28.09.2007 · Wegen des angeblichen Besitzes von Kinderpornographie ist Elton John in die Schlagzeilen geraten. Hintergrund ist die Beschlagnahmung einer Fotografie Nan Goldins, die John 1999 erwarb und die auch in einem Fotoband veröffentlicht wurde. Eine Attacke auf die Freiheit der Kunst?
Von Julia VossDer britische Sänger Elton John ist wegen des angeblichen Besitzes von Kinderpornographie in die Schlagzeilen geraten. Hintergrund ist die Beschlagnahmung einer Fotografie, die zusammen mit 149 weiteren Bildern im Baltic Centre of Contemporary Art im nordenglischen Gateshead ausgestellt werden sollte.
Die Aufnahme stammt von Nan Goldin, der Titel lautet „Klara and Edda belly-dancing“, und zu sehen sind zwei spielende Mädchen im Alter von etwa vier bis acht Jahren: Mit Wickeltüchern verkleidet, tanzt ein Mädchen im Stehen, das andere hat sich nackt auf den Boden gelegt. Der Betrachter blickt ihr zwischen die geöffneten Beine. Wie bekannt geworden ist – Elton John bestätigt es auf seiner Website –, wurde dieses Bild von dem Popstar 1999 in der Londoner Galerie White Cube gekauft, was die gegen ihn erhobenen Vorwürfe absurd macht.
Die Grenzen der Kunstfreiheit
Elton John erwarb die Fotografie nicht nur legal, sondern ist auch keinesfalls ihr einziger Besitzer: Der Phaidon Verlag veröffentlichte 2003 auf Deutsch und Englisch den Band „Luzifers Garten“, eine Bildmonographie mit Werken von Nan Goldin, die durch dokumentarische Aufnahmen von New Yorker Subkulturen berühmt wurde. Jeder Käufer von „Luzifers Garten“ besitzt damit das Bild, jeder Internetnutzer kann es mit einem Mausklick finden. Die nun entfachte Diskussion gegen eine Person, Elton John, zu richten scheint daher dem Ressentiment gegenüber einem bekennenden Homosexuellen geschuldet. Nicht erledigt hat sich damit jedoch die Frage, ob die Fotografie zu recht aus der Ausstellung entfernt worden ist.
Eine Attacke auf die Freiheit der Kunst? „Natürlich ist das Kunst“, lautet der Kommentar in einem Internetforum, „ich habe selbst vier Töchter, und sie spielen auch oft unbekleidet. Jeder, der darin Pornographie sieht, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Die Beobachtung, dass Kinder nackt miteinander spielen, würde niemand bestreiten. Es ist allerdings etwas anderes, sie dabei abzulichten und das Bild zu veröffentlichen. Ein Blick ins Internet zeigt, dass es eine überwältigende Zahl von Betrachtern gibt, die nicht alle Tassen im Schrank haben. Die in nackten Kindern nur eins sehen: Sexobjekte. Die Flut der im Netz verfügbaren Kinderpornographie hat den Glauben, der unschuldige Betrachter sei der Normalfall, ausgehöhlt. Und da ein sechsjähriges Kind im Gegensatz zur volljährigen Person nicht darüber entscheidet, wie es fotografiert wird und was die Grenzen der Kunstfreiheit sind, müssen Erwachsene für seinen Persönlichkeitsschutz eintreten. Auch gegen die Freiheit der Kunst.
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