landbau oder Adel die pralle Ikonographie, die freudlosere Zeiten partout nicht mehr sehen wollten.

          Nun schreitet man unter riesigen Allegorien und der Namensliste ehrenvoller Schildermeister von Metsu bis Ter Borch im Gebälk durch eine Basilika der nationalen Malerei. Gegen alle nationalen Überflutungsängste durch Entkolonialisierung, Nordsee, Islam, EU ist diese Ehrengalerie die Quintessenz des Gouden Eeuw, des unfassbar Goldenen Zeitalters, das sich an keinem Ort der Welt so innig besichtigen lässt wie hier. Eine Seitenkapelle feiert die derb-moralischen Wirtshausszenen des Jan Steen, eine andere die notorisch gesund-gelaunten Porträts des Frans Hals, eine ganz edle versammelt alle Amsterdamer Vermeers wie die intime Milchausgießerin und das lakonische Delfter Straßenstück.

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