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Museumsneubau „Art & Cars“ : Bauwellen für Oldtimer und Gemälde

  • -Aktualisiert am

Der Neubau des Museum Art & Cars in Singen könnte künftig zum Mekka der Kunst- und Architekturfreunde werden. Dort erwarten sie wohltuende Schwingungen - von außen und von innen.

          Singen am Hohentwiel ist eine Industriestadt am südlichen Rand Baden-Württembergs, nahe der Schweizer Grenze und dem Bodensee gelegen. Gelegentlich mischt sich die klare Brise vom See mit dem kräftigen Duft von Maggi-Würze, die hier produziert wird. Ansonsten assoziiert manch einer wohl Singen mit Feinripp von Schiesser, der Firma, die Generationen deutscher Männer mit Unterwäsche eingekleidet hat. Heute gibt es in der Stadt nur noch einen Outletverkauf des Unternehmens.

          Mit seinem neuen Wahrzeichen aber wird Singen in den nächsten Monaten vielleicht einen ähnlichen Popularitätsschub wie Bilbao verzeichnen, das dank seines spektakulären Guggenheim-Museums von Frank O. Gehry von der grauen Industriemaus zum Touristenmagneten aufstieg.

          Keine Spuren der grassierenden Glaskubus-Seuche

          Auch die Stadt im Hegau könnte künftig über die Grenzen Süddeutschlands hinaus zum Mekka für Architektur-, Kunst- und Oldtimerfreunde werden: Das Ehepaar Hermann Maier und Gabriela Unbehaun-Maier stiftete der Stadt ein neues Museum, das Museum Art & Cars, kurz MAC, das unmittelbar am Fuß der Festung Hohentwiel, der größten Festungsruine Deutschlands und des historischen Wahrzeichen Singens, errichtet worden ist. In ihm wird die Südwestdeutsche Kunststiftung künftig Sammlungen klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst sowie erstklassige Oldtimer in Wechselausstellungen präsentieren.

          Der Museumsbau ist auf Anhieb erkennbar als Architektur vom Feinsten. Fensterlos, eine Komposition ineinandergleitender konkaver und konvexer Formen, wirkt er in der Fernsicht wie eine Freiland-Skulptur. Bauherren und Architekt, die sich seit Jahren kennen, haben dabei perfekt zusammengearbeitet. Heraus kam alles andere als die derzeit grassierende Glaskubus-Seuche, die seit einigen Jahren die Republik gepackt hält. Stattdessen hat der Architekt Daniel Binder aus Gottmadingen einen allseits sanft und doch dynamisch schwingenden Bau entworfen, eine in sich kreisende Welle der Kunst, die auffällt ohne zu provozieren, spektakulär wirkt ohne Spektakel zu sein.

          Seneca wurde erhört

          Die Schwünge des gesamten Hauses, in der Fassade wie in den Innenräumen, sind von einer anmutigen Leichtigkeit, die sich als zwangloses Wohlgefühl auf den Besucher überträgt. Auf zwei Etagen verteilen sich die Ausstellungsräume, teils von Licht durchflutet, teils gänzlich abgedunkelt. Im oberen großen Saal schwingt sogar die Decke in Wellen. So gesellt sich zum Beschwingtsein unmerklich Konzentration: Das Auge findet keinen Halt in der Architektur und widmet sich umso intensiver der Kunst an den Wänden.

          Das wiederum hat nichts zu tun mit den Metaebenen, die ein Rudolf Steiner oder Friedensreich Hundertwasser in ihre schwingenden Wände geheimnissten. Daniel Binder und seinen Bauherren lag einzig daran, den Sammlungsstücken ein angemessenes wohltuendes Ambiente zu schaffen. Dass sie dabei auf das Leitmotiv Welle verfielen, liegt am Standort des neuen MAC: Die Bewegtheit des Neubaus paraphrasiert unverkennbar die Wandschwünge und bewegten Umrisse der in Sichtweite hoch oben auf dem Hohentwiel gelegenen Festungsanlage samt der bergigen Hegaulandschaft mit ihren Kegeln erloschener Vulkane. Eine so naheliegende wie wunderbare Idee, getreu der Maxime des römischen Philosophen Seneca: „Alle Kunst ist die Nachahmung der Natur.“ Vom 24. November an wird die Öffentlichkeit sich vom Gelingen dieses baukünstlerischen Nachahmungsprozesses überzeugen können.

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