13.07.2012 · Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will die Alten Meister aus Berlins Gemäldegalerie herausnehmen. So gefährdet sie ohne Not eines der kostbarsten Güter der Nation.
Von Eduard BeaucampRichtlinien für Lesermeinungen
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Die aktuellen kulturpolitischen Mißstände sind im
Wesentlichen auf den Verlust der Unabhägigkeit der Mussen
zurückzuführen. Wenn der Staat eine Einrichtung finanziert
oder mitfinanziert muss er auch klare Regeln aufstellen. Unvorstellbar,
dass Schulen, Gerichte oder die Polizei sich von Spenden und Schenkungen
abhängig machen. Die Industrie hat sich die moderne und
zeitgenössische Kunst, an der sie besonders interessiert zu sein
scheint, untertan gemacht (siehe Documenta), die Mussen als
Wissenschaftsinsttute deformiert.
Daher sind alle Geldzuwendungen an staatlich geförderte
Einrichtungen (auch an die Universitäten) grundsätzlich zu
unterbinden, Schenkungen dürfen nur dann angenommen werden, wenn
sie nicht mit Zusagen verknüpft werden müssen. Gerade
diejenigen, die sich in den letzten Jahren für die Deregulierung
musealer Standards eingesetzt haben verfügen oft genug selbts
über mangelhafte fachliche Qualifikationen und ersetzen diese dutch
hingabevolle Kungelei.
... lobt der Herr Beaucamp die Bestände der Sammlung Alter Meister.
Dass alle großen Namen vertreten sind bedeutet leider nicht, dass
die Sammlung von allen die besten Bilder hätte.
Um mich im Detail zu äußern, müsste ich mehr über
die Vorgänge wissen.
Aber eines ärgert mich, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund
unserer Verschuldungsmissionierung "für den Euro" durch
(interessengeleitete) angelsächsische Wirtschaftswissenschaftler,
ganz gewaltig: Dass sich Amerikaner jetzt auch noch in unsere
Museumsplanung einzumischen für berechtigt halten.
Es wird Zeit, dass wir diesen vielfältigen transatlantischen
Interventionen deutlich mehr Selbstbewusstsein entgegensetzen!
Vielleicht sollten wir mal einen Verein gründen, der sich für
die Kulturförderung mit mehr Staatsknete in den USA stark macht?
Das Echo von drüben möchte ich nicht hören!
Amis raus! willkommen daheim!
"Um mich im Detail zu äußern, müsste ich mehr über die Vorgänge wissen" - sehr richtig. und da letzteres nicht der fall ist, sollte ersteres besser unterbleiben. im übrigen ist eine sammlung nicht erst dann bedeutend, wenn sie "von allen (großen namen) die besten bilder" hat. verstehe ich herrn Brinkmanns beitrag recht (sicher bin ich mir da nicht), dann sollten welsche kunstfreunde sich aus den angelegenheiten deutschen kunstwesens raushalten. mal angenommen, diese empfehlung fände uneingeschränkte resonanz: wäre man im provinzgärtchen wieder ganz unter sich, traulich treu samt jägerzaun und gartenzwerg.
Ein Reicher sammelt Kunst und träumt von der Ewigkeit. Seine Sammlung bietet er als Geschenk. Das könnte man großzügig finden, selbstlos und nobel, wäre da nicht die atemberaubende Anmaßung, die Erwartung, es möge ihm auf öffentliche Kosten ein großer Bau freigeräumt (!) und – dies der tiefere Grund der unseriösen Offerte – seinen Erben die Last der Erbschaftssteuer vom Halse geschafft werden. Er findet nichts dabei, zu diesem Zwecke die grandiose Sammlung Alter Meister (der ich bei jedem meiner Berlin-Besuche meine Aufwartung mache) hierhin und dahin zu verfrachten. Weisungsempfänger finden sich: voran der servile Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (!) Parzinger, der redet wie ein Vertreter und blickt wichtig drein; dazu dieser Realschullehrer aus Bremen-Nord, Bernd Neumann, für Parteitreue mit einem Amt belohnt, das ihn blamiert. Im Unterschied zu den Alten Meistern gehören beide nicht ins Kulturforum oder an dessen Wände. Sie gehören ins Depot.
Der Umzug der Alten Meister auf die Spreeinsel ist zunächst eine
gute Idee. Eigentlich gehören sie da hin und werden das Areal noch
einmal beträchtlich aufwerten. Ebenso ist es eine gute Idee, den
Kemperplatz zu einem Bezirk der Modernen Kunst zu machen.
Aber der Autor hat ganz Recht, wenn wenn er die Vorgehensweise
kritisiert bei der Gemälde in bestehende Sammlungen
hineingequetscht oder in Depots ausgelagert werden sollen. Für wie
lange dann eigentlich?
Es fehlt auf der Museumsinsel ein eigenes Gebäude für diese
alten Kunstwerke. Das muß erst geschaffen werden (sehr schwierig)
und erst dann kann die bestehende Gemäldegalerie der Modernen Kunst
überlassen werden. Es wäre schön, wenn auch
großzügige Sammler diese Schrittfolge mitvollziehen könnten.
Der Wiederaufbau (eigentlich nur einiger Fassaden) des Schlosses in
Mitte war eine großartige Gelegenheit, aber seine Konzeption hat
sich in eine Richtung entwickelt, die den Alten Meistern vielleicht
nicht so ganz zuträglich wäre.
Die "Moderne" wird überschätzt. Jeder kleine Gag,
der sich als "neu!" schreiend anpreist, wird weit
überschätzt. Duchamp war noch wirklich neu. Aber danach?
Und wer kauft das? Wer treibt die Preise hoch, damit die Presse
mitspielt? Ahnungsbefreite Neureiche und natürlich: Spekulanten
(Saatchi, Russen).
Abwarten. Und dann sehen, was bleibt, q.e.d. = wie zum Beispiel die
"Alten Meister". Die soll man ehren. Und nicht ins depot
abschieben. Weil das NEUE so schön bunt ist.
Berlin? Dort ist Bayern und Schwaben.
Diejenigen, die sich gern mit ihrer Feder oder besser der Tastatur gegen "Berlin" auslassen, sollten vielleicht berücksichtigen, dass in der Stadt viele wichtige Posten in Kultur, Politik und Wirtschaft in schwäbischer und bayrischer Hand sind. Was wir also beobachten können, hier oder am Flughafen, ist habitualisierter Ausfluss der süddeutsche Provinz
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 15.07.2012 11:56 UhrBerlin hat ein Riesenproblem
Es hat überhaupt keine gebildete Bürgerschaft. Was Berlin
(nicht) kann, sieht man exemplarisch am Komplex
Kulturforum/Kunstgewerbemuseum. Man sieht es auch am Zustand des ganzen
Bereiches Kemperplatz. Bis hin zur Bushaltestelle direkt vor dem
Haupteingang der Philharmonie.
Die Einzigen landesweit, die die Berliner für
großstädtisch halten, das sind die Berliner selber.
Es ist richtig: Die Berliner Gemäldegalerie hat die Möglichkeit alte Meister und Malerei gut auszuleuchten und ein intensives Studium zu ermöglichen, vor allem hat sie auch die konservatorischen Vorraussetzungen. Nur, leider, der Bau ist dennoch öde und zum Beispiel die Textilbespannungen teilweise arg ramponiert (verschmiert!). Man hat ständig den Eindruck in einem Nachbau, z.B. des Kunsthistorischen Museums in Wien oder der alten Nationalgalerie in München, zu wandeln. Das Gebäude atmet die Ödnis einer Architektur aus zweiter Hand. Dies schreibt ein Maler (frei lebender Waldvogel) und nicht Historiker(Ornithologe), denn ich möchte in einer solchen phantastischen Sammlung frei schweben und nicht nur konservieren, zuordnen, versprachlichen, usw. Museumsneubauten, gerade die für alte Meister, sind eine schwere Herausforderung für zeitgenössisches Bauen. Wie so etwas gründlich daneben gehen kann, kann man in Köln seit dem Umzug des alten Wallraf-Richartzmuseum in den Ungersbau erleben.
Die derzeitige Diskussion wäre doch ein wunderbarer Anlaß die
mögliche Übersiedlung der Gemäldegalerie in das
künftige Stadtschloss noch einmal zu diskutieren. Dieser Bau
würde räumlich für die Gemäldegalerie allemal
hinreichen und könnte einen würdigen architektonischen Rahmen
für eines der bedeutendsten Museen der Welt bieten.
Die ethnologischen Sammlungen könnten statt dessen im Dahlemer
Völkerkundemuseum in der Arnimallee verbleiben, wo sie ihren
historischen Standort haben. Der Begriff "Humboldtforum" war
ohnehin ein der political correctness geschuldeter
Schildbürgerstreich um das Schlossprojekt politisch durchsetzen zu können.
Die Kuratoren der Gemäldegalerie sollten vielleicht für einige
Zeit von der masochistischen Arbeit ablassen ihre Exponate als Kopien zu
"enttarnen" (Caravaggios "Maria mit dem Kind",
George de la Tours "Heiliger Sebastian", Rembrandts "Mann
mit dem Goldhelm" etc. etc.) und sich einer sinnvollen Arbeit zuwenden.
OCCUPY Institution Nationalgalerie: Doppelter Offener Brief an Bernd NEUMANN
Die Politik, bei ihr habe „die Kunst heute keine verständigen Anwälte mehr“: Eine Diagnose, die ich seit 20 Jahren feststelle (Fall Documenta; NJW: „Muss Kunst monokratisch sein? Der Fall documenta“; vgl. NJW 17/1997 S.1112-1114; auch NJW 22/1993). Ja: Breiter Widerstand regt sich, auch der von der amerikanischen Harvard-Universität im Internet eindrucksvoll organisiert wird. Nicht nur engagierte Berliner Bürger sind zu Besetzungen und Belagerungen (= OCCUPY OCCUPY Institution Nationalgalerie) der Gemäldegalerie entschlossen! Zwei Offene Briefe richtete ich an Bernd NEUMANN. Ich soll eine Antwort erhalten, sagte man mir. Dass die umstrittene PRIVAT-Sammlung von Erich MARX ins Feld geführt (Warhol, Twombly, Beuys - Hamburger Bahnhof) in die Gemäldegalerie ziehen möchte, ist ein Skandal. Wieder ein KUNSTMARKT-Fall, da man hier es mit „Leihgaben mit ungewisser Zukunft zu tun“ hat, die „von Verkäufen aus dem Museum heraus nicht verschont blieben“. Typisch: „Absichtsvoll wird die Legende ge
Es geht immer nur um das eine ...
das Geld. Die Galerie der Alten Meister ist wundervoll, das Haus auch. Ein Hochgenuss für jeden Besucher. Aber es fehlt der Andrang, das Publikum mit dem geschulten Auge und dem kunsthistorischen Hintergrund. Und damit kommt zu wenig Geld in die Kasse. Man will aber Kasse machen immer und überall. Dann kommt das Chaos und am Ende bezahlen die Berliner drauf.
das ein x-beliebiger sammler derart einfluß nehmen will und auch
noch bekommt. allein das diskreditiert doch schon das projekt, unter
schenke versteht man etwas anderes. er will sich einen platz in der
geschichte kaufen; soll er doch seine schnorraktion nach geltung in usa versuchen.
der letzte max ernst in privatbesitz, pff, na und, deshalb ist er
besser? schon mal herrn beltracchi gefragt? das wäre mal ein spaß.
Was in der Debatte bislang übersehen wurde, ist die schlichte Tatsache, daß das Bode-Museum für die Präsentation von Malerei denkbar ungeeignet ist. Die Lichtführung mindestens im Erdgeschoß ist für Skulpturen ausgelegt; wer je versucht hat, die beiden dort hängenden Tintoretto-Porträts eingehend zu betrachten, weiß, wovon ich rede. Bei dem schönsten Bellini Berlins, der sich bis vor kurzem ebenfalls im Erdgeschoß befand, hat man das offenbar erkannt und ihn ins Obergeschoß umgesiedelt, wo er nun noch mehr spiegelt als unten. Und in einem Kabinett hängen muß, wo er nicht richtig zur Geltung kommt. Im Obergeschoß hängen zudem durchaus Werke, auf die zumindest ich nicht verzichten würde. Wie man dort die halbe Sammlung der Gemäldegalerie auch noch unterbringen will, weiß höchstens Herr Parzingerow aus St. Petersburg.