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Pompeji : Rette es, wer kann

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Wegen des rapiden Verfalls gilt in Pompeji seit dem Juni 2008 der Ausnahmezustand. Die antike Nachbarstadt Herculaneum dagegen wagt aufzuatmen: Ihren Bestand und sogar neue Grabungen im Theater und der „Villa di Papiri“ sichert ein Mäzen.

          „Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte“, bemerkte Goethe nach seinem Besuch in Pompeji. Heute wird hier allerdings niemand mehr so recht froh. 2,5 Millionen Besucher kommen alljährlich in die Ruinenstadt. Sie entwenden Mosaiksteinchen und kleine Freskenreste und hinterlassen Berge von Abfall. Das Aufsichtspersonal ist ungenügend. Die dreihundert Wächter sind in sieben verschiedenen Gewerkschaften eingeschrieben und können Pompeji jederzeit lahmlegen. Ein großer Teil der ausgegrabenen Bauten verfällt. „Dramatisch“ sei der Zustand von Pompeji, erklärte Kulturminister Sandro Bondi im Juli, und auf sein Drängen verhängte die italienische Regierung den Notstand über die antike Stadt. Der ehemalige Präfekt von Neapel, Renato Profili, wurde als Sonderkommissar eingesetzt.

          Für den in der Fachwelt geschätzten Archäologen Pietro Giovanni Guzzo, seit fünfzehn Jahren Pompejis oberster Denkmalpfleger, war dies ein wenig kränkend: „Wir brauchen die Ausrufung eines Notstands nicht“, sagt er, „den gibt es in Pompeji seit 1738. Wir brauchen eine kontinuierliche Pflege. Aber der italienische Staat hat nicht das Geld dafür.“ Die Einnahmen von 20 Millionen Euro jährlich reichen nicht. „Wir benötigen 275 Millionen Euro“, sagt Guzzo. Nur durch eine internationale Kooperation könnte Pompeji gerettet werden.

          Mafios verursachte Missstände

          Seit fünf Monaten ist der Sonderkommissar im Amt. Er verfügt über kein eigenes Budget und schöpft aus den kargen Mitteln der Denkmalschutzbehörde. Eine Satellitenüberwachung des 44 Hektar großen Geländes ist geplant. Sie wird die Kontrolle erleichtern, und es ist auch gut, dass der ehemalige Präfekt aus Neapel dem Archäologieprofessor Probleme abnimmt, die beispielsweise das Funktionieren von Toiletten, aufsässiges Wachpersonal, fehlende Restaurants und zudringliche Souvenirverkäufer betreffen. Lauter mafios verursachte Missstände.

          Und das Problem der streunenden Hunde, denen Helmut Krausser 2004 in seinem bezaubernden Roman „Die wilden Hunde von Pompeji“ ein Denkmal setzte? „Das ist unlösbar“, sagt Guzzo, „wir können kein Tierheim bauen, da der gesetzlich vorgeschriebene Abstand von 500 Metern zum nächsten Wohnhaus in dieser dichtbesiedelten Region nicht eingehalten werden kann.“

          Ein natürlicher Tod

          Neben Pompeji und Herculaneum ist der Superintendent Guzzo auch für die römischen Villen in Oplontis, Stabia und Boscoreale zuständig, für das Archäologische Museum in Neapel und für alles, was Griechen und Römer auf den Phlegräischen Feldern und der Halbinsel Sorrent hinterlassen haben. Der italienische Denkmalschutz leidet unter Personalmangel. Seit mehr als fünfzehn Jahren werden keine Stellen mehr ausgeschrieben: „Offensichtlich will man den Denkmalschutz eines natürlichen Todes sterben lassen“, sagt Guzzo. Die gesamte Altertumswissenschaft werde langsam ins Abseits gedrängt. Auch der Fall des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, das vor zwei Jahren auf unabsehbare Zeit geschlossen wurde, sei dafür ein Beweis. „Für uns Archäologen ist das Institut lebenswichtig.“ In keinem Sektor der öffentlichen Verwaltung findet man heute in Italien so viele entmutigte Beamte wie im Denkmalschutz.

          Doch gibt es eine glückliche Insel: Herculaneum. Weder Herkules, den die Bewohner als Stadtgründer verehrten und nach dem sie ihr kleines Paradies am Meer benannt hatten, noch der vergöttlichte Augustus, dem sie eine zwei Meter hohe Bronzestatue errichteten, halfen der Stadt an jenem Augustmorgen 79 nach Christus, als sich der kochende Vulkanschlamm heranwälzte. Aber heute hat Herculaneum einen Schutzgott, der aktiv wird, sobald Not am Mann ist: David Woodley Packard.

          Entschluss zur Hilfe

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