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Popularität als Auftrag : Museen sind für Massen da

  • -Aktualisiert am

Blickt man auf die Geschichte der Museen, muss man erkennen, dass das Event schon immer dazugehört. Die Angst vor der kollektiven ästhetischen Erfahrung ist unbegründet.

          Im Jahr 1857 wurde Manchester für ein halbes Jahr zur Kunstmetropole Europas. Die Ausstellung „Treasures of Art“ vereinte dort 1600 Exponate und zog 1,3 Millionen Besucher an, mehr als die Berliner „MoMA“-Ausstellung von 2004. Ein riesiges Areal wurde außerhalb der Stadt dafür angelegt. Es verfügte über einen eigens errichteten Bahnhof, auf dem die mit organisierten Bahnfahrten anreisenden Besucher eintrafen. Was Ausstellungsereignisse angeht, so verdient sodann der Salon de Paris, die offizielle Schau der Académie des Beaux-Arts und zwischen 1748 und 1890 das größte und wichtigste Kunstereignis der westlichen Welt, Beachtung. Die Karikaturen, mit denen Honoré Daumier dem Salon-Publikum den Spiegel vorhält, zeigen eindrucksvoll die Atmosphäre in den überfüllten Räumen und stellen zugleich in Frage, dass es allein um den hehren Kunstgenuss geht: Man speist vor den Gemälden und fachsimpelt über die Farbe des Schinkens.

          In den sechziger und siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts feierte das Museum of Modern Art in New York die abstrakten Expressionisten als Propheten eines künstlerischen Neuanfangs, man drängte sich vor All-over-Farbfeldmalerei. Rothko und Pollock sind bis heute Garanten für volle Häuser. In Stuttgart fand dagegen 1950 die erste und für Jahrzehnte einzige Ausstellung früher italienischer Malerei in der Württembergischen Staatsgalerie statt. Sie war die erste große, stark frequentierte Schau der Nachkriegszeit.

          In der Rückbesinnung auf die religiöse Kunst des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts schlug sich nicht zuletzt das Kriegstrauma nieder. Sodann wurde das Ausstellungsevent zum Ausdruck bürgerlichen Wohlstands (man stand nicht für Essensmarken an, sondern für Kunstgenuss). Und heute, in einer Zeit, in der Hunderte von Satellitenprogrammen die Wohnzimmer erreichen, erhalten großformatige Ausstellungen ihre Relevanz nicht zuletzt als Gemeinschaftsereignis.

          Der Ereignischarakter von Kunstausstellungen ist also nicht erst mit der „Langen Nacht der Museen“ oder im Rahmen von Formaten à la MoMa eingeläutet worden, sondern er gehörte von Anbeginn zum Wesen öffentlichen Ausstellens. Ihn als neueres Phänomen und Zeichen einer erst jetzt einsetzenden Kommerzialisierung des Museumsbetriebs zu verstehen ist problematisch. Wie kommt es zu diesem Missverständnis?

          Von der Unverzichtbarkeit der Sponsoren

          Seit Walter Benjamins kunstsoziologischen Überlegungen herrscht in Deutschland eine tiefe Skepsis gegen gemeinschaftliche ästhetische Erfahrung. Während Besucherströme im Pariser Grand Palais zur Normalität wurden, provoziert Aufmerksamkeit für das Berliner Bode-Museum ein Nachdenken über „Eventkultur“ und deren Verträglichkeit mit der Museumsidee. Sicher, Aufmerksamkeit bringt Herausforderungen für das Besuchermanagement mit sich, dem die Museen nicht immer gewachsen sind. In jedem Fall wird von den großen Institutionen erwartet, dass sie international beachtete Projekte in Stadt und Region holen.

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