20.11.2006 · Im Streit über den Umgang mit NS-Raubkunst ist am Montag in Berlin eine Expertenrunde mit Kulturpolitikern und Museumsvertretern zusammengetroffen. Es wurde darüber beraten, wie mit der Restitution von Kunstwerken künftig verfahren werden soll.
Von Heinrich Wefing, Rose-Maria GroppKulturstaatsminister Neumann (CDU) hat am Montag nachmittag führende Vertreter deutscher Museen sowie Juristen und Kunsthändler im Kanzleramt zu einem Gespräch über Probleme der Restitution ehemals jüdischen Kunstbesitzes empfangen. Die Runde, die mehr als drei Stunden und damit deutlich länger als geplant beriet, ging ohne konkrete Beschlüsse auseinander. Kulturstaatsminister Neumann teilte anschließend mit, daß am Prinzip der Rückgabe von Kunstwerken, die von den Nationalsozialisten geraubt oder ihren rechtmäßigen Eigentümern anders abgepreßt wurden, uneingeschränkt festgehalten werden solle.
Den entsprechenden Verpflichtungen aus der „Washingtoner Erklärung“ von 1998 werde Deutschland nachkommen. Man habe sich aber darauf verständigt, die zur Durchführung der Restitutionen ergangene „Handreichung“ auf ihre „friedenstiftende Wirkung und ihre Praktikabilität“ zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern, hieß es in einer Pressemitteilung des Kulturstaatsministers. Nach Berichten von Teilnehmern wurde auch teilweise kontrovers über die Einführung von Fristen diskutiert. Über Details soll eine Arbeitsgruppe beraten, die von Neumann eingesetzt werden wird.
„Nationale Aufgabe“
Bei dem Treffen, an dem unter anderen der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Lehmann, der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Roth, die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Pfeiffer-Poensgen, der Kunstrechtsexperte von Trott zu Solz, der Kunsthändler Bernd Schultz sowie Vertreter des Bundesfinanzministerium teilnahmen, sei einhellig die Auffassung vertreten worden, die Forschungen in den Museen über die Herkunft der gesammelten Werke müsse gestärkt werden, hieß es.
Dabei handele es sich um eine „nationale Aufgabe“. Erwogen wurde dazu, mehr Mittel bereit zu stellen, möglicherweise in einem Fonds, der bei der Kulturstiftung der Länder und der Kulturstiftung des Bundes eingerichtet werden könnte. Die bisherigen Bemühungen, auch bei der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg, wurden allgemein als noch nicht ausreichend erachtet. Es bedürfe einer besseren Abstimmung und eines zentralisierten Informationsaustauschs zwischen den verschiedenen betroffenen Institutionen, hieß es.
Übereinstimmend wurde die Offenheit des Gesprächs gelobt. Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eissenhauer, bezeichnete das Treffen als „vielversprechenden Anfang“. Kurz vor dem Treffen hatte ein Sprecher von Neumann angekündigt, der Kulturstaatsminister werde zu einem weiteren Treffen auch Vertreter der Jewish Claims Conference und anderer Opfer-Organisationen einladen.
Rose-Maria Gropp Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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