Home
http://www.faz.net/-gsa-10brp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Deutsches Weininstitut

Museum für komische Kunst Die Komik ist ein ernstes Feld

Nächste Woche eröffnet in Frankfurt das Museum für Komische Kunst, eine riesige Chance für die Stadt. Aber hinter den Kulissen geht es nicht mehr nur lustig zu: Kleinliche Mittelvergabe und persönliche Differenzen schränken die Möglichkeiten stark ein.

© Vergrößern Aus der Feder von F.K. Waechter

Als Achim Frenz den Besucher empfängt, hätte er mit Fug und Recht sagen können: Ich stecke im Gröbsten. Nur wenige Tage vor der Eröffnung des Frankfurter Museums für Komische Kunst (MKK) sind gerade einmal die Büromöbel für den Museumsleiter Frenz und dessen Mitarbeiter geliefert worden – doch als einzige Mitarbeiterin gibt es seit Anfang September eine Sekretärin. Immerhin kann sie ihrem bis dato noch allein agierenden Chef nun organisatorische Aufgaben abnehmen: den Druck der Faltblätter, mit dem zur Eröffnungsfeier am 1. Oktober geladen wird, den Versand der Einladungen, das Beantworten von Anfragen. Doch für Frenz bleibt genug zu tun. Im Erdgeschoss, wo künftig Wechselausstellungen gezeigt werden sollen – zur Eröffnung eine Werkschau des 2004 verstorbenen Frankfurter Cartoonisten und Malers Bernd Pfarr –, schleppt sich der Umbau Wochen hinter dem ursprünglichen Zeitplan her. Vor kurzem erst ist der Aufzug in Betrieb genommen worden.

Andreas Platthaus Folgen:    

Wie Frankfurt das neueste Juwel in seiner beeindruckenden Museumskollektion ausgestattet hat, ist teilweise erstaunlich, teilweise aber auch skandalös. Vor drei Jahren genehmigte der Stadtrat den Millionenankauf des zeichnerischen Werks von vier berühmten Künstlern: Robert Gernhardt, F. W. Bernstein, Hans Traxler und Chlodwig Poth. Jeweils tausend ihrer Arbeiten sicherte sich die Stadt, und fortan konnte sie die seit Jahren erhobene Forderung nach einem eigenen Haus für die Komische Kunst, die zuvor unter dem Titel „Caricatura“ im Historischen Museum ausgestellt wurde, nicht mehr abweisen. Schätze brauchen eine Schatzkammer, und der frisch erworbene Bestand ist einer der größten Reichtümer an gezeichnetem Humor, den man in Deutschland finden kann.

Mehr zum Thema

Lachen im Leinwandhaus

Die enorme Vorleistung, die der Ankauf darstellte, ließ die Stadt aber vor weiteren exorbitanten Ausgaben zurückschrecken. Ein Neubau stand deshalb außerhalb jeder Diskussion, obwohl genau der kurz danach dem Historischen Museum zugestanden wurde, dem das MKK weiterhin zugehörig bleiben wird, weil der Direktor Jan Gerchow die formelle Zuständigkeit für die Komische Kunst nicht aufgeben wollte. Konkrete Wünsche von Achim Frenz nach geeigneten städtischen Immobilien blieben unberücksichtigt, und schließlich schlug man dem MKK das Leinwandhaus zu, ein 1982 auf ausgebombten Resten rekonstruiertes spätgotisches Gebäude, das zwar beste zentrale Lage bietet, dessen Räumlichkeiten aber alles andere als ideal für die subtilen Ausstellungsobjekte waren, die hier gezeigt werden sollen.

Das Frankfurter Museum für Komische Kunst soll eigene Räumlichkeiten bekommen - Noch ist die komische Kunst unter dem Dach dem Historischen Museums untergebracht, soll aber in das leere Leinwandhaus in der Altstadt ziehen. © Henning Bode Vergrößern Schon vor der Eröffnung ist das Leinwandhaus viel zu klein für das Museum

Dafür wurde das im Leinwandhaus angestammte Foto-Forum vertrieben, und der wieder denkmalgeschützte Innenraum radikal umgebaut. In die fast die ganze Fläche des Erdgeschosses umfassende große Halle, wo der größte Teil an Originalsubstanz erhalten blieb, wird eine Galerie in den fast sieben Meter hohen Raum gezogen – konservatorisch ein Geniestreich, weil dort oben in fest installierten Tischvitrinen die äußerst lichtempfindlichen Zeichnungen optimal präsentiert werden können, während unten auf flexibel verschiebbaren Wänden robustere Kunst gehängt werden kann. Ästhetisch aber ist der Umbau ein Debakel, weil die hölzernen Balkenbögen unter der Decke kaum noch zu erkennen sind und gleich gegenüber vom Eingang ein Kabinett eingezogen wurde, das den weiten Saal verengt. Es soll die Kasse aufnehmen – und einen Buchladen mit einem auf den Museumsbestand ausgerichteten Angebot, von dem sich das MKK gute Umsätze verspricht.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Insolvenzverfahren Detroit schnappt nach Luft

Die Stadt Detroit hat das größte kommunale Insolvenzverfahren in der Geschichte Amerikas abgeschlossen. Aber auch wenn der Zwangsverwalter jetzt seine Arbeit niederlegt, bleibt die Frage: Wie kann die Stadt den Exodus seiner Bürger stoppen? Mehr Von Norbert Kuls, New York

11.12.2014, 18:17 Uhr | Wirtschaft
Warschau Museum der Geschichte der polnischen Juden eröffnet

In Warschau sprachen zur Eröffnung des Museums die Präsidenten Polens und Israels Mehr

28.10.2014, 23:14 Uhr | Gesellschaft
Weihnachtszirkus in Frankfurt Pferde, Löwen und zwei Verrückte im Todesrad

Auch Frankfurt hat jetzt einen Weihnachtszirkus. Im Carl Busch kommt die ganze Familie zu ihrem Vergnügen, auch wenn eine wichtige Nummer fehlt. Mehr Von Hans Riebsamen, Frankfurt

21.12.2014, 15:00 Uhr | Rhein-Main
Nachtschicht im Krankenhaus Den Menschen nicht vergessen

Es gibt nichts, was es nicht gibt in der Notaufnahme des Frankfurter Bürgerhospitals. Erst recht, wenn es draußen schon dunkel ist. Nicht alles ist dramatisch. Manches ist komisch. Und manches traurig. Mehr

02.11.2014, 11:59 Uhr | Gesellschaft
Zurück zur Feudalkunst Sind das die Medici von heute?

Die neuen Großsammler bauen Privatmuseen in Venedig oder Paris. Sie geben Millionen für die Kunst aus. Deshalb werden sie häufig mit den berühmten Kunstmäzenen der Neuzeit verglichen. Zu Recht? Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Matthias Müller Mehr Von Julia Voss

11.12.2014, 21:21 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.09.2008, 13:26 Uhr

Uli Hoeneß macht einen fatalen Spielzug

Von Jochen Hieber

Für „hervorragende Verdienste“ um den Freistaat und das Volk wird der Bayerische Verdienstorden verliehen. Uli Hoeneß erhielt ihn 2002. Jetzt schickt er ihn zurück. Das zeugt von wenig Sachkenntnis und ist symbolisch fatal. Mehr 78 79