20.11.2008 · 55 Meter lang, 30 breit und 17 hoch: Im Duisburger Innenhafen soll das private Museum Küppersmühle um einen quaderförmigen Bau erweitert werden. Die Firma Evonik darf ihn als Werbeblock benutzen. Ein zu hoher Preis für die Kunst?
Von Andreas Rossmann, DuisburgMinisterpräsident Jürgen Rüttgers kam mit kleiner Entourage. Als wollte er seinem Staatssekretär Begleitschutz geben und dessen ständige Rede, Kultur sei in Nordrhein-Westfalen Chefsache, ausnahmsweise bestätigen. Dabei geht es nicht einmal um ein Projekt des Landes: Im Duisburger Innenhafen soll das private Museum Küppersmühle um einen Bau erweitert werden, der den 36 Meter hohen, seit 1972 leer stehenden Silos neben dem Haus als Quader aufgesetzt wird – 55 Meter lang, 30 breit und 17 hoch.
Wie ein schwebender Balken soll der transluzente Kubus wirken, der in 22 Räumen auf zwei Geschossen rund zweitausend Quadratmeter Ausstellungsfläche bereitstellt. Die Sammlung von Sylvia und Ulrich Ströher, die, inklusive der von ihnen 2005 erworbenen und hier seit 1999 präsentierten Kollektion von Hans Grothe, rund 1500 Werke umfasst, wird dann nicht mehr nur etwa hundert, sondern dreimal so viele Bilder zeigen können.
Ein neues Wahrzeichen
Der Duisburger Innenhafen, bis um 1960 „Brotkorb des Ruhrgebiets“, wird seit 1991 nach einem Masterplan von Norman Foster zu einer Vorzeigemeile des Strukturwandels entwickelt, die Wohnen, Arbeiten, Szene-Lokale, Gastronomie und kulturelle Einrichtungen verknüpft: Die alten Mühlen und Speicherhäuser werden neuen Nutzungen zugeführt und architektonisch anspruchsvoll arrondiert. Mit dem Aufbau, der direkt an der Autobahn A 59 deren Trasse bildmächtig überragen wird, soll das Quartier erhalten, was der aschenputteligen Halbmillionenstadt Duisburg immer noch fehlt: ein Wahrzeichen. Bauherr ist die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (Gebag); die Kosten in Höhe von dreißig Millionen Euro tragen zu je einem Drittel das Land, Evonik Industries (vormals RAG) und ein Zusammenschluss privater und öffentlicher Zuwendungsgeber.
Von „Magie des Ortes“, „Sichtbarkeit“ und „Fernwirkung“ war bei der Präsentation des Vorhabens viel die Rede – schließlich will auch Duisburg im Kulturhauptstadtjahr 2010 glänzen. Architekten sind Herzog & de Meuron, die schon die Küppersmühle in ein Ausstellungshaus verwandelt haben und Qualität garantieren. Fragen stellen sich gleichwohl. Belastet der monumentale Kasten – à propos Sichtbarkeit – nicht das Erscheinungsbild des Innenhafens wie auch dessen Lesbarkeit als Denkmalensemble, indem er alles, was darunter ist, förmlich unterdrückt.
Ist es nicht ein unverschämter Preis (für die Kunst), wenn ihn Evonik als Werbeblock nutzt? Und kann eine zwar reich bestückte, aber in ihrem Repertoire eher schmale Sammlung (westdeutsche Malerei seit 1945) dieses Volumen dauerhaft bespielen? Dazu bestünde (öffentlicher) Gesprächsbedarf. Doch zu spät. Die Kulturhauptstadt ruft: Bis 2010 muss alles fertig sein.