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Otto Marseus van Schrieck : Der Krötenküsser

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Hübsche böse Schlängeleien: In Schwerin sind die wundersamen Naturgemälde des Otto Marseus van Schrieck zu entdecken, die im siebzehnten Jahrhundert in ganz Europa gefragt waren.

          Warum hat die Schlange keine Beine? Weil sie, so eine der Geschichten, von Gott dafür bestraft wurde, dass sie Adam und Eva anstiftete, in den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu beißen, woraufhin sie nun auf dem Bauch durch die Welt kriechen muss. Dass diese Geschichte im Fortgang allerdings noch eine überraschende Wendung haben könnte, auf diese Idee bringt einen die Ausstellung über den geheimnisvollen niederländischen Maler Otto Marseus van Schrieck, die das Staatliche Museum Schwerin zeigt.

          Denn warum soll es nach der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies nicht so weitergegangen sein: Die Schlange bleibt zurück, beinlos, aber „anders begabt“. Sie tut, was sie am liebsten macht: Böses. Sie jagt den schönen bunten Schmetterlingen nach, die sich in ihr Schattenreich verirrt haben. Sie schnappt nach ihnen, immer erfolgreich und nicht etwa deshalb, weil sie hungrig ist, denn die langsamen Schnecken und umständlichen Käfer lässt sie links liegen. Sie spürt die Kraft, mit der sie blitzschnell nach vorne stoßen kann. Falls irgendjemand je fragen sollte, warum sie es ausgerechnet auf die wenig nahrhaften Schmetterlinge abgesehen hat, dann würde ihre Antwort lauten: weil ich es kann.

          Otto Marseus van Schrieck hat keine Schriften hinterlassen, in denen er sich dazu äußert, warum ausgerechnet die Schlange zum Star in vielen der 150 Gemälden wurde, die von ihm überliefert sind. Aber ein Grund wird schon in seinen Bildern deutlich: die Begeisterung für ihren Körper. Zu den spektakulären Details der Schlangenanatomie gehört die Luftröhre, die im Unterkiefer endet, so dass sie aus dessen Mitte wie ein kleiner abgeschnittener Schlauch herausragt. Und Otto Marseus lässt seine Schlangen immer so posieren, dass der Betrachter freien Blick darauf hat, als wollte er uns sagen: Schaut nur, wie ingeniös, was für eine perfekte Maschine!

          Nur ein Bild übertrifft das Werk des Meisters

          Das Faible für originelle Konstruktionen teilte der Künstler mit seinen bevorzugten Darstellungsobjekten. „Sottobosco“, zu deutsch „Waldstillleben“, ist ein Genre, als dessen Erfinder er gilt, und dass ein Künstler ein neues Genre erfindet, ist in der Kunstgeschichte so selten wie die Unterkieferkonstruktion der Schlange im Tierreich. Porträts, Landschaften, Wirtshausszenen, Seestücke oder Blumenstillleben sind von van Schriecks Zeitgenossen hunderttausendfach gemalt worden. Aber niemand richtete den Blick zuvor auf den Waldboden, das Moos, die Flechten, Pilze und feuchtglänzenden Bewohner wie Kröten, Schlangen oder Schnecken.

          Van Schrieck war nicht nur der Erste, dem diese Welt abbildungswürdig schien. Er malte sie auch fast immer am besten. Auch das zeigt die Ausstellung. Den knapp dreißig Gemälden von Marseus van Schrieck werden etwa noch einmal so viele Werke von Künstlern des siebzehnten Jahrhunderts gegenübergestellt. Das einzige Gemälde, das eine Vorlage von Otto Marseus in der Ausstellung übertrifft, ist ein Bild der jungen Rachel Ruysch aus dem Jahr 1689. Darauf nascht eine farblose Echse einen Schmetterling, man sieht das fein gemalte Insektenköpfchen noch aus dem Maul ragen.

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          Auf zwei Stockwerken führt die Ausstellung durch die Vergleiche zwischen Otto Marseus und seinen Zeitgenossen, wobei im ersten Saal die Beleuchtung leider nicht immer günstig ist. Zum Teil glänzen die Bilder dort so stark, dass sich Details nur erahnen lassen. Zum Teil liegen die Schwierigkeiten allerdings auch bei den Gemälden selbst, die sich unterschiedlich gut erhalten haben, so dass in einigen Fällen von den Schuppen der Schmetterlingsflügel, die der Künstler direkt in das Bild hineindrückte, nur ein mehlfarbener Fleck geblieben ist.

          Diabolische Freude am Schrecken

          Ideale Bedingungen herrschen dagegen im großen Saal, der sich im unteren Geschoss befindet. Dort hängt, ganz zum Schluss, Peter Paul Rubens’ „Das Haupt der Medusa“ von 1617/18, das aus dem tschechischen Brno angereist ist. Rubens lässt die Schlangen, die sich um den abgeschlagenen Kopf von Gorgo Medusa winden, ein schauriges Ballett aufführen. Blut quillt aus der Schnittwunde ,und das Entsetzen ist in Medusas Gesicht eingefangen. Rubens Werk hat in den Titel der Schau Eingang gefunden, „Die Menagerie der Medusa“. Gerade im Kontrast zu Rubens zeigt sich jedoch der Erfindergeist des viel jüngeren Künstlers, der die Perspektive wechselte: Rubens zeigte den Schrecken, den die Schlangen auslösen, Otto Marseus dagegen ihre diabolische Freude daran, Schrecken zu verbreiten.

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