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Museumsstreit : Dürers Pelz - ein Stück Beutekunst?

Das Germanische Nationalmuseum will Albrecht Dürers „Selbstbildnis“ ausleihen, die alte Pinakothek gibt es nicht her: Ein Blick in die Geschichte des Gemäldes.

          Eigentlich geht es um ein Bild. Das Germanische Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg möchte Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ von 1500 in seiner Ausstellung „Der frühe Dürer“ zeigen, die am 24. Mai eröffnet wird. Aber die Alte Pinakothek, in der das Gemälde hängt, will das „Selbstbildnis“ nicht hergeben, weil es auf einer Liste mit 113 Werken steht, die nicht verliehen werden. Die Nürnberger Bitte, für ein Schwestermuseum - Pinakothek und GNM unterstehen derselben Kulturverwaltung - eine Ausnahme zu machen, fand in München kein Gehör. Darauf wandten sich die Nürnberger Museumsleute an den Bayerischen Landtag.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Jetzt geht es um Politik. Am vergangenen Donnerstag forderten sämtliche Fraktionen im Münchner Landtag die Pinakothek auf, das „Selbstbildnis“ auszuleihen. Am Freitag erklärte der Generaldirektor der bayerischen Staatsgemäldesammlungen, das Bild sei „konservatorisch höchst fragil“ und zudem bei einer Ausleihe im Jahr 1971 beschädigt (“mit einer geöffneten Fuge sowie dadurch entstandenen Farbverlusten“) aus Nürnberg zurückgekehrt. Der Kurator der Nürnberger Dürer-Schau entgegnete, in den Verhandlungen mit München sei von einer älteren Beschädigung nie die Rede gewesen; statt dessen hätte die Pinakothek stets nur auf ihre Sperrliste verwiesen.

          Von wegen Transportfähigkeit

          Am Freitagnachmittag meldete sich der Direktor der Dresdner Gemäldegalerie zu Wort: Im „Kompetenz- und Methodenstreit“ um Dürer müsse die Autonomie des Museums den Vorrang haben. Am Montag legten der Deutsche Museumsbund und die deutsche Sektion des Internationalen Museumsrates ICOM nach: „Politische Argumente“ beziehungsweise „Erwägungen“ dürften bei der Entscheidung über die Ausleihe keine Rolle spielen. Unter den kommentierenden Zeitungen schlug die „Neue Zürcher“ den schrillsten Ton an: Bei dem Streit gehe es „nicht um ein Bild“, sondern „um seit gut 200 Jahren nicht gelingende Völkerverständigung“ zwischen Franken und Bayern.

          Wer kämpft da gegen wen: Museen gegen Museen? Kuratoren gegen Politiker? Franken gegen Bayern? Vielleicht trägt es zur Klärung der Sachlage bei, wenn man die technische Frage der Transportierbarkeit von Dürers Meisterwerk zunächst beiseite lässt und nach der Herkunft und Geschichte des Gemäldes fragt. Provenienzforschung ist ja gerade so etwas wie die heilige Kuh der deutschen Kunsthistoriker; Alte Meister dürfen ihr nicht gleichgültig sein. Und vielleicht lässt sich auf diese Weise auch erklären, warum gerade das „Selbstbildnis im Pelzrock“ für Nürnberg so wichtig ist.

          Die Finanznot trieb den Handel an

          Albrecht Dürer malte das Bild um 1500 - so jedenfalls verkündet es die Jahreszahl über seinem Monogramm, auch wenn einige Kunsthistoriker eine spätere Entstehungszeit annehmen, weil der Pelzmantel, den er trägt, laut Reichspolizeiordnung jenen Patriziern vorbehalten war, zu denen Dürer erst nach seiner Wahl in den Nürnberger Rat im Jahr 1509 gehörte. Später schenkte er das Porträt dem Rat, der es über einem Portal im Rathaus anbringen ließ. 1577 sah es dort der niederländische Kunsttheoretiker Karel van Mander, auch im achtzehnten Jahrhundert ist es im Ratsinventar belegt. Ende Juli oder Anfang August 1805 wurde das „Selbstbildnis im Pelzrock“ dann von dem Kunstsammler Georg Gustav Petz von Lichtenhof und dem Kupferstecher Abraham Wolfgang Küfner für nur sechshundert Gulden an die kurfürstlichen, später königlich bayerischen Gemäldesammlungen verkauft.

          Wie kam es zu dem Handel? Für Nürnberg waren die Jahre um 1800 eine unruhige Zeit. Der Schatten Napoleons fiel auf Europa, schon im Sommer 1796 hatten französische Truppen die Stadt für kurze Zeit besetzt; auch Bayern und Preußen meldeten Gebietsansprüche an. Zur politischen trat die finanzielle Not: Der Dreißigjährige Krieg hatte die Stadt ruiniert, ihre Verschuldung erreichte griechische Höhen. Daher hatten die Nürnberger Stadtväter in aller Stille begonnen, ihr künstlerisches Tafelsilber in Gestalt von Dürers Gemälden an das reiche Bayern - und andere Guldenbringer - zu verkaufen. 1627 hatte der bayerische Kurfürst noch mit nackten Drohungen die Herausgabe der „Vier Apostel“ erzwingen müssen; seither waren immer mehr Dürer-Originale freiwillig nach München gegangen und durch Kopien ersetzt worden. Nur das „Selbstbildnis“, die Inkunabel der Künstlermetropole, hing immer noch im Nürnberger Rathaus.

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