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Kulturgutschutzgesetz : Was ist national wertvoll?

Die Debatte um den Kulturgutschutz ist unnötig – meint Isabel Pfeiffer-Poensgen, Chefin der Länderkulturstiftung. Im Interview verteidigt sie, warum der Staat entscheiden darf, ob Bilder von Warhol oder Stücke von Beethoven wertvoller sind.

          Frau Pfeiffer-Poensgen, in der Diskussion um das neue Kulturgutschutzgesetz bemühen manche Kunsthändler den Vergleich mit der Kunstpolitik der Nationalsozialisten. Was halten Sie davon?

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Ich finde es unerträglich, genauso wie den Vergleich mit dem Kunsthandel in der DDR. Diese Leute wissen nicht, worüber sie sprechen. Erst in jüngster Zeit konnte man aus der Presse erfahren, wie die DDR gegen Sammler vorging. Einige kamen in psychiatrische Anstalten, anderen wurde alles weggenommen, weil sie eine angebliche Steuerschuld hatten. Dass man das, ohne mit der Wimper zu zucken, mit dem heutigen Gesetzentwurf gleichsetzt, ist in jeder Weise unangemessen.

          Das neue Kulturgutschutzgesetz will ein für alle Mal feststellen, welche Kunst in Deutschland „national wertvoll“ ist – also das, was Botho Strauß einmal mit einem sehr umstrittenen Begriff „das Unsrige“ genannt hat. Ist es ein befriedigender Ansatz, zu sagen, alles, was älter als fünfzig Jahre und wertvoller als hundertfünfzigtausend Euro ist, steht unter Verdacht, dass es der Nation gehört?

          Mit dem Wert und dem Alter könnte man meiner Ansicht nach durchaus noch ein Stück hochgehen. Frau Grütters hat das auch schon angekündigt. Das Thema „national“ würde ich gern ein bisschen entspannter diskutieren. Es ist schlicht so, dass es eben nur keinen anderen Begriff dafür gibt. Es geht nicht um deutsche Kunst, deutsche Künstler, sondern darum, was auf unserem Territorium von besonderer kultureller Bedeutung ist, zum Beispiel für die Geschichte einer bestimmten Region. Es gibt sehr starke Bindungen an regional bedeutsame Kulturschätze. Das hat mit Nationalismus nichts zu tun. Wenn Sie sich bei unseren Nachbarn in Frankreich oder in England umschauen, dann geht es dort immer um geschichtlich bedeutende Kunstwerke.

          Findet sich der Ausdruck „national wertvolles Kulturgut“ auch in den Förderrichtlinien, wenn die Kulturstiftung der Länder öffentliche Ankäufe unterstützt?

          Ja, und ich kann es Ihnen aus der Satzung vorlesen: „Zweck der Stiftung ist die Förderung und Bewahrung von Kunst und Kultur nationalen Ranges. Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die Förderung des Erwerbs für die deutsche Kultur besonders wichtiger und bewahrungswürdiger Zeugnisse, vor allem, wenn deren Abwanderung ins Ausland verhindert werden soll oder wenn sie aus dem Ausland zurückerworben werden sollen.“ Darum geht es. Dabei denken wir beispielsweise an bedeutende Sammlungen, die in früheren Jahrhunderten an deutschen Fürstenhöfen entstanden sind. Wenn Sie wie ich ständig durch Deutschland reisen und diese verschiedenen Stätten besuchen, merken Sie, wie ungeheuer wichtig solche Dinge für eine Region sind und damit auch für Deutschland als Nation.

          Was waren in dieser Hinsicht wichtige Ankäufe, die Sie in den letzten Jahren unterstützt haben?

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          Zum Beispiel die älteste Nibelungenhandschrift, die inzwischen in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe liegt. Der zwölfteilige Zyklus „Graue Passion“ von Holbein d. Ä., ein Höhepunkt altdeutscher Malerei. Der an Nachfahren des ursprünglichen jüdischen Besitzers restituierte Schreibtisch Friedrichs des Großen, dessen Ankauf wir gefördert haben, damit er für immer in Sanssouci stehen bleiben kann. Oder auch zuletzt die Humboldt-Tagebücher für die Staatsbibliothek zu Berlin. Und natürlich Schriftsteller-Nachlässe: Brecht, Heiner Müller, Rilke. Musik-Autographen, viele bedeutende Handschriften von Beethoven, Reger oder Brahms. Es gab nie einen Streit darum, ob man Beethoven-Handschriften wie die Diabelli-Variationen gerne in Deutschland halten und im Beethoven-Haus Bonn aufbewahren möchte.

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