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Olafur Eliassons Lampe „Little Sun“ : Spirituelle Sonne, funktionale Sonne

  • -Aktualisiert am

Kann Plastik die Welt verändern? Eine Fragestunde mit Olafur Eliasson über seine neue Lampe „Little Sun“ - die bis 2020 50 Millionen mal verkauft werden soll.

          Wie genau ein Kunstwerk zu seinem Endverbraucher gelangt, wie erfolgreich, wie nachvollziehbar und zu welchem Preis, das lässt seinen sogenannten künstlerischen Wert normalerweise mehr oder weniger kalt. Am Ende muss jeder selbst wissen, wie er es findet, wenn Jeff Koons erzählt, mit seinen Milliardärssammlern könne er auch persönlich ganz gut, oder wenn Gerhard Richter mal wieder sagt, wie „absurd und eigentlich lächerlich“ er die Preise findet, die Leute für seine Bilder bezahlen.

          Bei Olafur Eliasson, der es in Sachen Breitenbekanntheit inzwischen mit beiden durchaus aufnehmen kann, ist das anders. Im „Studio Eliasson“, wo wir uns treffen, achtet man sehr genau darauf, wann und wie über Geld geredet wird. Als Eliasson vor vier Jahren im Hudson River die „New York City Waterfalls“ anschaltete, da soll er etwa dem New Yorker Bürgermeister Bloomberg vertraglich verboten haben, in „quantifizierbaren Begriffen“ über sein Werk zu sprechen. Bloomberg durfte also beispielsweise nicht erwähnen, dass das Ganze schätzungsweise 15 Millionen Dollar gekostet hatte und sich die Stadt 50 Millionen Dollar zusätzlicher Tourismuseinnahmen davon versprach.

          Bei Eliassons neuestem Projekt verhält es sich umgekehrt. Zusammen mit dem dänischen Ingenieur Frederik Ottesen hat der Künstler eine kleine, tragbare LED-Lampe aus gegen alles Mögliche resistentem Acrylnitril-Styrol-Acrylat-Kunststoff geschaffen. Und weil die Lampe mit einer Solarzelle auf dem Rücken fünf Stunden Sonnenlicht in fünf Stunden LED-Licht verwandeln kann und ein bisschen aussieht wie eine Sonne oder Sonnenblume, haben die beiden ihr den schönen Markennamen „Little Sun“ gegeben. Diesmal darf das Publikum nicht nur quantifizieren, hier soll es das bitte schön sogar. Denn dem neuesten Werk von Eliasson kommt eine weitaus noblere Aufgabe zu als nur Fremdenverkehrswerbung: „Little Sun“ soll den 1,6 Milliarden Menschen helfen, die in Afrika und anderswo an Orten leben, an denen es kein funktionierendes Stromnetz gibt.

          Ausdrücklich profitorientiert

          Wenn zum Beispiel die Kinder in Äthiopien, Kenia, Simbabwe und später auch in anderen Ländern der Welt eine von Eliassons Lampen haben, so der Gedanke, dann können sie auch noch nach Einbruch der Dunkelheit weiter lesen und schreiben lernen, ohne dem gesundheitsschädlichen Ruß der ortsüblichen Kerosinlampen ausgesetzt zu sein oder ständig neuen Lampentreibstoff kaufen zu müssen.

          Das Ziel ist, wenig überraschend bei jemandem, der sonst Wasserfälle und künstliche Sonnen baut, nicht gerade bescheiden. Bis zum Jahr 2020 will die „Little Sun GmbH“ ihr Produkt 50 Millionen mal verkauft haben - genau: verkauft. Denn was sich zunächst wie Wohltätigkeitsarbeit anhört, ist ein ausdrücklich profitorientiertes Unternehmen. Und wer sich wundert, warum sich dann die Rhetorik und das Aussehen der Website so nach NGO anfühlen, dem erklärt Eliasson ungeduldig, dass an diesem Gefühl nicht er, sondern man selbst und die eigenen Vorurteile schuld seien. Er habe da einen „ganzheitlichen Ansatz“, sagt er: „Das Geschäftsmodell ist genauso wichtig wie das Objekt. Es ist ein unverzichtbarer Teil des Kunstwerks.“

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