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Veröffentlicht: 10.02.2016, 21:59 Uhr

Peter Kurzeck als Maler Das Weltall aufzeichnen in Lebensgröße


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Irritierende Symbiose aus Pinsel und Schreibmaschine

Die eigentliche Ausstellung aber ist im städtischen Ausstellungsraum „Kultur im Zentrum“ zu sehen – eine beeindruckende Fülle von Arbeiten, die zum Teil die Hand des ausgesprochen talentierten Schülers verraten, später dann aber auch den reflektierten Künstler, der sich Vorbilder sucht und mit ihnen bricht, der zunehmend freier wird im Ausprobieren und in der Behandlung seines Materials, der seinen Namen immer prominenter ins Bild einschreibt und später sogar dort im Wort festhält, was das Bild zeigt: Bild und Text gehen bisweilen eine enge Verbindung ein, und die Signatur „Peter KurzEck Staufenberg“ passt sich den Konturen der abgebildeten Häuser oder Landschaften derart an, dass sie aus eigenem Recht am Bildaufbau teilhat.

1979 hatte er in einem Text das Arbeiten mit dem Pinsel und mit der Schreibmaschine eine irritierende Symbiose eingehen lassen, mit demselben Ziel, der Abbildung der Welt, aber ohne dass man die Methoden dazu klar unterscheiden könnte: „Herbst; weite Wege die ich ging, alle Tage. Ich malte jeden Tag; alle Augenblicke fing ich ein neues Buch zu schreiben an, ganze Lebenswerke, die ich im Geist (auf allen Wegen) immerfort entwarf und in Gang hielt. Alles würde letztlich wie ein Naturgesetz in das eine einzige ewige Buch münden, in dem ich das Weltall aufzeichnete, für die Ewigkeit! Alles in Lebensgröße; Faksimiledruck, zusätzlich alle Details unter der Lupe.“

Flächen, die nervös vibrieren

Auch in dieser Ausstellung sehen wir kaum einmal Menschen, abgesehen von einem ebenso sicher wie originell gemalten Selbstporträt, entstanden 1959, als Kurzeck fünfzehn oder sechzehn Jahre alt war, und der rätselhaften Skizze eines Mädchens, dessen Köpfchen fein ausgeführt ist, dessen Beine aber von einer Farbwoge fast verdeckt sind. Sonst sind da Stadtansichten, etwa aus Triest, Venedig, Prag oder Paris, und besonders im Fall der Montmartre-Bilder ist oft nicht ganz klar, ob Kurzeck nun nach der Natur malt oder nach Bildern – ein Paris-Bild trägt etwa das Datum 1959, obwohl Kurzeck wahrscheinlich erst zwei Jahre später zum ersten Mal in der Stadt war.

Und auch das in „Vorabend“ beschriebene Bild der von der Industrie angefressenen Lollarer Pfingstweide ist aufgetaucht und nun hier zu sehen – nicht ganz so groß, wie Kurzeck es beim Schreiben wohl in Erinnerung hatte oder machen wollte, aber eindrucksvoll in seiner düsteren Vision. Die Gewerbeimmobilien, die heute dort stehen, hatte Kurzeck 1965 noch gar nicht sehen können. Umso unbefangener, so scheint es, bringt er seine Ängste auf den Malkarton, reckt Schornsteine in den düsteren Himmel und lässt die Flächen wie nervös vibrieren. Besonders angesichts solcher klar aus dem Korpus herausstechender Bilder wäre man für einen Katalog dankbar, der eigentlich eine Sache von Kurzecks Hausverlag Stroemfeld wäre.

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Wie es tatsächlich um die Bilderverkäufe Kurzecks an die begeisterten Amerikanerinnen oder um den Ausstellungsruhm des Schülers steht, muss offenbleiben – die Berichte in den Lokalzeitungen etwa sind bislang aller Suche zum Trotz noch nicht aufgetaucht. Immerhin kann man hoffen, dass die Ausstellungen nicht nur den Anlass bieten, Kurzecks offensichtliche Doppelbegabung näher zu bestimmen. Sondern auch, dass durch sie angeregt vielleicht das eine oder andere Werk des Malers in Privatbesitz neu zugänglich wird.

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