21.06.2009 · Am Fuß der Akropolis erstreckt es sich über drei Stockwerke und eine Fläche von insgesamt 25.000 Quadratmetern: Das neue Akropolis Museum in Athen ist nach elf Jahren Bauzeit gestern eröffnet worden. Die griechische Regierung machte bei der Eröffnung Druck auf Großbritannien.
In Athen ist das neue Akropolis Museum am gestrigen Samstagabend eröffnet worden. Staats- und Regierungschefs aus zahlreichen Staaten Europas waren bei der Feier zugegen. Das neue, spektakuläre Museum am Fuß der Akropolis erstreckt sich, entworfen von dem Stararchitekten Bernard Tschumi, über drei Stockwerke und eine Fläche von insgesamt 25.000 Quadratmetern.
Vom Dach aus bietet sich dem Besucher ein Rundumblick über die Stadt bis hin zum Meer. Der Bau des größtenteils aus Stahl und Glas errichteten monumentalen Gebäudes hat mehr als elf Jahre gedauert. Er ersetzt das alte Museum auf dem Akropolishügel, das seit Jahrzehnten zu wenig Raum für die Kunstwerke geboten hatte, die zum Teil, unzugänglich für Besucher, in Magazinen aufbewahrt werden mussten.
Die Wunden des Monuments
Ein wichtiger Grund für die Bauverzögerung des neuen Museums waren umfangreiche, von der Archaik bis in die Spätantike reichende Überreste von Gebäuden, die beim Ausheben der Baugrube zutage traten. Sie sind nun mittels eines Glasbodens im Museums in zirka acht Metern Tiefe zu sehen.
Im neuen Museum sind nun nahezu alle unschätzbar wertvollen Funde aus der Antike ausgestellt. Viele Exponate, vor allem Teile des Frieses des Parthenontempels der Akropolis, werden als Duplikate präsentiert, da sich die Originale im Britischen Museum in London befinden. „Es ist die Zeit gekommen, dass die Wunden des Monumentes geheilt werden. Mit der Rückkehr der Marmorteile, die ihm gehören“, sagte der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias bei der Eröffnung. Mit dem Museum ist eines der bisher stärksten Argumente Großbritanniens, in Athen gebe es keinen geeigneten Ort für die Ausstellung des Marmorfrieses, gefallen.
Symbolische Ergänzung
Der griechische Kulturminister, Antonis Samaras, machte den Briten im Rahmen der Eröffnungsfeier ein Angebot: Sollten die fehlenden Friesteile zurückgegeben werden, sei Griechenland im Gegenzug bereit, hochwertige Ausstellungsstücke aus der Antike ins Britische Museum zu schicken.
Im Dritten Stock des Museums werden in hellem Licht der Fries und die Metopen des Parthenon ausgestellt. Beim Betreten des Saales bleibt der Besucher in der Regel fasziniert stehen: Die Akropolis ist zum Greifen nah. Der Fries ist fast in Augenhöhe. Die fehlenden Teile - 56 von 96 Platten - werden als helle Duplikate präsentiert, die sich auffallend von den weit dunkleren Originalen unterscheiden. Der ins Auge springende, fast unangenehme Unterschied soll nach dem Willen der Kuratoren eine beständige Mahnung dafür sein, die in London aufbewahrten Teile des Parthenonfrieses nun nach Athen zurückzugeben. Dasselbe gilt für die sechste der fünf Koren - Gebälke tragende Statuen junger Frauen vom Südflügel des Erechtheions auf der Akropolis - die sich ebenfalls in London befindet. Statt einer Kopie wird im neuen Akropolismuseum eine klaffende mahnende Lücke in der reihe der originalen Skulpturen präsentiert.
Der Druck wächst
Der Parthenon („Jungfrauengemach“) ist der wichtigste Tempel auf der Akropolis und eines der berühmtesten noch existierenden Baudenkmäler der Antike. Ein britischer Diplomat hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die am besten erhaltenen Teile des Parthenons und anderer Denkmäler der Akropolis demontiert und nach England gebracht. Der Direktor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), Koïchiro Matsuura, bot sich als Vermittler zwischen Athen und London an.
Zum Abschluss der Feier setze der griechische Kulturminister symbolisch ein Stück des echten Frieses des Parthenon in einem Duplikat ein. „Ich hoffe, dass eines Tages die beiden echten Stücke zusammengeführt werden können“, sagte er.
Die Tickets kosten bis zum Jahresende nur einen Euro. Auch danach muss man für den Eintritt in die Akropolis-Wunderwelt nur fünf Euro bezahlen.