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Richard Serra : Im Antlitz der Geschichte

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Richard Serra ist der berühmteste Bildhauer der Gegenwart. Er gestaltet seine monumentalen Formen aus rostendem Stahl. In den Pariser Tuilerien wurde nun ein altes Werk spektakulär neu aufgestellt.

          Welch ein Platz für eine Skulptur des zwanzigsten Jahrhunderts. Unmittelbar hinter dem Eingang zu den königlichen Gärten von Paris, den „Jardins des Tuileries“, steht man vor zwei riesigen Stahlkurven, die sich, konvex und konkav gebogen, gegenüberstehen. Die Außenseiten bilden zwei weit geschwungene Kurven, innen bleibt ein schmaler Gang am Scheitelpunkt. Wenn man die Arme ausstreckt, kann man fast die beiden Stahlplatten berühren. Vom Garten aus blickt man durch diese Öffnung auf die Place de la Concorde, den Obelisken und, in der Ferne, den Triumphbogen.

          An diesem historischen Ort eine Skulptur zu plazieren, muss für einen zeitgenössischen Bildhauer ein Traum sein. „So überheblich bin ich wirklich nicht, dass ich mir diesen Platz selbst ausgesucht hätte“, sagt jedoch Richard Serra, als wir von der Seite, der Rue de Rivoli in den Park eintreten und die Skulptur seitlich zu sehen ist. Ob er denn glaube, dass seine Stahlplastik so lange hier stehen wird, wie der Garten bereits existiert, frage ich den amerikanischen Bildhauer, und noch einmal versucht er, den Triumph zu verbergen: „Die Stadt hat das Recht, die Skulptur auch an einem anderen Ort zu installieren, man weiß nie, wie lange die politischen Verhältnisse den jetzigen Standort tolerieren werden.“

          Eigentlich war dieses Werk, das Serras Frau Clara gewidmet ist und aus dem Jahre 1983 stammt, für einen Standort vor dem Centre Pompidou vorgesehen. Aber angeblich hat die Statik des Platzes die beiden tonnenschweren Stahlkurven nicht ausgehalten, und so machten sich Serras loyale Unterstützer auf die Suche nach einem neuen Platz. Erst die spektakuläre Ausstellung des Amerikaners im Grand Palais vor einem Jahr brachte die Entscheidung und die Installation in den Tuilerien.

          Ein glücklicher Zufall

          Dass die Skulptur „Clara, Clara“ hier so phantastisch funktioniert, das sei ein glücklicher Zufall, meint Serra. Schließlich beinhalte jede Skulptur an einem bestimmten Ort ein Risiko, man kann das nicht vorausplanen, sagt der Bildhauer, es bleibe immer ein Rest, der nicht kalkulierbar ist. Angesichts seiner Ausstellung im New Yorker MoMA habe er das besonders gespürt. „Wenn man dort scheitert, dann scheitert man ultimativ, das ist nun einmal die größte Herausforderung.“

          Serra ist natürlich nicht gescheitert, und gerade diese Ausstellung war eine seiner größten Erfolge, nur noch übertroffen durch ebenjene Pariser Schau im Grand Palais. Geht das immer so weiter, also von Erfolg zu Erfolg und von Mega-Ausstellung zu Mega-Ausstellung, frage ich ihn. Es sei jedes Mal eine neue Herausforderung, und manchmal sei ihm fast bange vor diesen immer neuen Aufgaben, antwortet Serra, und er beginnt vom nächsten Großereignis zu erzählen. Der Prado in Madrid hat ihn zu einer Ausstellung eingeladen, die noch in diesem Jahr stattfinden wird. Serra hat sich mehrmals die Situation vor Ort angeschaut und sich entschieden, nur an wenigen Stellen Skulpturen aufzustellen, die zum Teil noch gar nicht angefertigt sind. „Wissen Sie, dort kann ich keine konventionelle Museumsausstellung machen“, berichtet er, „da herrschen ja vollkommen andere Bedingungen, mit der Sammlung, dem Gebäude und der Geschichte.“

          Ein Mensch, der mit den Händen arbeitet

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