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Museumsprojekte in Abu Dhabi Das Wichtigste aus der Menschheitsgeschichte

 ·  Budgets werden gekürzt, erste Ausschreibungen wieder zurückgenommen: Abu Dhabis hochfliegende Museumsprojekte müssen Federn lassen, aber sind in ihrem Bestand nicht bedroht.

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© Benjamin S. Koren Das Ziel ist mit der Eröffnung 2015 gesteckt: Ein Modell der Kuppel des Louvre in Abu Dhabi, samt Hut des Architekten Jean Nouvel.

Haben Sie etwa noch nichts vom Berliner Flughafen Schönefeld gehört? Verzögerungen, ja, die gibt es doch überall beim Bau großer Prestigeprojekte, in Deutschland wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese Erfahrungen machen nun bei der Abu Dhabi Tourism and Culture Authority auch die Herren in den weißen Kunduras und die Frauen in den schwarzen Abbayas. Nicht immer wird die Häme jedoch gleichmäßig ausgeschüttet.

Manche westliche Medien haben Abu Dhabis hochfliegenden Museumsprojekten schon das „Aus“ vorausgeschrieben. Gewiss, die Euphorie, mit der bei der Bekanntgabe des Louvre von Abu Dhabi und des Guggenheim am Golf noch alles in Siebenmeilenschritten machbar schien, ist selbst in der ölreichen Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate inzwischen einem nüchternen Realismus gewichen. Budgets wurden gekürzt, erste Ausschreibungen zurückgenommen. Zunächst hatten sich die emiratischen Verantwortlichen auch bei den Museumsprojekten von internationalen Consultants vieles einreden lassen, was nicht superlativ und teuer genug sein konnte. Heute streckt sich auch Abu Dhabi, das viel Geld zur Rettung Dubais auszugeben hatte, nach einer immer noch bequem langen Decke.

Aufgehoben oder aufgeschoben?

Zu Jahresbeginn hat sich die Regierung festgelegt: Der Louvre wird 2015 eröffnet, das Zayed Nationalmuseum 2016 und im Jahr darauf das Guggenheim. Die auf schwierige Fundamente spezialisierte deutsche Firma Bauer Spezialtiefbau hat längst die Fundamente für den Louvre und das Guggenheim in den salzigen Meeressand an der Küste der Insel Saadiyat gelegt. Eine zweite Ausschreibung für den eigentlichen Bau des Louvre unter einer riesigen, flach gewölbten Decke von Jean Nouvel steht bevor; der Auftrag soll noch in diesem Jahr vergeben werden.

Noch nicht festgelegt ist der Zeitpunkt für die zweite Ausschreibung des Guggenheim mit seinen verschachtelten Kuben. Die Angebote wurden als zu teuer verworfen. Nun soll mancher teure Schnickschnack wegfallen; der Architekt Frank Gehry wehrt sich aber dagegen. Offen ist ferner der Zeitpunkt, wann die in eine zweite Phase verschobenen Projekte von Zaha Hadids Zentrum für darstellende Künste und Tadao Andos Meeresmuseum in Angriff genommen werden.

“Die Regierung hat sich mit den Daten der Eröffnung festgelegt und hat sich damit zu den drei Museen öffentlich verpflichtet“, heißt es in der Abu Dhabi Tourism and Culture Authority. Daher arbeiten ihre Beschäftigten Tag für Tag am Erwerb neuer Exponate, zudem bereiten sie die Bevölkerung mit Ausstellungen, Vortragsreihen und Workshops für Kinder auf die Museen vor. „Das würden wir doch nicht tun, wollten wir nicht die Museen eröffnen.“

Wie bei den meisten Themen fallen in Abu Dhabi auch bei den Museumsprojekten die Entscheidungen bar jeglicher Transparenz hinter dichten Vorhängen. Gründe für die Verzögerungen sind nie öffentlich genannt worden. Der Zwang zu Einsparungen wird vermutet, zu spleenige Erstentwürfe spielen eine Rolle. In der Zeit der arabischen Aufstände ist gewiss auch die Frage von Belang, ob die Emiratis Museen mit einer Kunst, die nicht die ihre ist, wirklich wollten und auch brauchten.

Der Preis und die Relevanz

Mit einem eigenen Ansatz sollen sie davon überzeugt werden. Das benachbarte und ebenso reiche Qatar hat sich für ein Museum zur Geschichte der islamischen Zivilisation entschieden. Im Pariser Louvre, dem British Museum und dem New Yorker Metropolitan Museum sind die Abteilungen nach den Regionen der Welt geordnet. Im Louvre von Abu Dhabi werden die Abteilungen aber chronologisch von der Antike bis in die Neuzeit hinein führen. Gezeigt werden soll, wie in einer Epoche Kunst in den unterschiedlichen Regionen der Welt ähnlich oder aber verschieden ausgedrückt worden ist und wird. „Was wir als Exponat erwerben, muss sich in dieses Narrativ einfügen“, sagen die Verantwortlichen. Das Zayed Nationalmuseum hingegen, das in Zusammenarbeit mit dem British Museum entsteht, wird seine Abteilungen jeweils mit einem lokalen Bezug beginnen und ihn dann global ausweiten.

Hundert der Verantwortlichen sind in unterschiedlichen Konstellationen in den Erwerb der Exponate eingebunden. Die Kuratoren, mit denen Abu Dhabi zusammenarbeitet, machen Vorschläge, auch die Späher, die weltweit auf Messen nach interessanten Exponaten Ausschau halten. Je nach Exponat setzt sich das Akquisitionskomitee anders zusammen. Entscheidend für den Ankauf sind der Preis und die Relevanz für die eigene Sammlung, die seit 2009 entsteht. Eine Hilfe ist dabei das Staatsabkommen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Frankreich. Dieses sieht vor, dass Abu Dhabi aus den Beständen der zehn Museen, die wie der Louvre und das Centre Pompidou im AFM (Agence France Museums) zusammengeschlossen sind, so viele Ausstellungsstücke erhält, um die Ausstellungsfläche im Louvre zu füllen.

Musik aus Indonesien

Parallel zum Aufbau eigener Sammlungen führen die Verantwortlichen die Bevölkerung und vor allem das junge Publikum an die Museen heran. Dieser Tage geht in Manarat Saadiyat, einem provisorischen Museumsbau auf der Insel Saadiyat, die zwölfte Sonderausstellung zu Ende. Das British Museum hat sie vorbereitet und hat die Exponate für die Ausstellung „Treasures of the World’s Cultures“ zu allen wichtigen Epochen der Menschheitsgeschichte aus seinen Beständen ausgesucht.

Zum Abschluss haben zeitgenössische Künstler aus aller Welt am 6. Juni an die Exponate angeknüpft: der Deutsche Johannes Häfner stellte die Kunst des Drucks vor, der britische Performer Kayo Chingonyi rezitierte seine Gedichte, das Institut Français ließ aus den Musikbeständen des Musée du Quai Branly Musik aus allen Kontinenten jenseits Europas durch Mo Laudi and dÉbruit erklingen, Musiker aus Indonesien und Tänzer aus Indien führten in die Kunst ihrer Kulturen ein.

Breit ist die Palette der Veranstaltungen zu den einzelnen Ausstellungen. Regelmäßige Vorträge, monatlich auch zu einzelnen Aspekten des Pariser Louvre, sprechen vor allem die gebildeten Erwachsenen und Akademiker an. Lehrer führen ihre Schulklassen in die Ausstellungen, besonders populär war die Fotoausstellung „Emirati Expressions“, die in Zusammenarbeit mit dem Guggenheim entstanden war.

“Gezielt wenden wir uns an die Kinder, um sie früh mit Kunst vertraut zu machen“, sagt eine emiratische Verantwortliche bei der Abu Dhabi Tourism and Culture Authority. Ohne genervt zu sein, geht sie abermals auf die Frage ein, ob die einheimischen Emiratis die Museen denn wirklich wollten. Jedes Museum auf der Welt stelle sich doch die Frage, wie es an seine Besucher komme, erwidert sie höflich. „Bei abstrakter Kunst im Westen ist das nicht anders als bei uns.“

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Politik.

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